The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Russische Waffen: Kein europäisches Land liefert mehr Technik als die Schweiz

Drohneneinschlag in Kramatorsk, 9. Februar 2026.
Ein Drohneneinschlag in Kramatorsk, 9. Februar 2026. Keystone / Maria Senovilla

Trotz Sanktionen finden sich in russischen Raketen, Drohnen und Panzern weiterhin Komponenten von Schweizer Firmen.

Es ist eine Szene, die sich in der Ukraine täglich wiederholt: nächtliche Angriffe, Einschläge in Wohnhäuser, Tote und Verletzte. Der US‑Menschenrechtsaktivist Samuel Bickett von der Stiftung «The Committee for Freedom in Hong Kong» und sein Team haben untersucht, welche ausländische Technologie Russlands Bombenterror in der Ukraine ermöglicht.

Schauen Sie dazu den Beitrag von SRF:

Externer Inhalt

Am meisten Funde von Schweizer Firmen

Er bezieht sich auch auf eine Auswertung ukrainischer Behörden. Dort tauchten bislang 322 Komponenten von Schweizer Herstellern auf – es geht um Mikroprozessoren, GPS‑Module, Stecker und Kabel. Samuel Bickett sagt: «Auf dem ukrainischen Schlachtfeld tauchen mehr Bauteile von Schweizer Firmen auf als praktisch aus jedem anderen europäischen Land. Die meisten davon finden wir in Raketen und Drohnen. Aber auch in Panzern, in Kommandozentren, in Flugzeugen und anderen Waffensystemen.»

Huber+Suhner und Lemo Gruppe auch auf der Liste

Medien berichten seit Jahren über Schweizer Technologie in russischen Waffen – etwa Mikroprozessoren, Stecker oder Kabel – auch Komponenten für Raketen, Drohnen und Bomben. Es handelt sich um Elektronik von Ublox oder ST Microelectronics und anderen.

Nun erscheinen auch die Genfer Lemo‑Gruppe und Huber+Suhner in den russischen Zolldaten. Produziert werden die Komponenten meist nicht in der Schweiz, sondern in Asien oder anderen europäischen Ländern.

Ein Beispiel: Russische Zolldokumente, die Bickett und sein Team ausgewertet haben, erwähnen Antennen-Stecker der Firma Huber+Suhner. Am 24. Januar 2024 gelangten sie nach Hongkong – zu einem Unternehmen, das das russische Militär beliefert. Wie genau und über welche Zwischenhändler die Stecker dorthin gelangten, erwähnen die Dokumente nicht.

Externer Inhalt

Huber+Suhner schreibt auf Anfrage, man habe die Transaktion geprüft, könne sie aber «nicht nachvollziehen», weil auf den Dokumenten Informationen fehlten. Alle Geschäfte mit Russland seien seit Kriegsbeginn gestoppt, sämtliche Vertriebspartner vertraglich verpflichtet, nicht weiterzuliefern. Die Lemo-Gruppe antwortete nicht auf die Anfrage von SRF.

Lieferungen nach Russland sind verboten

Auch Ublox‑GPS‑Module tauchen heute noch in russischen Drohnen auf – ein konkretes Modul stammt aus einer Produktion vom März 2025. Das Unternehmen betont, es handle sich um Massenware, die es auch in E-Rollern oder Baumaschinen gebe, sie könnten einfach entfernt und zweckentfremdet werden. Lieferungen nach Russland und Drittstaaten seien seit Kriegsbeginn verboten.

Das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, lehnt ein Interview ab. Schriftlich heisst es, man ahnde Verstösse «konsequent», habe die personellen Mittel seit 2022 verdreifacht und setzte die Sanktionen «prioritär» um.

+ Die Analyse: Bypassing the Blockade: How Hong Kong Feeds European Technology Into Russia’s War in UkraineExterner Link

Für Bickett reicht das nicht: Die Schweiz müsse jede Ware prüfen, die in russischen Zolldaten auftauche. Man müsse sämtliche Beteiligten sanktionieren: die Firmen, Vertriebspartner, Logistikunternehmen, Banken und Versicherungen, welche die Fracht finanzieren oder versichern. Nur das würde helfen, sagt er.

Mehr
Newsletter sobre a política externa

Mehr

Aussenpolitik

Unser Newsletter zur Aussenpolitik

Die Schweiz in einer Welt, die sich bewegt. Beobachten Sie mit uns die Schweizer Aussenpolitik und ihre Entwicklungen – wir liefern die Vertiefung dazu.

Mehr Unser Newsletter zur Aussenpolitik

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft