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Murten: Unsterblichkeit und viel Konfetti

Die in eine Kuh verwandelte Io und der Kentaur Chiron.

(swissinfo.ch)

Das Eröffnungs-Spektakel in Murten thematisierte die Endlichkeit des Lebens. Auch das Lokalkolorit erhielt viel Raum - was dem Publikum gefiel.

Dienstag, 19.30 Uhr. Arteplage Murten. Hunderte drängen sich an der Uferpromenade. "Ich möchte überrascht werden", sagt eine Frau aus Rossens. "Hoffentlich ist das Spektakel nicht zu abstrakt."

Ein Herr aus Thörishaus outet sich als begeisterter Anhänger von Regisseur François Rochaix: "Wenn der etwas in die Hände nimmt, kann nichts schief gehen. Da gibts viel Musik, Tanz und Farbenpracht."

Ein Schiffshorn zerschneidet die Szenerie: Das Schiff der Prominenten läuft in den Hafen ein. Alt-Bundesrat Adolf Ogi geht von Bord: "Wenn der Funke springt, wenn das Land wieder näher zusammen rückt, wird die Expo ein Erfolg."

Ogis Nachfolger im Bundesrat, Verteidigungsminister Samuel Schmid, freut sich über das Wetterglück: "Der Himmel ist blau. Die Zeichen stehen gut. Das Spektakel wird ein würdiger Auftakt zur Expo."

Prächtige Anlage

Der Ort des Spektakels ist prächtig: Eine steile, dem See zugewandte Zuschauertribüne. Sie ist zu gut drei Vierteln besetzt. Davor breitet sich die bis über den See reichende Bühne aus. Links erhebt sich das "grosse Fenster", wo Bilder von den anderen Arteplages übertragen werden. Rechts die Orchesterkuppel. Und im Zentrum - weiter entfernt im Wasser stehend - der kubische Monolith, das Wahrzeichen der Arteplage Murten. Am Horizont versinkt die Sonne hinter den Bergketten des Juras.

21.00 Uhr. Gong. Pegasus, ein geflügelter Schimmel, trabt über die Bühne. Seine Botschaft: Die Zeit steht für zwei Stunden still - so lange dauert das Spektakel. Ein Kampfjet vom Typ F/A-18 braust über die Zuschauer, wirft Leuchtkugeln ab und entschwindet dröhnend in der Ferne.

Orchester und Chor stimmen synchron mit den Musikern auf den anderen Arteplages die "Hymne an die Nacht" an. Mit dunkler Glut erhebt sich die Musik von Komponist Bertrand Roulet aus der Tiefe, schwingt sich hoch in chromatische Melodien für Frauenstimmen, endet rhythmisch-stampfend, aufbegehrend.

Der Turmbau zu Babel

Tänzerinnen und Tänzer in pastellfarbenen Kostümen betreten die Bühne, beginnen zu eingängigen Melodien einen Turm zu bauen, zerstreiten sich, weil die gemeinsame Sprache verloren gegangen ist. Das Bauwerk fällt zusammen.

Erst durch die Erfindung des Dolmetschers finden die Menschen wieder zueinander. Der Mythos des Turms zu Babel - variiert als Überlebensrezept der Willensnation Schweiz. Die Szene ist zu lang. Die Inszenierung verliert an Spannung.

Prometheus wird unsterblich

Nach einem erfrischend wirkenden Video-Clip im "grossen Fenster" entsteigen Meerjungfrauen mit roten Haaren und in hellblauen Gewändern dem Murtensee. Der Moment für die im Programm angekündigten "prometheischen Geschichten" ist gekommen. Das Spektakel geht vorübergehend auf jeder Arteplage eigene Wege.

In Murten, wo die Expo dem Thema "Augenblick und Ewigkeit" gewidmet ist, wird eine Geschichte über die Sterblichkeit des Lebens vorgeführt. Im Zentrum stehen drei etwa acht Meter hohe Skulpturen: der Kentaur Chiron, Io und Prometheus. Der verletzte Chiron ist unsterblich, möchte diese Eigenschaft jedoch gerne abgeben. Io kann nicht helfen, dafür Prometheus. Er gibt sein bisheriges "Recht auf den Tod" ab und erträgt fortan die "Unsterblichkeit".

Für einen Moment sorgt ein Helikopter der Schweizer Armee für Unruhe: Er rattert über die Szenerie, spielt mit dem Suchscheinwerfer - und verschwindet. Der von der Unsterblichkeit erlöste Kentaur Chiron besteigt ein Boot, fährt in Richtung Monolith auf den See hinaus und wird ein Opfer der Flammen. Eindrücklich.

Der Einzug der Einheimischen

Musik. Die Orchester der vier Arteplages spielen wieder gemeinsam. Zeit für Satire: Vier Puppen unterhalten sich über die schmerzvolle und turbulente Entstehungsgeschichte der Expo.02.

Bühne frei für die Bevölkerung von Murten: "Guggenmusiken" fegen alles bisher Gezeigte weg, Konfetti fliegen, Rauch steigt auf, ein überdimensionierter Swissair-Pleitegeier reizt die Lachmuskeln. Das Publikum quittiert mit tosendem Applaus.

Zwei in Murten lebende Mazedonier treten auf. Ihre Botschaft: Verschiedene Kulturen können in Frieden zusammen leben. Applaus. Noch ein Video-Clip. Feuerwerk. Schluss.

"Doch, doch, es war ganz toll..."

"Toll wars, ganz toll", schwärmt eine ältere Frau beim Hinausgehen. Und ein Mann um die zwanzig meint, ihm sei "die Verbindung der verschiedenen Teile nicht immer ganz klar" gewesen.

Der Bündner Nationalrat Andrea Hämmerle gibt sich wortkarg: "Super wars! Aber jetzt möchte ich lieber ein Bier trinken." Das Spektakel sei genau so gewesen, wie er es erwartet habe, sagt der Thurgauer Philippe Stähelin, Präsident der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP). Ob es ihm nicht gefallen habe: "Doch, doch", sagt Stähelin - und eilt auf den Zug Richtung Ostschweiz.

Felix Münger

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