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Modern, gross, im Grünen: Der neue Flyer-Produktionsstandort in Huttwil.

(Keystone)

"Die Krise als Chance": Während Unternehmen landauf landab diesen Leitspruch dazu nutzen, Mitarbeiter auf die Strasse zu stellen, ist das Unternehmen Biketec in den letzten zwei Jahren regelrecht explodiert. Dank dem Elektrovelo Flyer.

Vor weniger als zwei Jahren beschäftigte Biketec 29 Mitarbeitende. Heute stehen 85 Personen auf der Lohnliste des Pionierunternehmens in Sachen Fahrrad mit elektrischem Zusatzantrieb.

"In der Krise gibt es viele Menschen, die ihr Budget ernsthaft überprüfen und zum Schluss kommen, dass sie viel Geld sparen können, wenn sie statt eines Zweitwagens einen Flyer kaufen", sagt Geschäftsführer und Mitinhaber Kurt Schär.

Das Besondere am Flyer-Konzept: Der zusätzliche Power entfaltet sich progressiv. Mit anderen Worten: Je kräftiger der Tritt in die Pedale, desto grösser die Unterstützung aus dem Akku.

"Flyer steht für Bergauffahren mit dem Fahrrad mit einem Lächeln, genussvoll in die Pedale treten, gesund und ökologisch unterwegs sein", beschreibt der Chef die Botschaft der Marke.

Intelligente Mobilität fast zum Nulltarif

Die Zahlen sprechen für sich: "Die Energiekosten betragen beim Flyer 20 Rappen auf 100 Kilometer. Deshalb ist die Krise für uns eine Riesenchance", so Schär gegenüber swissinfo.ch.

25'000 Flyer produziert Biketec im laufenden Jahr, zehnmal mehr als vor vier Jahren. Rund die Hälfte wird im Ausland abgesetzt, vorwiegend in Deutschland und Holland.

Österreich ist laut Schär stark im Aufbau, während aus Frankreich, Italien, USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Griechenland und den skandinavischen Ländern konkrete Anfragen möglicher Importeure vorliegen.

Aufstieg mit Huttwil

Trotz solch strahlenden Perspektiven kann von ungebremstem Wachstum, das schon manchem kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zum Verhängnis geworden ist, bei Biketec nicht die Rede sein. Gerade haben Schär und die Belegschaft einen neuen Firmenstandort bezogen.

"Dank des neuen Werks in Huttwil haben wir auch die nötige Kapazität, um 2010 neue Märkte zu bedienen", sagt der Chef. Er und die Angestellten laden am kommenden Wochenende Interessierte zu einem Tag der offenen Tür ein, an dem Besucherinnen und Besucher die Flyer auch probefahren können.

Wer denkt, den Emmentalern sei der Erfolg mit dem Elektrofahrrad dank Klimawandel und höheren Benzinpreisen in den Schoss gefallen, der irrt. Nach der Jahrtausendwende ging der Firma BKTech, die 1995 den ersten Flyer hergestellt hatte, der Schnauf aus.

Die Innovation im Bereich der sanften Mobilität wurde zwar mit Lob überhäuft und verkaufte sich gut, doch spielten die verkauften Stückzahlen die Kosten nicht herein.

Neustart

Im Zuge eines Management Buyouts übernahmen Kurt Schär und zwei Kollegen das Ruder und lancierten 2003 unter der Flagge Biketec eine neue Flyer-Serie mit Lithium-Ionen-Akkus.

Dazu krempelten sie die bisherige Unternehmens-Philosophie um, die ganz auf den Typus "gut verdienende Grüne" ausgerichtet war. Das Ziel lautet jetzt, mit Flyern schlicht "die andere Hälfte des Fahrradmarktes abzudecken", wie Schär sagt.

Das bedeutet, dass Biketec die gesamte Fahrradpalette mit E-Bikes abdecken will, also vom Cityflitzer, Faltvelo, Tandems über Mountainbikes bis zu Rennrädern usw.

Im Jahresrhythmus verlässt eine neue Modellreihe die Produktionswerkstätten. 2010 wird dies das erste vollgefederte Mountainbike mit zusätzlichem Saft aus dem Akku sein.

Mittel- bis Premiumklasse

Im Blick haben die innovativen Emmentaler namentlich Nischen und Spezialmärkte. "Die Palette wird einerseits noch sportlicher werden, Stichwort Rennrad. Andererseits gibt es Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen das Bedürfnis nach neuen Fahrzeugarten haben. Auch daran arbeiten wir", sagt Schär, ohne konkreter zu werden.

Im hartumkämpften, weil boomenden Markt der E-Bikes setzen die Emmentaler Pioniere ganz auf Technologie und Qualität. Dass dies seinen Preis hat, dürfte einleuchten. Die Preisspanne reicht von gut 3000 Franken für das Einsteigermodell bis 7500 Franken für den edlen Tourer mit Karbonrahmen.

Trail vor dem Werkstor

Biketec mischt aber auch im Tourismusgeschäft mit. An mehreren Destinationen in der Schweiz mit Schwergewicht in Graubünden können Gäste aus dem In- und Ausland E-Bikes Made im Emmental mieten. Beim entspannten Pedalieren durch die Ferienlandschaft sollen sie auf den Flyer-Geschmack kommen.

Dass die Hightech-Schmiede mit dem neuen Werk Huttwil der Region treu geblieben ist, ist nicht Zufall. Die Ausfahrten mit dem Flyer, die zu den Firmen- und Vereinsanlässen gehören, die Biketec auch anbietet, starten direkt ab Werkstor. "Es ist eine wunderschöne Landschaft, es geht in alle vier Himmelsrichtungen bergauf", schwärmt Kurt Schär.

Renat Künzi, swissinfo.ch

E-Bike: Verwirrlicher Begriff

Die im Volksmund E-Bikes genannten Zweiräder wie der Flyer sind eigentlich Fahrräder mit elektrischem Zusatzantrieb.

Je stärker der Tritt in die Pedale, desto grösser die Zusatzleistung aus dem Akku.

Die korrekte Bezeichnung Pedelec konnte sich für diese Kategorie aber nicht durchsetzen.

Fahrräder mit elektronischem Zusatzantrieb dürfen in der Schweiz maximal 25 km/h schnell und mit einem 250 Watt starken Motor ausgerüstet sein. Eine Velovignette reicht dafür.

Echte E-Bikes bieten dem Fahrer oder der Fahrerin keine Möglichkeit, selber zu treten.

Sie dürfen höchstens 45 km/h schnell sein und befürfen eines Nummernschilds für ein Kleinmotorrad.

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Zweirad trotzt Krise

Trotz Wirtschaftskrise war der Veloverkauf in den ersten acht Monaten des Jahres mindestens gleich stark wie in der Vorjahresperiode.

Viele Anbieter hätten bis Ende des ersten Halbjahres bereits die Verkaufszahlen des ganzen Vorjahres erreicht, teilte die Schweizerische Fachstelle für Zweiradfragen (SFZ) mit.

Bei guter Wettersituation in den Herbstmonaten dürften bis Ende Jahr gegen 20'000 neue Elektrovelos abgesetzt werden, 8'500 mehr als im letzten Jahr.

Der Verkauf von neuen Velos ohne E-Motor-Unterstützung dürfte dieses Jahr die Marke von 300'000 Stück erneut überschreiten (2008: 315'000 Fahrräder)

Mehr Velo-Einsatz bedeute auch steigenden Bedarf an Bekleidung, Helmen und Zubehör sowie mehr Service- und Reparaturleistungen.

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