«Allianz der Zivilisationen»: Schweiz nimmt am Forum teil
Am Dienstag wurde in Madrid mit dem Forum der "Allianz der Zivilisationen" ein weiterer Schritt unternommen, der die Verständigung zwischen der westlichen und der muslimischen Welt fördern soll.
Die Schweiz habe historische Erfahrung mit der Überwindung von religiösen Differenzen, sagte Aussenministerin Micheline Calmy-Rey in Madrid.
Die Allianz hoffe, einen «Zusammenstoss der Zivilisationen in einer globalisierten Welt durch die Förderung von Sicherheit, Verständnis, Toleranz und gegenseitigem Respekt verhindern zu können», sagte der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero in seiner Eröffnungsrede am Dienstag.
Aussenministerin Micheline Calmy-Rey erklärte in ihrer Rede in Madrid vor 350 politischen Führern, Unternehmern und Intellektuellen, die Schweiz habe historische Erfahrung mit der Überwindung von religiösen Differenzen. Ihre religiösen Konflikte habe die Schweiz durch ein System gelöst, das verhindere, dass eine Seite die andere dominieren könne.
Die – durch die Migrationsströme gewachsene – kulturelle Vielfalt stelle das Land aber heute vor neue Herausforderungen, räumte sie ein. Der Ausländeranteil von über 20%, die vielen fremden Sprachen und der Anteil der Muslime von fast 5% an der Gesamtbevölkerung bewirkten eine neue Vielfalt, die von einem Teil der Bevölkerung als Bedrohung wahrgenommen werde.
Calmy-Rey stellte mehrere Schweizer Projekte vor, die das Ziel der Allianz unterstützen sollen, darunter die «Initiative von Montreux» von 2005. Sie soll die Transparenz bei den Geldflüssen von islamischen Wohlfahrtsorganisationen fördern, denen seit den Terroranschlägen in den USA Misstrauen entgegenschlägt.
Ban Ki Moon fordert Taten
Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief in Madrid zu einer besseren Verständigung der Zivilisationen auf. «Es ist leicht, vom Brückenschlagen und von Toleranz zu sprechen», sagte Ban. «Aber es ist viel schwieriger, diesen Worten konkrete Aktionen folgen zu lassen.»
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete eine Aufnahme seines Landes in die EU als einen Prüfstein für die UNO-Initiative. «Wenn die Türkei der EU beitreten kann, wäre der Beweis erbracht, dass die Allianz der Zivilisationen machbar ist», sagte der Regierungschef.
Minarett-Verbot
Aussenministerin Micheline Calmy-Rey ist am Dienstag mit dem Generalsekretär der Organisation islamischer Staaten (OIC) zusammengekommen. Mit Ekmeleddin Ihsanoglu sprach sie über die Initiative für ein Minarett-Verbot, das von Kreisen lanciert wurde, die der Schweizerischen Volkspartei (SVP) nahe stehen.
Ihsanoglu zeigte sich beunruhigt über den Vorstoss, wie Raphaël Saborit, Sprecher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), sagte.
Calmy-Rey habe ihrem Gesprächspartner das System der direkten Demokratie in der Schweiz erläutert und ihn eingeladen, die Dinge nicht zu dramatisieren. Man dürfe in die Urteilskraft des Schweizervolks vertrauen.
Die OIC hatte die Schweiz im November 2007 um Auskunft über die Initiative ersucht. In der Antwort von Anfang Januar verwies Bern auf die kritischen Stimmen, die auch im eigenen Land zu dem Begehren laut geworden waren.
swissinfo und Agenturen
Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero hatte im September 2004 als Reaktion auf die Bombenanschläge von Madrid, bei denen 191 Menschen ums Leben kamen, vor der UNO-Vollversammlung den Anstoss zur Bildung einer «Allianz der Zivilisationen» gegeben.
Die Türkei schloss sich dem Vorhaben an, das mittlerweile unter der Federführung der UNO steht und von rund 80 Staaten unterstützt wird.
Die Initiative, die dazu beitragen, Brücken zwischen der islamischen und der westlichen Welt zu schlagen, wurde im Juli 2005 vom ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan lanciert.
Das erste Forum der «Allianz der Zivilisationen» findet vom 15. bis am 16. Januar 2008 statt. Am zweitägigen Treffen nehmen Entscheidungsträger aus Politik, Medien und Privatwirtschaft sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft teil.
Die Schweiz, die die Initiative von Anfang an befürwortet hat, unterstützt die Allianz mit 300’000 Franken.
Die USA bekundeten Interesse, traten der Allianz aber nicht bei.
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