Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Dieser Auftritt eines Schweizer Diplomaten hatte es in sich. Pierre Krähenbühl schmeisst vor laufender Kamera den Bettel hin. Zuvor hatte er das UNO-Hilfswerk für die Palästinenser geleitet. Es war die umstrittene Führung einer äusserst umstrittenen Organisation.
Krähenbühl galt bisher als aussichtsreichster Anwärter für eine dereinstige Nachfolge von Peter Maurer als Direktor des IKRK. Ob das noch gilt?
Herzliche Grüsse aus Bern
Knall auf dem Parkett der Diplomatie. Der angegriffene Schweizer Spitzendiplomat Pierre Krähenbühl schmeisst hin. Und schiesst zurück.
Der scheidende Schweizer Leiter der UN-Agentur UNRWA sagt, er sei zum Opfer der Politik geworden. Krähenbühl bestreitet, dass er eine weibliche Mitarbeiterin, mit der er eine Liebesbeziehung hatte, bevorzugt hätte.
«Wir befinden uns derzeit in einem Umfeld der Hyperpolitisierung», sagt Krähenbühl.»Ich habe in meiner 28-jährigen humanitären Laufbahn noch nie solche brutalen Angriffe erlebt.» So verteidigte er sich beim Westschweizer Fernsehen RTSExterner Link. Er deutete an, dass die Kampagne gegen ihn Teil einer konzertierten Aktion zur Untergrabung des UNRWA sei. Die USA sehen die Arbeit der UNRWA äusserst kritisch.
Auch der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis hatte die UNRWA kritisiert. Er bezeichnete Krähenbühls Organisation als «Teil des ProblemsExterner Link» im Nahost-Konflikt. Krähenbühl entgegnet: «Wenn den 280’000 Schülern in Gaza nach der Auflösung des UNRWA die Schule vorenthalten wird, wo werden sie dann zur Schule gehen? In Hamas-Schulen. Ist es das, was Herr Cassis will?«
Laut Krähenbühl hat ihn eine UN-Untersuchung entlastet. Nur wenige Stunden zuvor hatte das UNRWA seinerseits erklärt, dass Krähenbühl von Managementfunktionen zurückgetreten sei.
- SRF Online hat die Verteidigungsrede Krähenbühls zusammengefasst Externer Linkund analysiertExterner Link
- Hier schreibe ich, wie Israel kürzlich versucht hat, die Schweiz zur Abschaffung der UNRWA zu bewegen
- Lesenswerte Einschätzung unseres diplomatischen Korrespondenten Daniel Warner
Nochmals zu den Wahlen: Während die Schweiz über die mögliche Anpassung der Zauberformel diskutiert, schaut Claude Longchamp, unser Doyen der Polit-Analyse, zurück. Er sagt, wie historisch der 20. Oktober 2019 wirklich war.
«Die grössten Erschütterungen der Parteienlandschaft erfolgten 1935, 2011 und 2019. Über 13, 15, beziehungsweise 17 Prozent der Nationalratssitze wechselten in diesen Wahljahren die Partei», schreibt Longchamp auf swissinfo.ch.
Die Auslöser für diese Erschütterungen sieht er in den globalen Ereignissen in den betreffenden Epochen: Die Grosse Depression, Fukushima und die Klimakrise.
Longchamps Fazit: «Was lehrt uns das? Am Anfang aller grossen Erschütterungen der Schweizer Parteienlandschaft stehen globale Krisen der Wirtschaft, der Technologie und der Umwelt. Sie wirken bei Schweizer Wahlen nach, weil unser Land angesichts ihrer Weltmarktorientierung kein Container ist, der sich hermetisch abriegeln liesse.»
- Longchamps brillante Analyse finden Sie hier
- «Nicht nur die Grünen und die Grünliberalen haben die Wahlen gewonnen, sondern auch die gut Ausgebildeten und Besserverdienenden», schreibt die linke Wochenzeitung WOZExterner Link heute
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Die Schweizer Hochseeflotte ist längst ein Millionengrab. Das war bekannt und – zähneknirschend – akzeptiert. Aber es hört gar nicht mehr auf.
