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USA vor Vergeltungsangriffen

Bush macht Osama Bin Laden für die Anschläge verantwortlich. swissinfo.ch

Die USA stehen vor einem "umfassenden" Angriff auf den internationalen Terrorismus und seine staatlichen Helfer. US-Präsident George W. Bush bereitete am Wochenende mit seinen Beratern in Camp David eine "Serie von entscheidenden Aktionen" vor.

Hauptziel ist der von den USA weltweit gesuchte Terroristenführer Osama Bin Laden. Er gilt als Hauptverdächtiger hinter den Anschlägen in den USA. Bin Laden bestritt jedoch am Sonntag jede Verwicklung in die Terroranschläge.

Die amerikanische Militärmaschinerie ist bereits angelaufen. Der US- Präsident liess zunächst 35’000 Reservisten mobilisieren. Aus Angst vor amerikanischen Angriffen hat in Afghanistan eine Massenflucht eingesetzt.

Pakistan unternimmt Rettungsversuch

Das für Angriffe auf Afghanistan wichtige Nachbarland Pakistan sicherte Washington seine Unterstützung zu. Pakistan will am Montag eine Regierungsdelegation zum radikal-islamischen Taliban-Regime im benachbarten Afghanistan entsenden. Damit unternimmt Pakistan einen letzten diplomatischen Versuch, um einen drohenden Krieg der USA gegen Afghanistan abzuwenden.

Die pakistanische Botschafterin in den USA, Maleeha Lodhi, hat bestätigt, dass ihre Regierung in Afghanistan auf eine Auslieferung Bin Ladens dringen will.

Die afghanische Taliban-Miliz drohte für den Fall eines US- Angriffs mit einem regionalen Krieg, wenn die Nachbarstaaten die USA bei einer Militäroperation unterstützen sollten. Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar berief die führenden islamischen Geistlichen ein, um die Ausrufung eines «Heiligen Kriegs» gegen die USA zu beraten.

Krieg der Zivilisationen vermeiden

Der deutsche Aussenminister Joschka Fischer hat vor unüberlegtem Vorgehen gewarnt. «Man darf am Ende mit den Reaktionen nicht mehr Instabilität schaffen, als dies davor der Fall war», sagte er am Samstag im ZDF.

Es dürfe auch nicht zu einer Feindschaft der Kulturen und Religionen kommen, denn damit würde man «Wasser auf die Mühlen» der Attentäter lenken. Es müsse unbedingt vermieden werden, dass es zu einem Konflikt des Westens mit dem Islam komme.

Fahndungserfolge

Bei der Fahndung nach den Hintermännern der Anschläge wurden bislang vier Haftbefehle in den USA und in Belgien erlassen. Die US-Bundespolizei FBI durchsuchte 35 Objekte an verschiedenen Orten. Auch in den Niederlanden und Schweden wurden nach Angaben der Justiz Netzwerke extremistischer Moslems aufgedeckt.

Zuvor hatte die Bundespolizei eine Liste mit den Namen von 19 Hauptverdächtigen veröffentlicht, welche die Flugzeuge gekapert haben sollen. Sieben der Männer waren offenbar als Piloten ausgebildet.

Mindestens ein Attentäter hielt sich längere Zeit in der Schweiz auf. In Zürich kaufte er zwei Taschenmesser, wie das Bundesamt für Polizei einen Bericht des «SonntagsBlick» bestätigte. Es handle sich dabei um einen in Hamburg gemeldeten Terroristen.

Über 5’000 Menschen vermisst

Unter den Trümmern des am Dienstag eingestürzten World Trade Centers werden noch 5’097 Menschen vermisst. 180 Opfer wurden tot geborgen, 115 von ihnen identifiziert. Im zerstörten Pentagonflügel in Washington wird mit 190 Todesopfern gerechnet.

Von den Schweizerinnen und Schweizern, von denen man seit den Attentaten keine Nachricht hatte, sind fast die Hälfte bis am Wochenende wieder aufgetaucht. Nach Angaben des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gibt es nun noch von 150 Schweizer Staatsangehörigen keine Hinweise über den Verbleib.

Neben dem Schweizer Ehepaar, das in einem der beiden Flugzeuge sass, die in das World Trade Center raste, rechnet das EDA bei sechs weiteren Personen mit dem Schlimmsten.

Normales Leben wieder aufnehmen

Trotz der allgemeinen Traumatisierung sollen die Amerikaner mit Beginn der neuen Woche zu ihrem gewohnten Alltag zurückkehren. Die Bürger sollten ihr normales Leben wieder aufnehmen und so den Terroristen trotzen, hiess es in Washington. Auch der New Yorker Aktienhandel soll am Montag nach der längsten Zwangspause seit dem Ersten Weltkrieg wieder aufgenommen werden.

Amerikanische Flughäfen wieder offen

Die amerikanischen Flughäfen sind für den Luftverkehr wieder offen. Die Swissair nahm ihre Flüge in die USA wieder auf. Es kam wegen der strengen Sicherheitskontrollen zu massiven Verspätungen.

swissinfo und Agenturen

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