Anglophone Bedrohung
Nationalrats-Präsidentin Liliane Maury Pasquier hat an der Parlamentarischen Versammlung der Frankophonie vor der Ausbreitung des Englischen gewarnt.
Die Verteidigung der französischen Sprache gegen «die Bedrohung durch das Englische» und der Kampf gegen die Kluft zwischen Norden und Süden: Das müssten die Ziele der Frankophonie sein, sagte Nationalrats-Präsidentin Maury Pasquier am Montag in Bern.
Am Puls der Zeit bleiben
Das Plädoyer der obersten Schweizerin erfolgte zur Eröffnung der 28. Parlamentarischen Versammlung der Frankophonie (APF) im Berner Bundeshaus. Man müsse sich für die Verteidigung der Sprache Molières einsetzen, sagte Maury Pasquier – «nicht aus dem Willen zur Expansion, sondern zum Schutz unserer Kulturen und unserer Seelen.»
Aus diesem Grunde, und um lebendig zu bleiben, müsse die französische Sprache am Puls der Zeit bleiben und Schritt halten mit den technischen Innovationen wie auch den Veränderungen in der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, meinte die Sozialdemokratin aus Genf.
Schlichtung von Konflikten
APF-Generalsekretär Jacques Legendre unterstrich die Bedeutung der Parlamentarischen Versammlung bei der Schlichtung von Konflikten im französischsprachigen Raum. Als Beispiel nannte er Madagaskar, wo kürzlich ein monatelanger Machtkampf zwischen alter und neuer Regierung zu Ende ging.
Man konzentriere sich auf langfristig wirksame Lösungen, betonte Boutros Boutros-Ghali, Generalsekretär der Internationalen Organisation der Frankophonie (OIF). Der frühere UNO-Generalsekretär verwies unter anderem auf die Frauenförderung in verschiedenen Ländern.
Förderung der französischen Sprache
Die 200 Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus frankophonen Ländern treffen sich noch bis Dienstag in der Bundeshauptstadt zu ihrer Jahresversammlung.
Die Parlamentarische Versammlung der Frankophonie wurde 1967 ins Leben gerufen. Sie soll zur Erhaltung und Förderung der französischen Sprache beitragen, aber auch den kulturellen Austausch zwischen den französischsprachigen Ländern fördern.
Die letzte solche Versammlung in der Schweiz fand 1979 in Genf statt. Im Dezember beherbergt Lausanne ausserdem die Ministerkonferenz der Frankophonie.
Bedeutender Schweizer Beitrag
In der APF sind 61 Parlamente vertreten, darunter die Schweiz, sowie diverse kleinere Gruppierungen. Zu den Gruppierungen gehören seit einigen Jahren zum Beispiel die Kantone Waadt, Genf, Jura und Wallis.
Die Schweiz beteiligt sich heute mit rund 4,2 Mio. Franken am Budget der institutionellen Frankophonie. Berücksichtigt man auch die zweckgebundenen Mittel für Einzelprojekte und vor allem für den Sender TV5, dürfte die Beteiligung 13 Mio. Franken überschreiten. Damit gehört die Schweiz zu den wichtigsten Geldgebern.
swissinfo und Agenturen
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