Heute in der Schweiz
Sehr geehrte Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Stellen Sie sich vor: In Ihrem Land herrscht Krieg und Sie müssen in die Ukraine flüchten, können dort aber mit Ihrem Geld nichts kaufen. Mit diesem Problem sind geflohene Ukrainer:innen in der Schweiz konfrontiert.
Friedliche Grüsse aus Bern
Was heisst Flüchten? Eine mögliche Definition: Das bisherige Leben hat von einem auf den anderen Tag aufgehört zu existieren.
Wer nie selbst flüchten musste, kann wohl nur ansatzweise verstehen, was das bedeutet. Ich stelle mir darunter ein Leben vor, aus dem sämtliche Gewissheiten verschwunden sind.
Nach gut einem Monat des russischen Angriffskriegs gegen ihre Heimat sind fast 20’000 Menschen aus der Ukraine in der Schweiz angekommen. Und es dürften noch viel mehr werden, die hier Schutz suchen müssen.
Unser Geldmarktexperte Fabio Canetg stellt in seinem Geldcast eine ganz praktische Frage: Wie können Geflüchtete, die etwas Bargeld mitnehmen konnten, in der Schweiz etwas kaufen?
Aktuell lautet die einfache Antwort: Gar nicht. Ihr Geld ist wertlos – sie finden niemanden zum Tauschen ihrer ukrainischen Währung. Wie die Nationalbank abhelfen könnte, erfahren Sie im neuen
- swissinfo.ch-Geldcast von Fabio Canetg.
- Fast 2,4 Millionen Ukraine-Flüchtlinge in Polen angekommen – Aktueller Lagebericht unserer Agentur aus dem ukrainischen Nachbarland.
- Schweizer:innen öffnen ihr Zuhause für Flüchtlinge aus der Ukraine – aktueller swissinfo.ch-Bericht zur Solidarität in der Schweiz mit ukrainischen Flüchtenden.
Klare Ansage. Oder besser Absage: Angestellte der Firma Ems-Gruppe von SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher dürfen Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht Krieg nennen.
Tote Neugeborene, Kinder und Mütter: Alltag im Dreissigjährigen Krieg. Und jetzt sehen wir diese Bilder wieder – im Jahr 2022 aus der Ukraine. Für mich ist Putin ein Warlord, der sich für seinen Angriffskrieg gegen den souveränen Nachbarstaat hoffentlich dem Internationalen Strafgerichtshof wird stellen müssen.
Angriffe gegen bewohnte Städte und zivile Einrichtungen wie Geburtskliniken sind Kriegsverbrechen.
Die Blocher-Tochter sieht das anders. Zumindest in der – wichtigen – Kategorie der Begriffe. In einer E-Mail an das Topkader der von ihr geführten Unternehmung verbietet sie den Begriff Krieg im Zusammenhang mit dem Krieg.
«In der Ems-Gruppe wird intern und extern ab sofort und bis auf Weiteres von ‚Ukraine-Konflikt’ gesprochen. Das Wort ‚Krieg’ sei nicht zu verwenden», schrieb die Chefin.
Ihre Feststellung, oder ist es eine Begründung, dürfte nicht nur mich irritieren: «In Russland wird die Verwendung des Wortes ‚Krieg‘ im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen der Ukraine und Russland mit Gefängnis bestraft.«
Ist sie schon im Wahlkampfmodus, frage ich mich da. Und Anschlussfrage: Ist sie überzeugt, dass sie und die Partei so die historischen Verluste, die die SVP 2019 eingefahren hatte, wettmachen?
- Martullo verbietet das Wort «Krieg»Externer Link – Recherche der Wochenzeitung (WOZ).
- Adolf Ogi hat im BlickExterner Link die Putin-Versteher:innen seiner Partei kritisiert.
- Minenfelder der Information – Hintergrund meiner swissinfo.ch-Kollegin Geraldine Wong Sak Hoi.
- Auch Schweizer Medien ziehen sich wegen neuem Gesetz aus Russland zurückExterner Link – Beitrag im Kleinreport.
Gleich noch eine Spitzenvertreterin aus der Wirtschaft, bei der sich mir Fragen stellen: Jin Keyu.
Ihr Name ist trotz ihrer Lehrtätigkeit an der renommierten London School of Economics wohl nur Insider:innen bekannt: Die 40-jährige Ökonomin soll Ende April in den Verwaltungsrat der Schweizer Grossbank Credit Suisse einziehen.
Doch die Personalie Keyu wird von lauten Nebengeräuschen begleitet: Die aus Peking stammende Wirtschaftswissenschaftlerin fand die Konzentrationslager – im Wording Pekings: Umerziehungslager – für Uigur:innen in deren Provinz Xinjiang «legitim». Das sagte sie 2021 in einem – auf Tonband aufgezeichneten und autorisierten – Interview mit dem Schweizer «Magazin».
Dass China in den Lagern foltert und Frauen zwangssterilisiert, ist mittlerweile amtlich – bestätigt in einer offiziellen Erklärung der UNO.
Mindestens ebenso irritierend sind Keyus letztjährige Aussagen zur – mittlerweile von China niedergeknüppelten und -gewalzten – Demokratie-Bewegung Hongkongs: «Die Instabilität rührt nicht von Peking her. Sie wurde von einigen Bürgern Hongkongs verursacht.»
«Ich glaube nicht, dass ich jemals ein Interview gegeben habe, in dem ich mich zu Hongkong oder Xinjiang geäussert habe», sagt die Angeschossene. Die CS selbst hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäussert.
- Neue Frau an der CS-Spitze verteidigte Uiguren-LagerExterner LinkSchweizer Textilmaschinen-Hersteller im China-Dilemma – unser Beitrag von vor einem Jahr.
- Schicksal der Uiguren sorgt für immer schrillere Töne in der UNO – Bericht unseres Mitarbeiters aus dem internationalen Genf.
Streamingdienste vs. heimische Filmindustrie: Die Lex Netflix bedeutet eine Art «Friedensangebot».
Sollen Netflix, Disney+, Apple TV und Amazon Prime Video die Schweizer Filmproduktion unterstützen müssen? Diese Frage beantwortet das Schweizer Stimmvolk am 15. Mai.
Der Hintergrund: Die Giganten der globalen Unterhaltung trocknen mit ihrer schieren Grösse und Reichweite den kleinen Filmmarkt Schweiz aus.
Nach einem Gesetzesvorschlag sollen sie künftig eine Abgabe in der Höhe von vier Prozent ihrer inländischen Einnahmen entrichten müssen. Damit sollen audiovisuelle Produktionen unterstützt werden.
Übrigens: Genau diese Regelung gilt bereits für das inländische Kommunikationsunternehmen Swisscom.
Was damals durchging, erregt jetzt die Opposition von Verfechter:innen einer freien Wirtschaft: Keine Zwangsabgaben auf Gewinnen privater Unternehmen, lautet deren Devise.
Macht das Nein-Lager das Rennen, bleibt die Schweiz eine Insel: Die Nachbarländer bitten die Streamer allesamt zur Kasse. Spitzenreiter ist mit 26% Frankreich.
- Lex Netflix: Quo vadis, Helvetia? – unser Hintergrund von Max Borg zur Abstimmungsvorlage.
- Abstimmung: «Lex Netflix» für Abgaben von Streamingdiensten – unsere Vorschau von Marie Vuilleumier.
- Lex Netflix: Bundesrat will «gleich lange Spiesse für alle»Externer Link – Beitrag von SRF News.
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