Presseschau vom Donnerstag 15.08.2002

Gefallene Managerstars und Götter in Weiss prägen am Donnerstag die Schweizer Zeitungen.

Dieser Inhalt wurde am 15. August 2002 - 10:32 publiziert

CSG-Chef Lukas Mühlemann und Guido A. Zäch, Chef und Chefarzt der Schweizerischen Paraplegiker-Stiftung, befinden sich nach Ansicht der Kommentatoren im rasanten Sinkflug.

Von der Rolle der dynamischen Macher, die neue Chancen mutig packten und so den Börsenhimmel erklommen, werden die Firmenlenker der CS Group vom TAGES ANZEIGER direkt in die Hölle spediert.

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG sieht die "Winterthur" als Klotz am Bein der CS Group. Aber: "Es ist zu befürchten, mancher Konkurrent werde in Zukunft nichts Besseres vorzuweisen haben."

Den Grund für die finanziellen Turbulenzen der CSG sieht die NZZ in der masslosen Anlagestrategie der 90er Jahre. Für schnelle Börsengewinne wurden die bewährten versicherungswirtschaftlichen Grundsätze über Bord geworfen, bemängelt der Kommentator.

Der BUND stellt fest, dass der Rückblick auf die Vergangenheit klug mache. Staunend konstatiere CSG-Chef Lukas Mühlemann, wie tief und breit das Börsental wirklich sei. Den BUND erstaunt vor allem, "dass so viele gescheite Leute so erstaunt sind".

Die AARGAUER ZEITUNG wundert sich, "dass die Bank, in deren Ausschüssen sich vor kurzem noch Altbundesräte und Altbundeskanzler sonnten, nun tief in den roten Zahlen stecke". Das Blatt fragt sich, ob die jüngsten Unwetterschäden nach weiteren Finanzspritzen des Mutterhauses CS Group verlangen.

Aus heutiger Sicht leuchte die 1997 vollzogene Fusion von CS und "Winterthur" nicht mehr ein, schreibt die BERNER ZEITUNG. "Visionen über Internetstrategien , europäische Plattformen und Cross-selling-Potenziale sind genauso passé wie die Hoffnung auf leichte Börsengewinne."

Weisser Kittel mit Flecken?

Guido A. Zäch: Er lächelt in jede Kamera, umrahmt von eben gelandeten Rettungshelikoptern und Unfallopfern mit Rückenverletzungen auf dem Weg in den Operationssaal. "Je prominenter seine Patienten, umso salbungsvoller seine Kommentare", beschreibt die SOLOTHURNER ZEITUNG den "Schutzheiligen der Paraplegiker".

Die SZ verlangt die schonungslose Aufklärung des Falles Zäch: "Es geht nicht um die Gallionsfigur, es geht um die künftigen Opfer."

Die Anklage wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsführung gegen Zächs Paraplegiker-Stiftung hat vor allem einen Verlierer, findet die BASLER ZEITUNG: "Zächs grosses Lebenswerk."

Weiter schreibt die BAZ: "So viel Macht, so viel Geld in der Hand einer einzigen Person - das kann nicht gut kommen."

Die AARGAUER ZEITUNG warnt vor einer Vorverurteilung Zächs. Obwohl: "Seine Überzeugung, die Untersuchung führe zur endlichen Reinwaschung, riecht beim publizierten Sündenregister etwas nach Zweckoptimismus."

Guido A. Zäch habe aber Tausenden von Verunfallten neuen Mut und eine neue Lebensbasis gegeben. Deshalb würden nun viele sagen: " Es ist ungerecht, wenn der Mann, der so viel Gutes getan hat, mit Dreck beworfen wird." Zu bedenken sei jedoch: "Auch wer Gutes tut, muss sich an die Regeln halten."

Für die BZ wiegt der Vorwurf besonders schwer, Zäch habe über drei Millionen Franken "zur persönlichen unrechtmässigen Bereicherung verwendet". Die Reaktion Zächs auf die Anklage, - "ich habe viel geleistet und viel gewagt, nicht alles ist gelungen" - zeige Zächs schwache Seite, seine Überheblichkeit.

Die BZ weiter: "So nach dem dem Motto 'Wo gehobelt wird, fallen auch Späne', nimmt er in Kauf, dass das Ansehen der Paraplegiker-Stiftung arg in Mitleidenschaft gezogen wird." Denn: "Wer spendet schon gerne in eine Institution, die derart undurchsichtig strukturiert ist und so autoritär geführt wird."

Die Partei von Nationalrat Zäch, die CVP, werde sich genau überlegen müssen, wie lange sie dem angeschlagenen Aargauer Nationalrat noch die Stange halte. Sie müsse Zäch den Rücktritt nahe legen, so die BZ. Weil: "Auf die Einsicht von Zäch, dass er auch seiner Partei schadet, kann sie nicht hoffen."

Etienne Strebel

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