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Public Eye Awards: Preise, die keiner will

Der Schweizer Kabarettist Patrick Frey moderierte die Verleihung der Public Eye Awards.

(Keystone)

Premiere zur Eröffnung: Das WEF-kritische Public Eye on Davos zeichnete 5 multinationale Konzerne für unverantwortliches Handeln aus.

"Private Unternehmen leisten ihren Beitrag zu verantwortungsvollem Handeln nicht", sagte Mary Robinson, ehemalige UNO-Hochkommissarin.

"Wenn Regierungen wie private Unternehmen handeln, wieso sollen dann die privaten Unternehmen besser sein als die Regierungen?", stellte der Schweizer Kabarettist Patrick Frey, der die Verleihung der Public Eye Awards 2005 moderierte, die böse Startfrage.

Mit den vier Preisen in den Kategorien Menschenrechte, Umwelt, Arbeitsrecht, Steuern sowie einem Publikumspreis will das WEF-kritische Public Eye on Davos Multis an den Pranger stellen, die in ihrem Geschäftsgebaren Rechte von Menschen und Umwelt massiv missachten.

Bophal – immer noch nicht abgeschlossen

Den Public Eye Award im Bereich Umwelt gewann das Erdöl-Unternehmen Shell. Der Konzern weigert sich beharrlich, in Nigeria das höchst umweltschädigende Abfackeln von Gas auf den Förderfeldern einzustellen.

Doch die Verbrennungen schädigten nicht nur Umwelt und Gesundheit von Menschen und Tieren, sondern zerstörten auch gesellschaftliche Strukturen, wie Godwin Ojo von den Friends of the Earth of Nigeria erklärte: "Die Öl-Konflikte lösen ethnische Konflikte aus, und diese wiederum bewirken den Aufbau bewaffneter Milizen in den Öl-Regionen."

In der Kategorie Menschenrechte wurde der US-Chemiekonzern Dow Chemicals ausgezeichnet. Dow schmettere Forderungen und Klagen von Opfern der Chemiekatastrophe im indischen Bhopal noch nach über 20 Jahren kalt ab, wie Radma Dhingra von einem indischen Opferhilfs-Netzwerk berichtete.

KPMG und die Integrität von Steuersystemen

Sieger im Bereich Steuern, sprich Steuervermeidung und Steuerflucht, wurde die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgruppe KPMG. "KPMG ist ein Unternehmen, das die Integrität von Steuersystemen in vielen Ländern aushöhlt", sagte John Christensen vom Tax Justice Network.

Dabei seien die Steuereinnahmen das Herz einer globalisierten Welt. Staaten und Bevölkerungen würden so jährlich um Milliarden an Steuereinnahmen geprellt.

Der Public Eye Award im Arbeitsrecht verdiente sich die US-Detailhandelskette Wal-Mart. Das Unternehmen dulde in Zulieferbetrieben in Afrika und Asien massive Überstunden und Löhne unter dem Existenzminimum. Die Arbeiterinnen in Ost- und Südafrika seien zudem sexueller Ausbeutung ausgesetzt, so die südafrikanische Gewerkschafts-Delegierte Aisha Bahadur.

Publikumspreis für Nestlé

Der Publikumspreis ging an Nestlé. Internet-Userinnen und -User wählten das Schweizer Unternehmen für seine aggressive Kampagnen für Baby-Nahrung und Flaschen-Wasser in der dritten Welt sowie für seine gewerkschaftsfeindliche Politik in Kolumbien.

Ausgewählt wurden die Preisträger von einer internationalen Trägerschaft aus Vertreterinnen und Vertretern von Nichtregierungs-Organisationen (NGO). Zur Auswahl standen über 20 Unternehmen, die ebenfalls von NGO nominiert wurden.

Prominenter Sukkurs

"Wir brauchen die Public Eye Awards, um Druck auf Unternehmen zu machen, die nicht verantwortungsvoll handeln", leistete die ehemalige irische Präsidentin und UNO-Hochkommissarin Mary Robinson in ihrer Rede prominente Unterstützung.

Sie plädierte wie die Public-Eye-Organisatoren dafür, international verbindliche Richtlinien für verantwortliches Unternehmens-Verhalten aufzustellen.

Starker Appell

Die Entwicklungs-Organisation Erklärung von Bern (EvB) erwartete als Preisverleiherin nicht, dass die Leader der ausgezeichneten Konzerne die Public Eye Awards persönlich entgegennehmen würden.

"Bei uns gibt es keine 'tough decisions', sondern 'tough questions', und denen wollen sich die Preisträger nicht stellen", so Andreas Missbach gegenüber swissinfo. Er ist Medien-Verantwortlicher für das Public Eye on Davos.

Die EvB erwarte aber, dass die prämierten Unternehmen ihr unverantwortliches Handeln änderten. "Shell beispielsweise muss mit dem umweltschädigenden Abfackeln von Gas auf den Ölfeldern Nigerias aufhören", unterstreicht Missbach.

Fest etabliert

"Wir werden immer routinierter und sind mittlerweile respektiert", bilanziert Missbach die sechste Auflage des WEF-kritischen Anlasses. Dass ihnen die Davoser Behörden Steine in den Weg legten, gehöre der Vergangenheit an.

Thematisch sei die Kontinuität vorgegeben, nämlich die Unternehmer-Verantwortung als Kontrapunkt zum WEF. So mag er das Public Eye denn auch nicht als sozialethisches Feigenblatt von WEF-Gründer Klaus Schwab verstanden wissen: "Dieses Feigenblatt ist das Open Forum, auf das dieser Vorwurf zutrifft. Es kommt in strahlendem WEF-Hochglanz daher, und 'tough questions' werden dort keine gestellt."

Im Reigen der Anti-WEF-Veranstaltungen habe das Public Eye als kritische Alternative seinen klaren Platz gefunden. "Wir haben jede Auflage immer wieder evaluiert, und sind immer noch der Stachel im Fleisch", so Missbach weiter.

Er räumt jedoch ein, dass der Anlass mittlerweile zum "Festbetrieb" gehöre, der von zu vielen Konferenzen geprägt sei. "Deshalb auch die Idee mit den Awards: Wir wissen, dass namhafte Unternehmer nervös wurden. Sie sollen nicht so ruhig schlafen können."

swissinfo, Renat Künzi in Davos

Fakten

Die WEF-kritische Veranstaltung Public Eye on Davos wird von der Erklärung von Bern und Pro Natura durchgeführt.

Sie findet zum 6. Mal statt.

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In Kürze

Mit den Public Eye Awards wurden internationale Unternehmen für besonders unverantwortliches Handeln ausgezeichnet.

Die Jury bestand aus Mitgliedern von Nichtregierungs-Organisationen.

Preisträger Menschen-Rechte: Dow Chemical (Tochter-Gesellschaft war für Bhopal-Katastrophe verantwortlich).

Umwelt: Shell Group (Jahrzehntelanges Abfackeln von Gas auf Ölfeldern in Nigeria).

Arbeitsrecht: Wal-Mart (toleriert miserable Arbeitsbedingungen in Textil-Zulieferfirmen).

Steuern: KPMG (sorgt mit Steuersparmodellen für Einnahmenausfälle in Milliardenhöhe).

Publikumspreis: Nestlé (aggressive Kampagnen in Entwicklungsländern).

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