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Novartis: Partnerschaft im Kampf gegen Malaria

Malaria: Für arme Länder immer noch ein Riesenproblem.

(Keystone)

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will in einer öffentlich-privaten Kooperation mit diversen Institutionen ein Malaria-Medikament entwickeln.

Das Novartis Institute for Tropical Diseases (NITD), die Stiftung Wellcome Trust, das Singapore Economic Development Board (EDB) und den Medicines for MalariaVenture (MMV) wollen eine Einzeldosisbehandlung gegen die schwerste Form Plasmodium Falciparum entwickeln.

Novartis stellt bereits das Malariamittel Coartem her und gibt dieses den Entwicklungsländern zum Selbstkostenpreis ab. In diesen Ländern fallen jedes Jahr rund eine Million Menschen der Malaria zum Opfer.

Das NITD mit Sitz in Singapur wird – zusammen mit dem Schweizer Tropeninstitut (STI) und andern Institutionen - die Führung bei der Entwicklung des neuen Medikamentes übernehmen.

Die drei Partner von Novartis haben bereits rund 20 Mio. Dollar bereitgestellt. Das NITD wird das Malariaprogramm leiten und die Forschungsaktivitäten durchführen. Novartis wird zudem die bisherigen Forschungsergebnisse und die umfassende Datenbank den Partnern zur Verfügung stellen.

Non-Profit-Projekt

"Wir sind ein Unternehmen, wo Krankheiten und das Wohlergehen der Menschen im Zentrum unserer Arbeit stehen", sagte Daniel Vasella, Präsident von Novartis.

"In der Vergangenheit hat man uns oft kritisiert, wir würden Malaria vernachlässigen. Mit 250 Millionen Neuerkrankungen und über einer Million Todesopfern weltweit ist Malaria eines der dringensten Gesundheitsprobleme der Welt", sagte Vasella, "Dank dieser Partnerschaft werden wir die Krankheit nun viel wirksamer bekämpfen können."

MMV-Präsident Chris Hentschel sagte, diese öffentlich-private Partnerschaft sei der beste Weg, um ein profitorientiertes Unternehmen in ein Non-Profit-Projekt einzubinden.

"Malaria ist kein Geschäft für ein Pharmaunternehmen, da die Krankheit die Armen und die Kinder betrifft", sagt Hentschel. "Und die öffentliche Forschung bringt selten marktaugliche Medikamente hervor."

So habe man andere Wege gehen müssen, um die Pharmaindustrie ins Boot zu holen. "Diese öffentlich-private Zusammenarbeit, um zu einem Malariamittel zu kommen, ist ein gangbarer Weg."

Verteilung

Ein weiteres Problem, das die Partnerschaft überwinden muss: Die Patienten in den Entwicklungsländern müssen Zugang zu den Medikamenten erhalten.

"Es reicht nicht, ein neues Medikament zu haben. Es muss dem Patienten in einer Form zugänglich sein, in der er auch davon profitieren kann", sagt der NITD-Vorsitzende Paul Herrling gegenüber swissinfo.

Dazu gehört auch der Vertrieb und das Wissen um die Kultur in den betreffenden Ländern", so Herrling. "Unsere Partner haben Leute vor Ort, welche die Patienten und ihr Umfeld kennen. Diese einzelnen Sachkenntnisse müssen zusammenfliessen, damit das Ergebnis positiv ausfällt."

Malaria-Erkrankungen und Todesfälle sind in den Entwicklungsländern stark im Steigen begriffen, vor allem wegen des Aufkommens von therapieresistenten Erregern, was herkömmliche Antimalariamittel wie Chloroquin und Sulfadoxin-Pyrimethamin unwirksam macht.

Deshalb besteht das Hauptziel der neuen Partnerschaft darin, ein Einzeldosis-Malariamittel zu finden, um den Betroffenen zu helfen. Ihre Behandlung scheitert oft weil zahlreiche Dosen eingenommen werden müssen.

Regierungen in die Pflicht nehmen

Daniel Vasella wies auch auf einen wunden Punkt hin, dass etliche Regierungen in den betroffenen Ländern nicht genügend unternähmen, um die Versorgung der Malariakranken zu gewährleisten.

"Es ist eine Tendenz festzustellen, dass die Regierungen die Verantwortung für die Versorgung mit Medikamenten auf die Öffentlichkeit abschieben", sagte Vasella.

"Wir können unsern Beitrag leisten, aber wir können nicht die Probleme bei der Ausbildung und Versorgung alleine beheben. Es ist Sache der Behörden, dass die Behandlung zu den betroffenen Leuten kommt."

swissinfo, Matthew Allen, Basel
(Übertragung aus dem Englischen: Urs Maurer)

In Kürze

Laut Expertenschätzungen erkranken jährlich zwischen 300 Mio. und 500 Mio. Menschen an Malaria. Über eine Million sterben daran, 90% davon sind Kinder in Afrika.

Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) schätzt, dass der afrikanischen Wirtschaft dadurch rund 12 Mrd. Dollar verloren gehen.

Durch eine 2001 vereinbarte öffentlich-private Zusammenarbeit mit der WHO stellt Novartis sein Malariamittel Coartem in Entwicklungsländern – in denen Malaria epidemisch auftritt – zu Herstellungskosten zur Verfügung.

2005 stellte Novartis 9 Mio. Behandlungen zur Verfügung. Zusammen mit Partnern soll die Produktion bis Ende Jahr auf 70 Mio. Einheiten hochgefahren werden.

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Fakten

Novartis ist das umsatzmässig viertgrösste Pharmaunternehmen der Welt.
Der Wellcome-Trust ist die weltweit meistdiversifizierte biomedizinische Forschungsstiftung mit rund 846 Mio. Dollar Forschungsgelder im Bereich Gesundheit von Mensch und Tier.
Der staatliche Singapore Economic Development Board (EDB) ist eine Agentur, welche Singapur zum weltweiten Geschäftszentrum machen will.
Medicines for Malaria Venture (MMV) ist eine Non-Profit-Organisation und hat mehr als 20 Malariamedikamente in der Pipeline.

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