Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen, liebe Auslandschweizer
Wie sicher sind Wahlen in der Schweiz? Morgen startet ein in der Geschichte der Schweizer Politik einzigartiger Prozess zum wohl grössten Wahlbetrug der letzten Jahrzehnte.
Beste Grüsse aus dem Homeoffice
Wahlfälschung im Thurgau: «Dieser Prozess ist in der Schweizer Geschichte bislang einzigartig»
März 2020: Die Grünliberale Partei entdeckt seltsame Resultate bei den kantonalen Wahlen im Thurgau, die Staatsanwaltschaft startete strafrechtliche Ermittlungen.
Morgen muss sich nun der ehemalige Frauenfelder Stadtschreiber dem Vorwurf der qualifizierten Wahlfälschung stellen – er selbst bestreitet jede Schuld.
Brisant: Die Staatskanzlei beauftrage ausgerechnet den Stadtschreiber mit der Nachzählung. «Unsere Sicherheitsstandards sind im internationalen Vergleich lächerlich tief» sagt ein erfahrener Wahlbeobachter dazu.
- Plötzlich waren die Wahlzettel verschwundenExterner Link – Tagesanzeiger (Bezahlschranke)
- Tausende Wählerstimmen der SVP zugeschobenExterner Link – 20min.ch
- «Aus der Apfelrepublik Thurgau ist eine Bananenrepublik geworden» – Mein Kollege Renat Kuenzi hat sich im Mai 2020 schon mit dem Fall beschäftigt, als sich sonst nur die Regionalzeitung dafür interessierte.
Wo hören Freiräume auf und fangen Lärmplagen an? In einer Zürcher Gemeinde kämpfen Jugendliche erfolgreich für ihre Musik im Freien.
Gemeindeversammlungen, die Urform der direkten Demokratie in der Schweiz, sind normalerweise schlecht besucht – vor allem von der jüngeren Generation. Anders in Pfäffikon im Kanton Zürich vor drei Wochen: Der Ansturm der Jugendlichen war so gross, dass die Gemeindeversammlung verschoben werden musste.
Weshalb? Die Gemeinde wollte den Einsatz von Bluetooth-Lautsprechern im Freien einschränken. Das liessen die Jugendlichen nicht auf sich sitzen und machten von ihren demokratischen Rechten Gebrauch.
Der Einsatz zahlte sich nun aus: Sie konnten die Einschränkungen erfolgreich abwenden und sogar die Nachtruhe verkürzen.
- Pandemie schürt Lärmkonflikte in Stadt und LandExterner Link – Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ, Bezahlschranke) erklärt, weshalb das nicht nur in Pfäffikon ein Thema ist.
- Junge wehren sich erfolgreich gegen MusikverbotExterner Link – SRF News Video
- Sind Gemeindeversammlungen noch zeitgemäss? – Aus unserem Archiv
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Massengräber indigener Kinder in Kanada: Schweizer Missionare waren möglicherweise beteiligt.
Funde der Überreste von hunderten Kinderleichen in der Nähe katholischer Internate in Kanada erschütterten in den letzten Wochen die ganze Welt. Die Kinder der Ureinwohner sollten in den Internaten umerzogen werden – viele starben unter den prekären Bedingungen.
Der Luzerner Historiker Manuel Menrath zeigt nun: An den Schulen wirkten zahlreiche Schweizer Missionare. Bekanntes Beispiel ist Martin Marty, der 1860 aus dem Kloster Einsiedeln aufbrach und den legendären Sioux-Häuptling Sitting Bull bekehren wollte.
Urban Federer, heutiger Abt des Klosters Einsiedeln, zeigt sich im Tamedia-Interview beschämt: «Die Kultur der indigenen Völker wurde europäisiert und ‚zivilisiert‘, respektlos zerstört.»
- Schweizer Mönche wirkten beim Zwangsmissionieren von Kindern mitExterner Link – Tagesanzeiger
- «Ich bin schockiert und beschämt»Externer Link – Einsiedler Abt im Tagi-Interview (Paywall)
- Die Schweiz und der Kolonisalismus – Wie die Schweiz ohne eigene Kolonien profitierte im Fokus meines Kollegen David Eugster
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Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Während der Pandemie hat sich die Diskrepanz verschärft.
Für das Verfassen dieser Zeilen werde ich von SWI swissinfo.ch bezahlt – logisch, das ist ja mein Beruf. Würde ich dagegen meine Eltern pflegen oder mein (hypothetisches) Kind betreuen, ginge ich leer aus.
Dabei wären diese Betätigungen gesellschaftlich mindestens so wertvoll wie das Schreiben dieses Briefings oder viele andere bezahlte Jobs, finden Sie nicht auch?
Das Problem: Un- oder schlecht bezahlte Care-Arbeit wird überproportional häufig von Frauen erledigt. Das führt dazu, dass Frauen weltweit mehr arbeiten als Männer – aber weniger Geld dafür bekommen. Die Pandemie hat das Problem noch akzentuiert.
- Gender-Bilanz der Pandemie: Noch eine Generation länger bis zur Gleichstellung – Meine swissinfo-Kollegin May Elmahdi Lichtsteiner verschafft Übersicht.
- Care-Arbeit darf nicht länger ignoriert werdenExterner Link – Kommentar ausmahmesweise aus dem Ausland (Deutschlandfunk).
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