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Schwerer Schlag für ausländische Studierende



Die Hälfte der betroffenen Studierenden stammen aus Schwellenländern, je 15% sind Auslandschweizer oder kommen aus Krisenländern.

Die Hälfte der betroffenen Studierenden stammen aus Schwellenländern, je 15% sind Auslandschweizer oder kommen aus Krisenländern.

(Keystone)

Die akademischen Behörden wollen ab 2010 ihren Millionenbeitrag an die Vorbereitungskurse für ausländische Studierende nicht mehr zahlen. Davon betroffen sind auch die Auslandschweizer. Die Suche nach einer möglichen Alternative begann letzte Woche.

Letzten Herbst haben das Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) und die Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK), die die acht Hochschulkantone vereinigt, beschlossen, den Geldhahn für die Vorbereitungskurse auf das Hochschulstudium in der Schweiz (VKHS) ab Juni 2010 zu schliessen.

Diese Streichung der Defizitübernahme von 2,2 Millionen Franken wurde beschlossen, nachdem die ausländischen Studierenden, die eine akademische Ausbildung machen wollten, während 20 Jahren unterstützt wurden.

Dies ist ein harter Schlag für die Stiftung der VKHS und das Oeuvre St-Justin (Justinus-Werk) in Freiburg, das im Herbst 2007 das neue Gebäude der Cité St-Justin gegenüber der Universität Freiburg eingeweiht hatte.

Es beherbergte jährlich 500 bis 600 Studierende aus 60 bis 80 Ländern, die sich mit Intensivkursen in Deutsch oder Französisch auf den Eintritt in eine Schweizer Universität vorbereiteten.

Politische Angelegenheit

Auf Grund von parlamentarischen Interpellationen wurde der letzte Termin auf Januar 2012 verschoben. Manfred Zimmermann, Direktor der VKHS, versteht jedoch die Gründe für den Rückzug des SBF immer noch nicht, zumal alle Universitäten diese Kurse immer unterstützten .Übte der Staatssekretär fürr Bildung und Forschung, Mauro Dell’Ambrogio, Druck aus?

Manfred Zimmermann: "Mauro Dell’Ambrogio hat kurz nach Amtsantritt diese Entscheidung getroffen, und ich vermute stark, er konnte auf die Unterstützung der Rektoren der Universitäten zählen, denn sie allein haben nicht die Mittel, die 70% unseres Defizits (von 2,2 Millionen Franken) zu decken. Also sind sie dem Vorschlag gefolgt, der der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK) unterbreitet wurde. Es war ist ein politischer Entscheid."

Wieso soll das bewährte Modell nach 50 Jahren ausrangiert werden? Mauro Dell'Ambrogio gibt zu, dass sein Entscheid "unbequem" ist und begründet seine Haltung: Die Anforderungen der Bologna-Reform verleiteten die Universitäten dazu, vermehrt ausländische Studierende auf Master-Ebene anzulocken statt Anfänger auf Bachelor-Stufe.

"Mögliche Lücken können während der Studienzeit in der Gastuniversität gestopft werden. Jede Universität wird, entsprechend ihrer Ausrichtung, zu diesem Zweck ein angepasstes Angebot bereitstellen", schreibt der Staatssekretär im letzten Newsletter.

Manfred Zimmermann bedauert dieses "Gärtchendenken". "Es widerspricht doch jeder Logik. Das Bundesamt für Statistik hat in seiner Publikation 'Bildungsperspektiven 2009-2010' nachgewiesen, dass die Zahl der Studierenden auf Bachelor-Niveau stärker ansteigen wird als auf Master-Ebene. Ein Manko ist absehbar".

Privilegierte privilegieren

Die Hälfte der Studierenden stammt aus Schwellenländern, 15% aus Krisengebieten und 15% sind Auslandschweizer (dieses Jahr waren es sogar 20%). Die neue "liberale" Politik des SBF würde also jene privilegieren, die in ihren Herkunftsländern bereits privilegiert sind.

Das ist zumindest die Meinung der Auslandschweizer-Organisation (ASO), die aus ihrer Unzufriedenheit kein Hehl macht. "Diese Massnahme ist diskriminierend, denn die Kandidaten kommen vor allem aus Ländern, wo das Bildungswesen nicht gut ist und es auch keine Schweizer Schule hat", gibt Ariane Rustichelli zu bedenken.

Für die Pressesprecherin der ASO ist dieser Entscheid absurd, da er auf eine Dezentralisierung hinausläuft, während die Tendenz eher in Richtung Zentralisierung geht. "Zudem läuft diese Massnahme der Mobilität zuwider, dem Zauberwort der Bologna-Reform."

