Nach dem Regen die Sonne
Im Vorfeld heftig kritisiert steht die Landesausstellung Expo.02 dem Publikum seit vier Wochen offen. Die trüben Tage scheinen verflogen.
Expo.02-Direktorin Nelly Wenger zog am Dienstag eine erste – positive – Bilanz. Und zwar sowohl was die Eintritts-Zahlen angeht, als auch was Reaktionen der Besucher und Besucherinnen betrifft.
In den letzten Wochen verbrachte Nelly Wenger viel Zeit an der Expo, hörte sich um und beobachtete. Die Ausstellung präsentiere eine Schweiz der verschiedensten Facetten, was offenbar auch beim Publikum ankomme, erklärte sie.
Gedankenanstoss zur Debatte
Im Gegensatz zu den letzten Jahren sorgte die Ausstellung im ersten Monat kaum für hitzige Debatten. Einziger Streitpunkt war die Frage, ob auf den Arteplages genug Landesfahnen wehen…
Zur Frage, welche Bedeutung die Expo.02 für die Schweiz hat, gab Nelly Wenger zehn Denkanstösse. Wenger selber sieht die Expo.02 im Widerspruch zur offiziellen Schweiz.
Nun möchte sie mit ihren zehn Hypothesen in der Öffentlichkeit und den Medien Diskussionen darüber auslösen, welche Schweiz an der Ausstellung präsentiert wird und wo sich das «Nationale» findet.
Weder Welt-Zentrum noch Insel
Wenger sprach mehrmals die Rolle der Schweiz in der Welt an. Ihren Worten zufolge sieht sich die Schweiz der Expo.02 weder als Zentrum der Welt noch als Festung oder Insel.
Dass ein Teil der «offiziellen» Schweiz sich in der Ausstellung nicht gebührend vertreten fühlt, «mehr Landesfahnen» und eine «noch positivere Schweiz» will, ist auch Nelly Wenger nicht entgangen.
Die meisten Besucherinnen und Besucher widersprächen aber dieser Wahrnehmung. Sie freuten sich, ihr Land einmal aus einem andern Blickwinkel zu entdecken, erklärte die Expo-Direktorin.
«Unswissness» überrascht im Ausland
Ausländische Beobachter scheinen der Expo.02 allgemein gut gesinnt und beeindruckt, dass an der Landesausstellung fast alle Schweizer Klischees fehlen. «Es hat keine Kühe, keine Schokolade und keine Uhren», warnt die «Financial Times». Stattdessen sei die Ausstellung «futuristisch und gewagt».
Auch Konrad Mrusek, dem Korrespondenten der «Frankfurter Allgemeinen», gefällt es. «Kein Patriotismus, keine Klischees. Die Expo.02 ist sehr modern und zeigt ein anderes Bild der Schweiz.»
Dennoch werde auch die Expo.02 das im Ausland allgemein verbreitete Image der Schweiz als isolationistisch und traditionsbezogen kaum aufweichen, meint Mrusek weiter. Solche Bilder könne man nicht über Nacht ändern, doch sei ein Anfang gemacht.
Überwundene Klischees
Alessandro Delprete von «Präsenz Schweiz» bestätigt dieses Bild. Für die Schweizer Image-Agentur kommt die Expo.02 wie gerufen. «Unsere Mediengäste reagieren alle sehr überrascht», so Delprete. Man schätze es, dass die Expo die Landes-Klischees überwinde. Gewisse nationale Gemeinplätze erwiesen sich hingegen als sehr praktisch, um die Wirklichkeit zu reduzieren.
Die vielen Kritiken im Vorfeld der Eröffnung würden kaum noch erwähnt, so Delprete weiter. «Die Expo ermöglicht es, eine Schweiz zu zeigen, die organisatorische Kompetenzen aufweist und gleichzeitig ein Land mit vielen Facetten ist.»
Kritiker verstummen langsam
Und die Expo-Skeptiker, jene, die lange Zeit die Ausstellung vehement kritisierten? Schon heute revidieren einige ihre Meinung. Unter ihnen der Zürcher Volkstribun Christoph Blocher – als einer der einst grössten Expo-Kritiker.
So hat man ihn kürzlich – auch in den Medien – sehen können, wie er sich auf der Landesausstellung vergnügte. Der Vertreter der Schweizerischen Volkspartei (SVP) soll sogar zugegeben haben, dass es «amüsant» sei.
swissinfo
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