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Muschg feiert 70. Geburtstag

Adolf Muschg gilt als kritischer Denker und brillianter Sprachvirtuose.

(Keystone)

Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwarts-Autoren. Manchmal wird er auch als Nestbeschmutzer beschimpft. Am 13. Mai ist Adolf Muschg 70 Jahre alt geworden.

Vor einem Jahr wurde er als erster Schweizer Präsident der Akademie der Künste in Berlin.

Am Vorabend seines 70. Geburtstages war Muschg mit einer Feier im Schweizer Landesmuseum geehrt worden - im Beisein von Prominenz aus Politik, Lehre und Literatur.

Bundesrat Moritz Leuenberger würdigte den Literaten dabei in einer launigen Rede als politischen Menschen, der sich für Europa einsetze und sich in die Tagespolitik einmische. Muschg sei ein "Citoyen", der nicht nur Kritik übe, sondern auch Verantwortung trage.

Eigentlich viel jünger

Eigentlich ist Adolf Muschg ja viel jünger als 70. Denn wie es in einem seiner Lieblingswitze heisst, beginnt das Leben nicht mit der Zeugung und auch nicht mit der Geburt, sondern wenn die Kinder aus dem Haus sind (und der Hund tot). Im Falle seiner drei Söhne dürfte das um die 20 Jahre her sein, von einem Hund ist nichts bekannt.

"Hofnarr"....

Überhaupt habe er gar nicht das Gefühl, er werde älter, heisst es in einer seiner kürzlich erschienenen Goethe-Reden. Ihm scheine nur, die anderen würden immer jünger. Von Ruhestand ist jedenfalls keine Rede: Obwohl er vor fünf Jahren als ETH-Professor emeritiert ist, hatte er noch selten so viel zu tun wie heute als Akademie-Präsident.

"Die Akademie muss die Rolle des Hofnarren spielen", sagte er kürzlich in einem Interview. "Wir müssen die Hand beissen, die uns füttert." In dieser Funktion kennt Muschg sich aus: Der Spruch "In der Schweiz ist übrigens alles schöner und besser", mit dem er in allen Zitaten-Datenbanken fungiert, dürfte ihm nicht Ernst gewesen sein.

...und "Volksfeind"

Ein "Volksfeind", wie ihn der heutige SVP-Bundesrat Christoph Blocher im Verlauf der Nazi-Gold-Debatte apostrophierte, ist er allerdings auch nicht. Im Ausland jedenfalls gilt der Schriftsteller aus Männedorf als Vertreter der seltenen Gattung des kritischen, weltoffenen Schweizer Vorbild-Intellektuellen.

Adolf Muschg ist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (eine Karteileiche, wie er sagt), war Mitbegründer der kritischen Schriftsteller-Vereinigung "Gruppe Olten" und kandidierte Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts für den Ständerat.

Er arbeitete an der Totalrevision der Schweizerischen Bundesverfassung mit und gründete mit dem "Collegium Helveticum" an der ETH Zürich eine interdisziplinäre Denkfabrik.

Poeta doctus...

"Schreiben ist meine Déformation existentielle", hat er einmal bekannt. Schon sein Debüt "Im Sommer des Hasen" (1965) fiel durch kompositorische und stilistische Artistik auf.

Meist aber wirken in seinen bisher über 30 Werken akademische, politische und literarische Erfahrungen und Anliegen zusammen. So etwa 1974 im Roman "Albissers Grund", in dem ein Gymnasiallehrer, wie Muschg selber einer war, seinen Psychiater erschiesst, was dem Autor Gelegenheit gibt, zwei 68er-Biografien aufzurollen.

Auch in seinem Opus Magnum "Der rote Ritter" (1993), in dem er die Geschichte vom Gralsucher Parzival neu erzählt, findet seine Dreifachbegabung auf brillante Weise zur Einheit.

...et laureatus



Muschg veröffentlichte insgesamt über 30 Romane, Erzählungen, Biografien, Essays, Hörspiele, Drehbücher und Theaterstücke.

Er erhielt nahezu alle bedeutenden deutschsprachigen Literaturpreise, darunter 1994 den wichtigsten, den Georg-Büchner-Preis.

swissinfo und Irene Widmer, sfd

Fakten

Adolf Muschg wurde am 13. Mai 1934 in Zollikon ZH geboren.
Er studierte Germanistik, Anglistik und Psychologie.
Nach der Dissertation arbeitete er drei Jahren als Lehrer, danach dozierte er an Universitäten in Tokio, Göttingen, Ithaca (New York) und Genf.
1970 bis 1999 war er ausserordentlicher Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich.
Seit Mai 2003 ist der Präsident der Akademie der Künste in Berlin.

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In Kürze

Muschg veröffentlichte über 30 Romane, Essays, Drehbücher, Theaterstücke und Biografien.

Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, den Hermann-Hesse-Preis, die Carl-Zuckmayer-Medaille und den Georg-Büchner-Preis.

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