Unsere Väter wollten, dass die Schweiz ihre Importe auch dann bewerkstelligen kann, wenn sonst kein Schiff mehr dampfen würde, nirgends. Es war ein bizarrer Seitentrieb des Anbauschlacht-Gedankens: Die eigenen Kartoffeln kämen in der Krise von den Schweizer Fussballplätzen. Pfeffer, Paprika und das Benzin fürs Rechaud von der Schweizer Hochseeflotte.
47 Schiffe tuckerten noch 2016 unter Schweizer Flagge, ausgestattet mit Bürgschaften der Eidgenossenschaft. Auch diese sind eine Last aus der Vergangenheit. Seit 1959 vergab die Schweiz Geldgarantien an Schweizer Reeder. Sie erhielten so günstigere Kredite. Im Gegenrecht dürfte die Schweiz ihre Schiffe im Krisenfall beschlagnahmen, um die Landesversorgung zu sichern. Lange konnten die Schweizer Reeder darum bestens abgesichert auf hochpolierten Dampfern zur See fahren. Die stolzen Frachter waren ein Aushängeschild der Schweiz.
Dann kam Misswirtschaft und Laisser-faire. Und dann die Finanzkrise, weitere Misswirtschaft und noch schlimmeres Laisser-faire. Jetzt das: Teilen der Flotte geht es so schlecht, dass die offizielle Schweiz sich dafür nur noch schämt. Löhne werden nicht bezahlt. Schiffe werden aus Sicherheitsgründen festgehalten. Der Staat muss nochmals 130 Millionen Franken nachschiessen, 215 Millionen hat er bereits bezahlt.
Nun denkt der Bundesrat laut darüber nach, den Schiffen die Schweizer Flagge zu entziehen. Man müsse dies erwägen, um die Reputation des Schweizerkreuzes zu retten.
- Die neuste Entwicklung in diesem Drama lesen Sie hier
- Hier beschreibe ich, wie die Schweiz dieses Fass ohne Boden eröffnete
- Ein Schelm, wer Böses denkt: Unsere Recherche zur Hochseeflotte
- Der Journalist Henry Habegger verfolgt den Skandal seit Jahren. Hier Externer Linkseine teils haarsträubenden Ergebnisse
Ich behaupte: Seit es unsere App gibt, seit swissinfo.ch verstärkt berichtet, und auch seit den Wahlen, ist die Stimme der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in der Heimat wieder hörbar. Jetzt interessiert sich auch der «Blick» für Sie.
Klar: Die Schicksale von Auswanderern und Ausgewanderten sind immer interessant zu verfolgen. Sie sind so existenziell. Man kann beim Auswandern nur gewinnen oder verlieren. Dazu kommt, dass das Glücksrittertum nicht gerade die dominierendste Eigenschaft von uns Schweizern ist. Aber wer geht, der sucht sein Glück. Sie als Schweizer oder Schweizerin im Ausland verkörpern für uns Daheimgebliebene somit das Quantum Abenteuer, das wir zuhause so gerne wegregulieren.
Sie verkörpern den Stoff, den das Leben schreibt: Stoff auch für den Boulevard. Blick Online sucht solche Geschichten.
Vielleicht können Sie ja etwas beitragen.
Auch wir sind natürlich dankbar, wenn Sie in unseren Community-Fragen mitmachen. Ganz einfach darum, weil Sie in vielem sehr viel besser Bescheid wissen als wir selbst.
