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Phonak-Chef öffnet sein Herz

Die Traurigkeit steht Andy Rihs ins Gesicht geschrieben.

(Keystone)

Der Radsportbegeisterte Andy Rihs hat sich nach diversen Dopingfällen schweren Herzens dazu durchgerungen, sein Profi-Radteam aufzulösen. Im Gespräch öffnet er sein Herz.

Die positive Dopingprobe auf Testosteron von Phonak-Teamchef Floyd Landis, Sieger der letzten Tour de France, hat den Ausschlag dazu gegeben.

Für Phonak war dieser Doping-Skandal der letzte einer langen Liste. Trotzdem betont Rihs, dass seine internen Dopingkontrollen zu den leistungsfähigsten gehörten.

Der Chef und Gründer des Phonak-Radteams glaubt, dass der Schweizer Radsport über diesen Skandal hinwegkommt, auch wenn in der nächsten Saison kein Schweizer Team mehr bei den wichtigsten Rennen dabei sein wird.

swissinfo: Sie haben ihre Trauer über die Auflösung des Teams betont. Sind Sie auch wütend über die Personen, die dafür verantwortlich sind?

Andy Rihs: Jeder Fall ist individuell. Zur Zeit des positiven Tests von Landis war ich wirklich aufgebracht, weil wir so nahe dran waren, um es dann wieder zu verlieren. Doch man muss vorwärts schauen und ich werde nicht wütend zurückblicken. Er tut mir auch leid.

Ich kenne diese Männer und ich würde nicht sagen, dass sie schlechte Menschen sind. Wie andere Menschen gibt es auch unter Sportlern ganz verschiedene Typen.

swissinfo: Bedeutet dies das Ende des professionellen Radsports in der Schweiz?

A.R.: Natürlich wäre die Basis für den Schweizer Radrennsport viel besser mit einem Team, denn das hilft, Fahrer zu trainieren und auf ein internationales Niveau zu bringen. Doch es ist nicht das erste Mal, dass die Schweiz ohne ein Profiteam dasteht. Es ist nicht absolut nötig.

Ich werde mich weiterhin im Schweizer Radsportverband Swiss Cycling für die Förderung junger Fahrer engagieren. Ich unterstütze den Radsport von Kindern und Frauen und werde persönlich so oft wie möglich aufs Rad steigen.

swissinfo: Warum hatte Phonak in den letzten Jahren so viele Dopingfälle zu beklagen?

A.R.: Ich habe versucht, dies herauszufinden, weil wir bei Phonak mehr Massnahmen dagegen hatten als alle anderen. Und es ist eine Tatsache, dass die Schweiz die strengsten Dopingkontrollen der Welt hat. Doch dies ist ein Paradox, zu dem ich keine Antwort finde.

Vielleicht wird mir eines Tages jemand erzählen, wie das geschehen ist, doch im Moment weiss ich es einfach nicht.

swissinfo: Kommt der Radsport je vom schlechten Doping-Image weg?

A.R.: In jeder Sportart gibt es Dopingkontrollen. Im Fussball, Tennis, Schwimmen, doch der Radsport ist die Sportart mit den meisten Kontrollen. Die rund 800 Profifahrer müssen jährlich insgesamt 12'000 bis 13'000 Tests machen, das ist weit über jedem andern Sport.

Der Radsport ist zum Schwarzen Schaf geworden und die Wahrnehmung ist, das alles Doping im Radsport geschieht - doch das ist sicher nicht so.

swissinfo: War Ihre Zeit im Radsport eine gute oder eine schlechte Erfahrung?

A.R.: Wir haben dieses Team mit dem Ziel geschaffen, für den Namen Phonak zu werben und die Idee unter viele Leute zu bringen, dass gutes Hören ein gutes Leben bedeutet. Wir haben das Team dazu benutzt, für Hörgeräte zu werben, und aus diesem Blickwinkel waren wir sehr erfolgreich.

Die geschäftliche Seite war logisch, doch bei der sportlichen Seite ging es viel mehr um Herz und Leidenschaft. Der Doping-Skandal war eine echte Tragödie für uns, weil wir daran waren, das Top-Team der Welt zu werden. Ich bedaure das von der sportlichen Seite her und für die vielen jungen Fahrer im Team.

swissinfo-Interview: Matthew Allen, Zürich
(Übertragen aus dem Englischen: Christian Raaflaub)

In Kürze

Andy Rihs, Verwaltungsrats-Präsident des Schweizer Hörgeräteherstellers Phonak, gründet sein Rad-Team im Jahr 2000.

Ab 2002 gehört das Phonak-Team zum Profi-Radsport.

2003 engagiert Phonak den starken Amerikaner Tyler Hamilton. Er gewinnt die Goldmedaille im Zeitfahren an den Olympischen Spielen 2004 in Athen. Im gleichen Jahr wird er während der Spanien-Rundfahrt des Blutdopings überführt.

Ebenfalls 2004 werden zwei weitere wichtige Fahrer des Phonak-Teams des Dopings überführt: der Schweizer Oscar Camenzind (EPO) und der Spanier Santiago Perez (Blutdoping).

Weitere Dopingfälle folgen. Der schwerste Fall im Phonak-Team ereignet sich während der diesjährigen Tour de France.

Am Schluss der Morzine-Etappe wird der spätere Tour-Sieger Floyd Landis in der Dopingkontrolle erwischt. Die Gegenanalysen bestätigen die ersten Proben: Landis wird Testosteron-Missbrauch nachgewiesen.

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