Übrigens haben sich der Bund und die anderen Partner seit 2002 zu Gunsten des Bauprojekts der Cité St-Justin in Freiburg eingesetzt und sich bereit erklärt, die zusätzlichen jährlichen Mietkosten von 500'000 Franken bis ins Jahr 2017 zu übernehmen.

Manfred Zimmermann macht sich jedoch um die Zukunft der Räumlichkeiten keine Sorgen, diese können ohne Probleme wieder vermietet werden.

Hoffen auf die Deza?

Zimmermann wartet auf das Ergebnis von zwei parlamentarischen Interpellationen, die letzten Dezember eingereicht wurden, eine vom Freiburger Ständerat Urs Schwaller von der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP), die andere von der Zürcher Nationalrätin Jacqueline Fehr von der Sozialdemokratischen Partei (SP). Letztere schlug eine Finanzierung der VKHS durch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) vor.

Die Antwort der Regierung dürfte während der März- oder spätestens der Juni-Session fallen. "Unsere Kurse beinhalten gleichzeitig Entwicklungshilfe, Integration der Ausländer und humanitäre Hilfe. Es ist also am Bund, eine Lösung zu finden", so Zimmermann abschliessend.

Von Seiten der Deza gibt es im Moment keine Stellungnahme, doch auf den ersten Blick geht man davon aus, dass diese Einführungskurse nicht in ihre Zuständigkeit gehören.

"Die Deza hat den Auftrag, in den Partnerländern des Südens die institutionellen Strukturen des Bildungswesens zu stärken. Davon profitieren Schweizer Institutionen nur, wenn eine direkte Verbindung mit unserer Arbeit in den Partnerländern des Südens oder Ostens besteht", erklärt Pressesprecherin Nadine Olivieri Lozano.

In der Zwischenzeit gehen die Kurse bis Ende 2011 weiter und die VKHS nehmen diese Woche Verhandlungen auf. "Gewisse Universitäten zeigen Interesse an einer Weiterführung unserer Zusammenarbeit", freut sich Manfred Zimmermann. "Wir zählen auf die Westschweizer Hochschulkonferenz mit Freiburg, Lausanne, Genf, Neuenburg, Bern und Basel."

Isabelle Eichenberger, swissinfo.ch
(Übertragen aus dem Französischen: Christine Fuhrer)

VKHS

Die Vorbereitungskurse auf das Hochschulstudium in der Schweiz existieren seit 1962 und empfangen jedes Jahr 500 bis 600 Studierende in Freiburg.

Das "Oeuvre St-Justin" konnte 2007 ein neues Gebäude gegenüber der Universität einweihen.

Kandidierende für die Eintrittsprüfung sind Auslandschweizer (15%), kommen aus Krisenregionen (15%) wie auch aus Schwellenländern (50%).

Sie werden seit 1988 vom Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) und der Schweizerischen Hochschulkonferenz (SHK) durch eine für diesen Zweck eingerichtete Stiftung unterstützt.

Das Budget von 4,5 Millionen Franken wird zu 40% durch das Schulgeld gedeckt. Das Defizit wird zu 70% durch die Stiftung und das SBF übernommen und zu 30% durch die Hochschulkantone.

Auf Grund des Rückzugs von SBF und Kantonen wird die Stiftung Ende 2012 aufgelöst und 35 Arbeitsplätze (20 Stellen zu 100%) stehen auf dem Spiel.

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Aussichten

Im Studienjahr 2009-10 wird die Zunahme der Gesamtzahl der Studierenden an Schweizer Hochschulen um 6,8% auf 197'300 geschätzt.

Das Total der Studierenden an Schweizer Hochschulen dürfte ab 2010 wahrscheinlich die 200'000er-Grenze überschreiten.

Nach diesem Szenario wird zwischen 2008 und 2018 die Gesamtzahl der Studierenden an Schweizer Hochschulen zwischen 16% und 24% anwachsen.

Das heisst, die Schweiz wird zu diesem Zeitpunkt zwischen 214’000 und 229’000 Studierende haben.

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Hochschulen

In der Schweiz gibt es zehn Universitäten: Basel, Bern, Freiburg, Genf, Lausanne, Luzern, Neuenburg, Zürich, St. Gallen und Lugano.

Dazu kommen die zwei Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Lausanne und Zürich, deren Trägen der Bund ist, während die Universitäten durch die Kantone finanziert werden.

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