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Wie lebt es sich als Schweizer im Ausland?, fragt der BlickExterner Link
Die Rückkehr ist für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer nicht einfach. Um ein Abdriften in die Sozialhilfe zu verhindern, wünscht Samuel Merz, dass Heimkehrende nicht nur technisch, sondern auch seelisch begleitet werden. Hier seine Zuschrift:
«Ich hatte eine ausgezeichnete Ausbildung in der Schweiz genossen und auch hier gearbeitet – aber der Wunsch, einmal länger ins Ausland zu gehen, war für mich immer sehr stark. Schlussendlich hat es mich nach Berlin gezogen, was meine ganzen Wertvorstellungen und das, was ich mitgebracht habe, auf den Kopf stellte. Dennoch habe ich in dieser Zeit enorm viel erfahren und Menschen kennengelernt, bei denen für mich ‘Offenheit und Toleranz’ erlebbar wurden – was sich auch wieder positiv auf mein Wertesystem auswirkte.
Nach vier Jahren wollte ich in die Schweiz zurückkehren. Ich muss heute sagen, dass das wirklich absolut heftig war – auch wenn es vom EDA eine Anleitung gibt, die vor allem die Rechte und Pflichten beinhaltet – und es hier ein enormes Entwicklungspotential gibt hinsichtlich des ‘Willkommen heissen von Auslandschweizern’.
Wer viel reist oder auch einmal länger im Ausland war, wird höchstwahrscheinlich bald merken, dass die Schweiz in vielen Aspekten eine Ausnahme bildet – und zwar in schönen, wie auch in weniger schönen.
Dadurch schärft und verändert sich aber der Blick auf bestimmte Nuancen, die – im Vergleich zu Menschen, die immer hier sind – auch ein grosses Plus darstellen. Es ist ein Potential an Wissen und Erfahrung. Umgekehrt ist es für die Menschen, die zurückkommen, enorm wichtig, bald und schnell in der etwas fremdgewordenen Heimat wieder Fuss fassen zu können und sich etwas aufzubauen.
Macht man hier aber als erstes gleich den Gang durch das RAV und im schlimmsten Fall durchs Sozialamt, dann ist das ein völliger Verschleiss an Ressourcen – und zwar auf mehreren Ebenen.
Es braucht eine Anlaufstelle, die nicht nur die ‘technischen Fragen’ klärt, sondern massgebend auf das seelische Befinden der Rückkehrer eingeht. Es braucht Raum für Austausch, Begegnung und Fragestellungen, die durch die verschiedenen Perspektiven als Schätze in die Schweiz kommen – sie müssen Raum und Wertschätzung erhalten.
Eigentlich müsste das von jemandem geleitet werden, der selbst im Ausland war, die ganzen Erfahrungen gemacht hat und psychologisch geschult ist. Idealerweise auch mit einem breiten Wissen, das eben auch wirtschaftliche Abläufe und eine differenzierte Sichtweise beinhaltet.
Meine bisherigen Recherchen zeigen: Der Bedarf ist enorm.
Ich wünsche allen Rückkehrern viel Kraft, Geduld und Durchhaltevermögen. Übrigens ist eine meiner wichtigsten Erkenntnisse durch das Leben im Ausland, dass die Arbeitsmoral in der Schweiz tendenziell sehr streng ist und das ‘seelische Atmen’ sehr schnell zu kurz kommt und es diesbezüglich auch in der Schweiz viel Leid gibt. Aber die Schweiz ist zugleich eines der schönsten Länder dieser Erde und es ist unglaublich, was man hier alles auf die Beine stellen kann!»
- Samuel Merz kommentierte den Artikel von meiner Kollegin Veronica DeVore, in dem sie viele Informationen dazu zusammengetragen hat, was Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer bei der Rückkehr beachten müssen.
- HierExterner Link finden Sie den Ratgeber vom EDA zur Rückkehr von Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern.
- Die Auslandschweizer-Organisation ASOExterner Link hat je eine Übersicht zur Stellensuche in der SchweizExterner Link und zur Überbrückung finanzieller SchwierigkeitenExterner Link bei der Rückkehr.
- Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns hier:
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