Ostschweizer Experten geben Tipps für einen sicheren Badespass
Immer wieder kommt es zu Badeunfällen. Im Mai etwa musste ein 10-jähriger Knabe in Herisau AR nach einem Badi-Unfall reanimiert werden. Er wurde von der Rega in ein Spital geflogen und überlebte. Was sind die Ursachen für Badeunfälle und wie verhält man sich in einem Notfall korrekt?
(Keystone-SDA) «So wie es in Filmen dargestellt wird, mit Geschrei und wilden Bewegungen, passieren Badeunfälle in der Realität selten. Oft ertrinken die Betroffenen leise und ohne Geräusche», sagt Benedikt Lehner von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG), Sektion Mittelrheintal, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Der Kopf des Betroffenen kann nach hinten überstreckt sein, das Gesicht im Wasser liegen, oder die Person zeigt einen erschöpften Gesichtsausdruck und versucht verzweifelt, sich über Wasser zu halten. «Das sind absolute Notlagen, die man erkennen sollte», unterstreicht Lehner. Auch Kinder ertrinken lautlos und damit anders, als viele erwarten.
Gerade weil das Ertrinken so unauffällig passiert, ist die Aufmerksamkeit der Eltern entscheidend. In vielen Situationen besteht hohe Eigenverantwortung, selbst in der Badi, wenn es Aufsichtspersonal gibt: «Eltern und Begleitpersonen können die Verantwortung nicht an den Bademeister abgeben», sagt Lehner. Bademeister würden zwar eingreifen und versuchen, gefährliche Situationen frühzeitig zu erkennen. Oft sei es dann aber schon fast zu spät.
Im Notfall: Notruf 144 wählen
Die Aufmerksamkeit müsse bei den Kindern behalten werden. «Heutzutage gibt es viel Ablenkung, eine ist ganz sicher das Handy, und das ist richtig gefährlich.» Ein Kleinkind könne in weniger als 20 Sekunden ertrinken. Kinder und Jugendliche sollten nur begleitet baden, kleine Kinder immer in Griffnähe schwimmen.
Die meisten Ertrinkungsfälle bei kleinen Kindern liessen sich gemäss Lehner vermeiden, wenn Erwachsene die Kinder besser beaufsichtigen würden. «Selbst bei geringer Wassertiefe kann ein Kleinkind in kürzester Zeit ertrinken», sagt Lehner. Ein Babyschwimmbädli im Garten würde bei Kleinkindern manchmal schon reichen, um zu ertrinken. «Schwimmhilfen ersetzen die Aufsicht nicht.» Bei Jugendlichen und Erwachsenen seien mangelnde Schwimmkenntnisse, Übermut und Selbstüberschätzung die grössten Risiken.
Falls es zu einem Badeunfall kommt, muss dem Betroffenen geholfen werden, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen: Zuerst Hilfe alarmieren – den Bademeister oder die Notrufnummer 144. Der betroffenen Person kann eine Auftriebshilfe zugeworfen werden, etwa ein Rettungsring. Sollte die Person untergehen, ist es wichtig, sich den genauen Ort zu merken, damit die Rettungskräfte am richtigen Ort suchen.
Unterschätzte Gefahren beim Stand-Up-Paddling
Nicht nur in der Badi, sondern auch beim Wassersport lauern Gefahren. «Man muss sich immer über die Situation vor Ort informieren, etwa zur Wetterlage und zu Strömungen», empfiehlt deshalb Marcel Kuhn, Dienstchef der Seepolizei der Kantonspolizei Thurgau.
Einigen sind etwa die vorgeschriebenen Sicherheitsmassnahmen nicht bekannt: «Ab einer Entfernung von 300 Metern zum Ufer ist beim Stand-Up-Paddling eine Schwimmhilfe für den Notfall verpflichtend vorgeschrieben», so Kuhn. Sinnvoll ist es, eine solche auch in Ufernähe mitzunehmen.
Wenn man wegen der Wetterlage vom Ufer weggezogen wird, kann es schnell brenzlig werden. «Wir erleben es immer wieder, dass sich Badegäste und Wassersportler nicht ausreichend informieren und dann in Notlagen geraten.» Wer bei kaltem Wasser nur mit einer kurzen Badehose und dem Sportgerät in die Mitte des Bodensees hinausfährt, riskiere nicht nur eine lebensgefährliche Unterkühlung, sondern könne auch schnell in eine Situation geraten, in der er sich nicht mehr aus eigener Kraft ans Ufer retten kann.
Alkohol ist ein Risikofaktor
Neben den äusseren Gefahren wie Wetter und Strömungen spielt ein oft unterschätzter Faktor eine zentrale Rolle bei Badeunfällen: der Mensch selbst. «Ein wichtiger Faktor ist, dass Personen trotz fehlender Schwimmkenntnisse baden gehen», sagt Sebastian Kunz. Als Rechtsmediziner hat er immer wieder mit Badeunfällen zu tun, die tödlich enden. Einen zunehmenden Trend bei Badeunfällen gebe es auch wegen Zugewanderten, die mit Wasser und Schwimmen noch nicht vertraut sind.
Auch bei Alkoholkonsum und Sonnenbaden sei Vorsicht angebracht: «Es gibt den sogenannten reflektorischen Badetod. Etwa wenn ein Betroffener von einem Boot ins Wasser taucht und dann nicht mehr an die Wasseroberfläche kommt», sagt Kunz.
«Wenn man ins kalte Wasser eintaucht, ist der plötzliche Temperaturunterschied eine grosse Belastung für den Körper, zusätzlich zum Alkohol.» Das könne zu Herzrhythmusstörungen oder zu einem plötzlichen Absinken des Blutdrucks führen. Das Gleiche treffe zu, wenn man überhitzt nach langem Sonnenbaden in ein kaltes Gewässer springt. «Das ist auch ein Schock für den Körper.» Gerade für Vorerkrankte könne das gefährlich werden.