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Presseschau vom 05.10.2002

Es war eine turbulente Woche für Bundesrätin Ruth Dreifuss: Am Montag hatte sie ihren Rücktritt bekannt gegeben, am Freitag dann die nächste bittere Pille: Die neuen - höheren - Krankenkassenprämien.

Dieser Inhalt wurde am 05. Oktober 2002 - 09:58 publiziert

Kein Wunder, dass dieses Thema die Schweizer Presse dominiert.

Die durchschnittlich um 9,6 Prozent aufschlagenden Prämien seien eine "unsoziale Kopfprämie", meint der TAGES ANZEIGER. Die einstige Errungenschaft der sozialen Krankenversicherung sei längst zum Problem für viele Armen und Familien geworden.

"Vom Grundsatz, dass alle, ob arm oder reich, die gleich hohe Prämie bezahlen, profitieren heute nur noch die Wohlhabenden. Deshalb müssen die Lasten gerechter verteilt werden."

Die Prämienverbilligung für Familien wäre ein wichtiger Anfang, findet der TAGI.

"Und das Parlament würde Ruth Dreifuss, der unermüdlichen Kämpferin für gerechte Prämien, ein letztes Mal die Reverenz erweisen."

Nicht wegen jedem "Weh-wehchen" zum Arzt

Auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG ortet ein Versagen des bisherigen Krankenversicherungsgesetzes. Das habe auch Ruth Dreifuss zugegeben. Weniger Arztbesuche und Medikamente, heisst die Devise für die NZZ:

"Alle Freiheit weiter zu gewähren, dürfte zu teuer sein. Ebenso sind für Versicherte und Leistungserbringer individuelle Anreize zum sparsamen Umgang mit medizinischen Leistungen erforderlich. Dies gilt nicht nur für die teure Medizin, sondern ebenso für Arztbesuche wegen Bagatellbeschwerden."

Ähnlich sieht es der Berner BUND. Medizinisch sei immer mehr möglich. Immer mehr Ärzte würden immer anspruchsvolleren Patienten immer Neues verschreiben. Beschränkungen seien deshalb nötig.

"Das sehen fast alle ein, aber nur wenige sind bisher bereit, Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Oder gehören Sie zu den sechs Prozent, die eine Managed-Care-Versicherung mit beschränkter Arztwahl haben?"

Und der BUND kommt zum Schluss:

"Es reicht nicht, die Prämienverbilligung auszubauen. Das entschärft zwar das Problem, löst es aber nicht."

Grosse Hilflosigkeit

Der BLICK titelt schlicht: "Jetzt reichts!" Und er stösst ins gleiche Horn wie die Blätter mit kleineren Buchstaben.

"Die Hilflosigkeit ist riesengross. Wir brauchen endlich taugliche Sparvorschläge. Und Massnahmen, um die Prämienlast für kinderreiche Familien und Leute aus dem Mittelstand auf ein erträgliches Mass zu reduzieren. Denn auch letzteren tun die massiven Aufschläge weh."

Die Westschweizer Zeitung LE TEMPS meint, dass weniger die wiederholte Erhöhung der Prämien zu denken gebe, als die Tatsache, dass überhaupt keine Perspektiven zur Verbesserung der Lage vorhanden seien.

"Das System der Kopfprämien - einmalig auf der Welt. Es ist unter künstlicher Beatmung."

Keine Zweiklassen-Medizin

Und die BERNER ZEITUNG hat einen konkreten Auftrag an die Nachfolgerin von Ruth Dreifuss.

"Das Verdienst von Ruth Dreifuss ist es, dass sie unermüdlich die Zweiklassen-Medizin bekämpfte. Eine hochstehende Versorgung für alle: Daran muss sich auch der Nachfolger halten."

Doch auch für die BERNER ZEITUNG ist klar, dass mehr und teurere Leistungen mit tieferen Prämien nicht vereinbar sind.

"Es wäre an den Politikern, der Bevölkerung die Unvereinbarkeit dieser Wünsche klar zu machen statt einfach den politischen Gegner zu attackieren. Daraus entstehen keine Lösungen."

Christian Raaflaub

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