Rezession per Computermaus beenden

Keystone

Wer sich über die Politik der Notenbank ärgert, kann künftig versuchen, es selber besser zu machen. Die Schweizerische Nationalbank entwickelte ein Computerspiel, mit dem sie auch dem Laien die Möglichkeiten und Grenzen der Geldpolitik vor Augen führen will.

Dieser Inhalt wurde am 30. April 2001 - 09:18 publiziert

Das Monetary Policy Simulation Game (MoPoS) wurde vom Nationalbank-Ökonomen Yvan Lengwiler entwickelt und kann von der Website der Nationalbank (SNB) heruntergeladen werden. Das Computerspiel versetzt Benutzerinnen und Benutzer in die Situation einer Zentralbank und erlaubt ihnen, die Geldpolitik in einer einfachen virtuellen Volkswirtschaft zu simulieren, wie Lengwiler in dem am Montag veröffentlichten SNB-Quartalsheft schreibt.

Spielend lernen

Zweck des Spiels sei es, den Spielenden ein Gefühl für die makroökonomischen Zusammenhänge zu vermitteln und vor allem die Möglichkeiten und Grenzen der Geldpolitik aufzuzeigen. Spezielle ökonomische Kenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Es ist laut Lengwiler deshalb sowohl für interessierte Laien wie auch für den Wirtschafts-Unterricht geeignet. Dank verschiedenen Erweiterungs-Möglichkeiten finden aber auch Fachleute viele Herausforderungen.

Die Modellwirtschaft, die dem Spiel zu Grund liegt, orientiert sich nicht an einem bestimmten Land, also auch nicht an der Schweiz. Das Modell wird somit von der SNB auch nicht für die Vorbereitung ihrer geldpolitischen Entscheidungen oder die Erstellung der Inflationsprognosen verwendet, wie der Spielerfinder unterstreicht.

Die Aufgabe der Spielenden besteht darin, die Modellwirtschaft mit dem Zinssatz zu steuern und zu stabilisieren. Heftige Zinsschritte führen dabei in der Regel ebenso wenig zum Ziel wie eine zu schüchterne Politik, die den Zinssatz über lange Zeiträume unverändert lässt. Zu den typischen Problemstellungen des Spiels gehören unter anderem die Szenarien "Rezession beenden", "Inflation beenden" und "Soft landing".

Kein Ausweg aus der Liquiditätsfalle

Im Unterschied zur Wirklichkeit können die Spielenden die Steuerung der Geldpolitik auch einem "Autopiloten" übertragen. Er ist gemäss Lengwiler ein kleiner Geldpolitik-Experte, der den Zinssatz in Abhängigkeit von der aktuellen wirtschaftlichen Situation festsetzt. Das Spiel kann zudem in einer einfachen und in einer fortgeschrittenen Betriebsart gespielt werden.

Der Nationalbank-Ökonom macht zudem auf eine Tücke aufmerksam: Das Spiel habe viel eher die Tendenz, in die Liquiditätsfalle zu geraten als eine reale Volkswirtschaft. "Sobald die Modellwirtschaft tief genug in der Liquiditätsfalle sitzt und kein Schock gross genug ist, sie daraus zu befreien, gibt es daher auch keinen Ausweg", schreibt Lengwiler. Während dann in der realen Welt die Probleme erst richtig beginnen, heisst es für den virtuellen Notenbankpräsidenten "Game over".

swissinfo und Agenturen

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