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Massnahmen gegen die Kinderarmut gefordert

Viele Jugendliche müssen den Weg aufs Sozialamt unter die Füsse nehmen.

(Keystone)

In der Schweiz wachsen gegen eine Viertelmillion Kinder und Jugendliche in Armut auf. Fast 45% aller Sozialhilfeempfänger sind jünger als 25 Jahre.

Die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) will die "soziale Zeitbombe" entschärfen.

Besonders gravierend sei die Situation in städtischen Zentren, betonte die Kommission am Dienstag in Bern.

Die EKKJ hat in der Bundesstadt ihren Bericht "Jung und arm: das Tabu brechen" präsentiert, in dem sie das Fazit aus einer Fachtagung vom Herbst 2006 zieht.

Die lange verborgene Kinder- und Jugendarmut sei "eine soziale Zeitbombe", sagte EKKJ-Präsident Pierre Maudet.

Für eine Gesellschaft sei die soziale und wirtschaftliche Integration der Jungen enorm wichtig.

"Es ist ein echtes Poblem", sagte Chantal Ostorero, Mitglied der Arbeitsgruppe, gegenüber swissinfo. "Wenn wir beispielsweise die Leute über 65 anschauen, die nur 1,5% der Sozialhilfeempfänger ausmachen, besteht eine sehr grosse Diskrepanz zwischen alten und jungen Menschen."

Es brauche deshalb eine echte nationale Politik zur Bekämpfung der Armut, forderte die EKKJ. Mit 55 Empfehlungen an Bundesrat und Parlament will die Kommission dazu einen Beitrag leisten.

Schlaglicht auf versteckte Situation

Hauptrisikogruppen seien Kinder arbeitsloser Eltern und Alleinerziehender, Kinder aus Migrantenfamilien und Kinder mit mehr als zwei Geschwistern, hiess es.

Die EKKJ verlangt deshalb auch, dass von Armut betroffene Kinder und Jugendliche nicht nur als Teil einer Familie gesehen, sondern für sich selbst als Individuen wahrgenommen werden. Damit könne ein Schlaglicht auf eine Situation geworfen werden, die heute noch im Dunkeln liege.

Mehr Betreuung

Unter anderem verlangt die Kommission ein stärkeres Engagement von Staat und Wirtschaft mit einem massiven Ausbau der familienergänzenden Kinderbetreuung und die flächendeckende Einführung der Hausaufgabenhilfe.

Jugendliche sollen von der Primarschule bis zur dauerhaften Integration in die Arbeitswelt betreut und gecoacht werden.

Mehr Beratung und Sport

Die Kreditinstitute will die EKKJ anregen, ein Prozent ihres Umsatzes für die Budget- und Schuldenberatung einzusetzen. Für einkommensschwache Familien sollen in allen Schweizer Kantonen Ergänzungsleistungen eingeführt werden.

Um das vor allem bei Kindern armer Familien verbreitete Übel Übergewicht und Fehlernährung zu bekämpfen, verlangt die Kommission die Vermittlung eines gesunden Lebensstils bereits in den Kinderkrippen und auf allen Schulstufen.

Drei Stunden Sportunterricht pro Woche in der Grundschule seien das Minimum, betonte die EKKJ.

Parlamentarischer Vorstoss

In die gleiche Richtung zielt ein Postulat der grünen Berner Nationalrätin Franziska Teuscher. Sie fordert vom Bundesrat einen Bericht zum Thema Kinderarmut.

Namentlich interessiert Teuscher der Einfluss der diversen Sparprogramme des Bundes auf die Kinderarmut in den verschiedenen Landesteilen sowie in städtischen und ländlichen Gebieten.

Der Bundesrat hat bereits Stellung bezogen. Die Landesregierung ist der Meinung, dass im Bereich Kinderarmut bereits genügend unternommen werde und empfiehlt das Postulat zur Ablehnung.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Anteil von Kindern, die in relativer Armut leben (UNICEF-Report 2005):
Dänemark: 2,4%
Finnland: 2,8%
Norwegen: 3,4%
Schweden: 4,2%
Schweiz: 6,8%
Tschechien: 6,8%
Frankreich: 7,5%
Belgien: 7,7%
Ungarn: 8,8%
Luxemburg: 9,1%
Ferner:
Deutschland: 10,2%
Österreich: 10,2%
Grossbritannien: 15,4%
Italien: 16,6%
USA: 21,9%
Mexiko: 27,7%

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Kinderarmut

Kinderarmut bezeichnet die Armut von Kindern, die in einem armen Haushalt leben.

Neuere Untersuchungen betonen die Wichtigkeit, die Armut von Kindern mehrdimensional und aus einer Kinderperspektive heraus zu verstehen; neben der materiellen Situation des Haushalts sind auch kulturelle, soziale, psychische und physische Merkmale zu berücksichtigen.

Ein Armutsbegriff also, der Armut aus dem heraus beschreibt, was bei den Kindern - in materieller wie in immaterieller Hinsicht - tatsächlich ankommt und was diese wirklich benötigen.

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