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Expo: Die nächste kommt – oder auch nicht

Die Umrisse einer nächsten Expo sind noch nicht zu erkennen. Keystone

Die Expo ist gerade erst vorbei und schon gibt es Pläne für eine nächste Landesausstellung.

Doch ob es überhaupt eine nächste Expo geben wird, ist unklar.

«Ob es wieder eine Expo gibt, ist nicht meine Sorge. Ob die nächste Generation das Bedürfnis hat, den Bogen zwischen Kultur und Bratwurst zu schlagen, kann ich nicht voraussagen», sagt der Kabarettist Franz Hohler gegenüber swissinfo.

Auch der Visionär und Autor Erich von Däniken will sich nicht festlegen, ob es in ungefähr 25 Jahren wieder eine Landesausstellung geben wird. «Da muss man die Frage aufwerfen, ob es dann die Schweiz in ihrer gegenwärtigen Form noch gibt.»

Identitätsstiftender Anlass

«Ich weiss nicht, ob es wieder eine Expo geben wird, aber es gibt sicher wieder eine Art Landesausstellung», prognostiziert die CVP-Nationalrätin Lucrezia Meier-Schatz gegenüber swissinfo. «Es braucht dies für ein Land, das so viele Regionen kennt. So was stiftet Identität.»

Vermisst: das Schweizer Kreuz

Die eidgenössische Identität ging für rechtsbürgerliche Kreise an der Expo.02 verloren. Nationalräte der Schweizer Demokraten wetterten gegen «subventionierte geistige Onanie (…) geisteskranker Kulturschaffender» oder leiteten gerichtliche Schritte gegen das Verbrennen einer Schweizer Fahne im Theaterstück «Black Tell» ein.

Weit weniger dramatisch tönt es von der Expo-kritischen Schweizerischen Volkspartei (SVP). Sie monierte zwar die fehlenden Schweizer Fahnen, und SVP-Nationalrat Ulrich Mathys musste sich viel Mühe geben, «das Gute» zu sehen. Aber damit hält sich die inhaltliche Kritik in Grenzen.

Sollte es eine nächste Expo geben, werde diese sicher anders daherkommen, ist SVP-Sprecher Yves Bichsel sicher: «Bis dahin wird sich die überaus kritische Haltung gegenüber der Schweiz normalisiert haben.»

Un-national als Prädikat

«Diese Expo war sehr un-national, sie war sehr weltoffen», beobachtet auch Hohler. Dass Symbole wie das weisse Kreuz auf rotem Grund die nächste Landesausstellung dominieren könnten, hält er trotzdem für möglich. «Vielleicht gibt es in 25 Jahren wieder eine Expo, die viel nationaler ist, als wir uns vorstellen.»

Von Däniken meint, eine Expo solle überhaupt keinen politischen Charakter haben. «Dauernd versucht irgendeine politische Gruppierung, die Leute in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. Hört endlich auf mit dieser Politisiererei», fordert er.

Es genüge, die herrliche Schweizer Landschaft zu zeigen, die Produkte der Schweizer Industrie und Firmen. «Eben eine Schweizer-Show, wie es früher war.»

Die vergangene Expo glich streckenweise einem Freizeitpark. Aber sogar das hätte für ihn keine Konkurrenz bedeutet, betont von Däniken, der nächsten Frühling in Interlaken seine Dauerausstellung der Weltwunder, den Mistery Park, eröffnen will. «Der Mistery Park hat immer Saison. Ob Landesausstellung oder nicht. Die Menschen aus aller Welt werden die Rätsel der Welt anschauen kommen», ist er sich sicher.

Thurgau oder Tessin

Wo die nächste Landesausstellung stattfinden soll, ist bereits heute ein Thema. St. Galler FDP-Nationalrat Peter Weigelt verlangt, dass die Ostschweiz an der nächsten Expo beteiligt sein soll. Als der Bundesrat 1995 zugunsten der Dreiseen-Region entschied, war das eine herbe Enttäuschung für die Ostschweiz gewesen.

Auch aus dem Tessin melden sich gewichtige Stimmen, wie jene des Erziehungsdirektors Gabriele Gendotti oder des Filmfestival-Organisators Marco Solari, welche die nächste Expo südlich der Alpen beherbergen möchten.

Dem hätte Jürg Altwegg, Autor und Redaktor bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, bereits für die Expo.02 viel abgewinnen können. «Die Expo im Tessin anzusiedeln, wäre kühn gewesen», meint er.

Finanzdebakel vermeiden – mit 25 Millionen pro Jahr

Um die nächste Expo ohne Probleme bezahlen zu können, möchte FDP-Nationalrat Karl Tschuppert bis dahin jährlich 25 Mio. Franken Bundesgelder auf die Seite legen.

Davon will die Grüne Nationalrätin Franziska Teuscher nichts wissen. «Ich wende mich gegen die Idee, Fonds zu äufnen», erklärt sie gegenüber swissinfo. «Ich weiss nicht, ob in 25 Jahren eine Expo noch aktuell ist. Ich kann mir für die Schweiz zukunftsgerichtetere Projekte vorstellen.»

Einig ist mit der Grünen auch SVP-Sprecher Bichsel. Er befürchtet, dass eine solche Kasse noch vor der nächsten Expo für etwas anderes geplündert würde.

Die Zukunft wird heute gemacht

Ob eine nächste Landesausstellung zu Stande kommen wird, hängt bestimmt auch davon ab, wie viel die Expo.02 ausgelöst hat. Hier zeigt sich Jürg Altwegg im Gespräch skeptisch. «Ich habe bedauert, dass die Anstösse der Expo nicht weiter gingen, dass der Impuls der Vergangenheits-Bewältigung nicht weiter gereicht hat.»

«Da kann man sich fragen, ob die Schweiz wieder in den Schlaf der Gerechten zurück fällt. Ich hoffe es nicht», schliesst er.

Eine nächste Landesausstellung könnte darauf eine Antwort liefern.

swissinfo, Philippe Kropf

Im Gespräch:
Erich von Däniken, Visionär
Franz Hohler, Kabarettist
Jürg Altwegg, Autor
Lucrezia Meier-Schatz, CVP-Nationalrätin
Franziska Teuscher, Nationalrätin Grüne

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