Sahli kandidiert fürs Stadtpräsidium Grenchen – Crausaz verzichtet
Nach der Absetzung durch das Bundesgericht kandidiert Susanne Sahli (FDP) erneut für das Stadtpräsidium von Grenchen. Ihr ehemaliger Herausforderer Patrick Crausaz (GLP) hingegen verzichtet. Sie hätten die Entscheide unabhängig voneinander getroffen, verkündeten die beiden am Montag an einer Medienkonferenz.
(Keystone-SDA) Für eine gemeinsame Medienkonferenz haben sich die ehemaligen Konkurrenten entschieden, um Spekulationen zu vermeiden und Transparenz zu schaffen, wie sie vor den zahlreich erschienenen Medienvertretern im Parktheater in Grenchen erklärten.
Er enttäusche mit seinem Verzicht einige Leute, sagte Crausaz. Das sei ihm bewusst. Manchmal müsse man persönliche Ambitionen für das Wohl einer Stadt zurückstellen. Er wolle die Arbeit als Vizepräsident, die ihm Freude bereite und die er mit Überzeugung ausübe, weiterführen.
«Eine erneute Kandidatur hätte die aufgeheizte politische Stimmung kaum beruhigt. Sie hätte zu einer Lose-Lose-Situation für alle Kandidierenden geführt.» Der Wahlkampf im vergangenen Jahr war unter anderem gespickt mit persönlichen Angriffen.
Sein Verzicht solle als Zeichen und Forderung für eine politische Kultur verstanden werden, die von gegenseitigem Respekt geprägt sei, sagte Crausaz.
Sahli will angefangene Arbeit fortsetzen
Diesem Aufruf folgte Sahli an der Medienkonferenz. Persönliche Angriffe oder anonyme Aktionen nützten niemandem etwas – vor allem nicht Grenchen selbst.
Sie habe sich nach reiflicher Überlegung für eine erneute Kandidatur entschieden, weil ihr die Stadt am Herzen liege. «Die Ermutigungen aus der Bevölkerung haben meinen Entschluss gestärkt.» Sie wolle die Arbeit, die sie in den ersten Monaten dieses Jahres aufgegleist habe, gerne weiterführen. Dazu nannte sie die ausgebaute Kommunikation oder die Massnahmen für stabile Finanzen als Beispiele.
Die vergangenen Wochen seien nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Mitte Juni hatte das Bundesgericht die Wahl von Sahli ins Stadtpräsidium von Grenchen annulliert. Die Lausanner Richter stellten nach einer Wahlbeschwerde einer Privatperson schwerwiegende Fehler bei der Stimmenauszählung fest. Sahli verlor das Amt per sofort.
Nun möchte sie den Blick nach vorne richten. Sie hätte auch kandidiert, wenn Crausaz ebenfalls angetreten wäre, erklärte sie.
Die Anmeldefrist für die Wiederholung der Stadtpräsidiumswahl läuft am Montag, 10. August, ab. Der erste Wahlgang findet am 27. September statt, ein allfälliger zweiter am 29. November. Ob es eine zweite Kandidatur gibt, ist derzeit noch nicht bekannt. Gewählt wird in jedem Fall.
25 Stimmen machten den Unterschied
Die FDP-Politikerin hatte sich ursprünglich im September 2025 im zweiten Wahlgang gegen Mitbewerber Crausaz mit einem Unterschied von nur 25 Stimmen durchgesetzt. Sahli erhielt 2094 Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 45,2 Prozent. Sie trat ihr neues Amt Anfang 2026 an. Crausaz übernahm die Amtsgeschäfte dann Mitte Juni von Sahli nach deren Absetzung.
Die Wahlbeschwerde war am 6. Oktober 2025 eingegangen. Das Verwaltungsgericht stellte Mitte November zwar dieselben Unregelmässigkeiten fest wie das Bundesgericht mehr als ein halbes Jahr später. Die Solothurner Richter kamen jedoch zum Schluss, dass die Mängel das Hauptresultat nicht wesentlich beeinflusst hatten.