Irak: Die Schweiz bereitet der UNO das Feld vor
Um die Rückkehr von UNO-Inspektoren in den Irak vorzubereiten, könnte die Schweiz Baufachleute nach Bagdad schicken.
Die UNO hat die Schweiz ersucht, acht Spezialisten zur Verfügung zu stellen, um ihr Hauptquartier zu reparieren.
Oswald Sigg, Informationschef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), bestätigt einen Bericht des Tagesanzeigers vom Mittwoch gegenüber swissinfo.
«Wir sind bereit, aber nicht reisefertig, weil wir noch nicht wissen wie die Bedürfnisse sein werden», sagt Martin Bühler, stellvertretender Informationschef im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), gegenüber swissinfo.
Eine Anfrage der UNO-Kontroll-Mission im Irak (UNMOVIC) ist bisher für Bauleute ergangen. Das bestätigt Manuel Sager, Informations-Chef des eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), gegenüber swissinfo. «Die UNMOVIC hat via unsere New Yorker Mission nach Logistikern, also Baufachleuten, gefragt. Eine Anfrage für Inspektoren ist bis jetzt keine eingetroffen.»
Es werde jetzt geprüft, ob die Personen für einen Bau-Einsatz in nützlicher Frist gefunden werden könnten, ergänzt Sager.
VBS sucht Leute
Diese Abklärungen erledigt das Verteidigungs-Departement (VBS). Es sucht jetzt nach einem Bauingenieur, Spenglern, Zimmerleuten und Elektro- und Klimatechnikern. Gesucht wird in den Reihen des Festungswachtkorps, das bereits Erfahrung bei solchen Einsätzen aus Algerien oder dem Kosovo mitbringt.
«Ein erstes Voraus-Detachement von 2 – 3 Personen könnte bereits am 19. Oktober nach Bagdad reisen um Abklärungen zu treffen», sagt Bühler. «Je nach Ergebnis der Erkundungsmission wird die Grösse des definitiven Detachements bestimmt.» Auf eine Zahl will sich Bühler nicht festlegen.
Er schätzt, dass es mehrere Monate dauern könnte, das UNMOVIC-Hauptquartier in der irakischen Hauptstadt wieder in Stand zu stellen.
Keine Hektik beim Labor Spiez
Das Labor Spiez würde im Falle einer Anfrage durch die UNO die Chemie-Inspektoren stellen. «Es ist nicht so, dass wir mit gepacktem Rucksack auf unseren Einsatz warten», sagt Pressesprecher Hansruedi Indermühle. «Dass die UNO von der Schweiz zuerst Bauleute wollte, ist logisch.»
Zuerst kämen bei einer Wiederaufnahme von Inspektionen die Spezialisten der UNO zum Einsatz. «Die UNMOVIC hat 60 bis 70 ständige Inspektoren zur Hand und rund 200 Inspektoren auf standby.» In einer späteren Phase der Untersuchungen könne es aber durchaus sein, dass Schweizer angefordert würden. Doch um Schweizer Spezialisten auf Abruf bereit zu machen, fehle dem Labor das Personal.
Es komme auch darauf an, wo die neue Mission ihre Schwerpunkte setze: Bei den Chemiewaffen, den biologischen Kampfstoffen oder beim irakischen Atomprogramm. Indermühle kann sich auch vorstellen, dass das Labor Spiez zum Zuge kommt, wenn es um die Analyse von Proben geht.
Schweiz signalisiert Hilfsbereitschaft
Der Bundesrat, die Schweizer Regierung, müsste einen Einsatz von Schweizer Personal zugunsten der UNO absegnen. Beide Departements-Sprecher verweisen jedoch darauf, dass die Schweiz grundsätzlich signalisiert hat, die UNO in allen Bereichen zu unterstützen.
Die Schweiz hat auch schon bei den Kontrollen im Irak mitgearbeitet. Schon einen Monat nach der Berufung der United Nations Special Commission (UNSCOM) nach dem Ende des zweiten Golfkrieges entsandte die Schweiz fünf Spezialisten. Bis zur Ausweisung der UNO-Inspektoren Ende 1998 arbeiteten 15 Schweizer auf 42 Missionen im Irak.
swissinfo
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