WEF schlug keine Brücken
Fünf Tage Diskussionen in New York - die Wirtschaftsführer und die Nichtregierungs-Organisationen kamen sich am WEF erneut nicht näher.
In seiner Abschlussrede wies Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschafts-Forums (WEF), darauf hin, dass es gelungen sei, nach den Anschlägen vom 11. September wieder gemeinsam nach vorne zu schauen.
Es liege in der Natur des WEF, so Schwab weiter, dass sich der Erfolg nicht einfach messen lasse. «Es ist kein Treffen für Entscheidungen. Es ist ein Treffen, um Einblicke zu erlangen, die zu verantwortungsvollerem Handeln führen.»
Von einem Erfolg des New Yorker Forums sprach auch WEF-Direktor André Schneider. In jeder Hinsicht seien neue Rekorde aufgestellt worden. So hätten noch nie so viele Personen am WEF teilgenommen. Die Konzentration auf ein einziges Gebäude habe sich dagegen als ungünstig erwiesen.
Uneins über Bedeutung der Politik
Der Schweizer Aussenminister Joseph Deiss lobte die Themenauswahl: Es sei nicht hauptsächlich um die Wirtschaft gegangen. Das Forum sei vielmehr zu einer Schnittstelle von Wirtschaft und Politik geworden. Er hoffe, dass dies auch in Zukunft so bleiben werde.
Da gibt es allerdings auch andere Einschätzungen. «Ich glaube, die Leute fühlen sich nicht wohl, wenn so viele Spitzenleute aus der Wirtschaft beieinander sind», sagte Armin Meyer, CEO des Basler Pharmakonzern Ciba Spezialitätenchemie, gegenüber swissinfo. «Doch andererseits sind auch Nichtregierungs-Organisationen hier und es sind offene Diskussionen. Wir brauchen mehr Kommunikation, mehr Dialog. Dann wird es auch weniger Demonstrationen geben.»
Manager offen für NGOs
In den letzten Jahren hat das WEF-Management immer stärker versucht, Nichtregierungs-Organisationen einzubinden.
Die Wirtschaftsführer hätten sehr offen auf seine Inhalte reagiert, berichtete Peter Brey, Chef von der Schweizer Hilfsorganisation «Terre des Hommes». Was allerdings seine Präsenz wirklich bewirkt, da ist sich Brey nicht sicher: «Sie hören uns, aber ob sie zuhören, ist eine andere Sache. Zudem zählen Taten nicht Worte.»
Die meisten Wirtschaftsführer am WEF scheinen die in New York häufig gehörte Meinung zu teilen, dass die Globalisierung auf dem richtigen Weg sei, dass sie bloss besser vermarktet werden müsse. «Wir brauchen mehr Globalisierung, nicht weniger», sagte beispielsweise der frühere mexikanische Präsident Ernesto Zedillo.
Terrorismus und Weltwirtschaft
Weitere zentrale Themen am WEF waren die Entwicklung der Weltwirtschaft und der Krieg gegen den Terror. So sagte US-Aussenminister Colin Powell vor den Teilnehmern, der Krieg der USA werde auf Staaten ausgedehnt, welche Terroristen unterstützten.
Einige Fachleute warnten auch, die Welt müsse sich auf noch viel schrecklichere Attentate als die Zerstörung des World Trade Centers gefasst machen.
«Davos» in New York
Für die drei Schweizer Minister war eines der zentralen Themen der Standort des WEF für das Jahr 2004 und danach.
Im «Big Apple» drohe das Weltwirtschafts-Forum (WEF) im vielfältigen Angebot der Metropole unterzugehen. Das Treffen in Davos sei einmalig, sagte Aussenminister Deiss vor Schweizer Medienvertretern. Etliche Forums-Teilnehmer hätten ihm gesagt, dass sie den «Geist von Davos» in New York vermissten. Die Schweiz habe ein Interesse daran, dass das WEF auch nach 2003 in Davos bleibe.
Er werde sich «gegen ein feindliches Übernahme-Angebot» aus den USA wehren, sagte der Schweizer Aussenminister. Um einen reibungslosen Ablauf des Forums im nächsten Jahr in Davos garantieren zu können, müssten aber zusätzliche Anstrengungen für die Sicherheit unternommen werden.
Positive Schweizer Bilanz
Eine positive Bilanz zog auch Bundespräsident Kaspar Villiger, der die «perfekte Organisation» und den «reibungslosen Ablauf» lobte. Wirtschaftsminister Pascal Couchepin betonte, dass ein «Zeichen der Solidarität» gesetzt worden sei.
Zahlreiche bilaterale Treffen
Die Bundesräte führten am Forum zahlreiche bilaterale Gespräche. So traf sich Deiss mit dem peruanischen Präsidenten Alejandro Toledo, um über die Entwicklungs-Zusammenarbeit und die Guthaben des ehemaligen Geheimdienstchefs Vladimiro Montesinos zu sprechen.
«Die Schweiz ist bereit, die Gelder an die rechtmässigen Besitzer zurückzugeben», sagte Deiss.
Friedliche Proteste
Was in Davos nicht möglich war, ist in New York gelungen: Das WEF ging ohne Zwischenfälle über die Bühne. Die Anti-WEF-Kundgebungen, die das Forum begleiteten und am Samstag mit einer Demonstration mehrerer Tausend Menschen in den Strassen Manhattens und vor dem Hotel Waldorf-Astoria ihren Höhepunkt erreichten, verliefen friedlich. Dies, obwohl die Polizei Dutzende von Leuten festnahm.
Kudelski beeindruckt
Der Waadtländer Unternehmer André Kudelski, ein langjähriger WEF-Teilnehmer, erklärte sich gegenüber swissinfo beeindruckt über die Art und Weise, wie die Polizei in New York «die Situation im Griff hatte». Und: «Die Frage ist, ob man dies in der Schweiz auch tun kann – nämlich die Meinungsfreiheit bewahren, ohne dass es zu Ausschreitungen kommt.»
Michael Hollingdale und Pierre Gobet, Sonderkorrespondenten in New York
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