Ohne Internet keine Reise in die USA mehr
Passagiere in die USA sind verpflichtet, seit 12.01.2009 für die visumsfreie Einreise ein elektronisches Formular ausfüllen. Dieses Dokument muss mindestens 72 Stunden vor Abflug beantragt werden und gilt als Reisegenehmigung. Es ist zwei Jahre gültig.
Das berühmte grüne Formular I-94W, das jeweils im Flugzeug über dem Atlantik ausgefüllt werden musste, hat ausgedient. Seit dem 12. Januar 09 schreiben die USA den Bürgern von 35 Ländern, die für die Einreise in die USA kein Visum brauchen, das Ausfüllen eines neuen Formulars vor. Darunter sind auch die Schweizer. In den letzten Jahren bereisten rund 270’000 die USA.
Im Rahmen des Programms für visumfreies Reisen haben die USA das elektronische Reisegenehmigungs-System ESTA eingeführt. Im Internet auf der ESTA-Website, und nur dort, muss der Antrag für eine Reisegenehmigung in vier Schritten ausgefüllt werden. Er ist unter gewissen Vorbehalten zwei Jahre gültig, ausser der Pass sei abgelaufen oder Daten hätten sich verändert.
Anhand des grünen Formulars entschieden bislang die Behörden bei der Einreise, wer ohne Visum amerikanischen Boden betreten durfte oder nicht. Das ist jetzt vorbei – mit dem neuen Formular fällt dieser Entscheid bereits vor der Abreise.
Wer eine Genehmigung hat, ist aber noch nicht im Land der tausend Möglichkeiten. Reisende müssen immer noch durch die Passkontrolle und den Zoll.
«Klassische» Fragen
Es gibt keine Überraschungen, was die gestellten Fragen betrifft. Uncle Sam will immer noch das gleiche wissen: Es sind dieselben wie auf dem alten grünen Formular und betreffen Identität, Flugnummer, Gesundheit, terroristische Aktivitäten, Drogen, Ziel des Aufenthalts.
Das amerikanische Ministerium für Innere Sicherheit verlangt, dass der Antrag mindestens 72 Stunden vor Antritt der Reise ausgefüllt wird. In den meisten Fällen kommt die Antwort bereits in wenigen Sekunden, so der amerikanische Botschafter in Bern. Doch es kann auch länger dauern («Antrag hängig»).
Wie beim grünen Formular kann die Antwort auch negativ ausfallen, was aber weniger als 5% der Anträge betrifft. In dieser Hinsicht ist das neue Formular vorteilhafter, da die Reisenden nicht vergeblich fliegen, meint der amerikanische Botschafter, der übrigens sehr zuversichtlich ist, was den Erfolg dieser neuen Regelung betrifft.
Wird ein Antrag nicht genehmigt, hat der Reisende noch die Möglichkeit, sich ein kostenpflichtiges Visum zu beschaffen. Der ESTA-Antrag ist bislang noch gratis.
Eine vorgängige Kontrolle
Die Frist von 72 Stunden kann auch problematisch sein. Besonders, wenn es sich um eine unvorhergesehene, kurzfristige Reise handelt. Der amerikanische Botschafter meint, dass die grosse Mehrheit der Anträge innerhalb kürzester Zeit genehmigt werden, schlägt aber vor, das Formular für alle Fälle einfach mal auszufüllen.
Die «Last Minute-Angebote» betreffen die Vereinigten Staaten nur am Rand und kommen normalerweise auch drei Wochen vor Abreise zu Stande, erklärt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Sprecherin des Reiseunternehmens M-Travel Switzerland.
Offiziell dient das Reisegenehmigungs-System ESTA der Erhöhung der Sicherheit.
Die vorgängige Kontrolle ist ein grosser Vorteil. In der elektronischen Abwicklung sieht der amerikanische Botschafter auch eine Vereinfachung.
Der Datenschutz
Internet = Sicherheit? Diese Frage stellt sich mit Fug und Recht, auch wenn das Ministerium für Innere Sicherheit bekräftigt, dass ihre ESTA-Webseite gut geschützt sei. Datenklau und –missbrauch zu dubiosen Zwecken sind leider eine gängige Praxis und haben nichts Virtuelles. Wie lange werden die Daten vom Staat aufbewahrt, und was wird aus ihnen? Diese Fragen sind legitim.
Der Datenschutzbeauftragte der Schweiz ist ganz allgemein skeptisch gegenüber Formularen, die im Internet ausgefüllt werden müssen. Im Fall des ESTA-Formulars wurde er nicht konsultiert, sondern lediglich durch die Vereinigen Staaten informiert, so seine Sprecherin Eliane Schmid.
Das US-Ministerium für Innere Sicherheit lässt verlauten, dass die gespeicherten Daten für die Dauer der Genehmigung plus ein Jahr aufbewahrt werden. Anschliessend landen sie für weitere zwölf Jahre in einem Archiv, wo sie der nationalen Sicherheit oder der Justiz zur Verfügung stehen.
Einfacher und schneller
Die Reisebranche hat ihre Kunden über die Einführung des neuen Formulars aufgeklärt. «Bei genauerer Betrachtung ist dieses System mittel- oder längerfristig eine Vereinfachung», schätzt Prisca Huguenin-dit-Lenoir.
«Für die USA-Reisenden gehen die Einreiseformalitäten schneller vonstatten, weil der Zoll das Formular bereits besitzt», präzisiert sie.
Für die Internet-Verweigerer besteht immer noch die Möglichkeit, das elektronische Formular direkt beim Reiseveranstalter ausfüllen zu lassen, in der Regel gratis für jene, die eine Reise gebucht haben. Guten Flug!
swissinfo, Pierre-François Besson
(Übertragung aus dem Französischen: Christine Fuhrer)
Schweizer Bürger, die für weniger als 90 Tage in die Vereinigten Staaten reisen, brauchen normalerweise kein Visum.
Sie müssen jedoch das elektronische ESTA-Formular ausfüllen, einschliesslich die Kinder.
Für das visumsfreie Einreisen benötigt man den biometrischen Schweizer Pass 06 oder einen Schweizer Pass 03, der vor dem 26. Oktober 2006 ausgestellt wurde.
Die Pässe 85 und 06, die nach dem 26 Oktober 2006 ausgestellt wurden, berechtigen hingegen nicht zur visumsfreien Einreise in die Vereinigten Staaten.
Wer ein Visum erhält, braucht keine elektronische Reisegenehmigung ESTA auszufüllen, muss sich aber zu einem Gespräch bei der Kanzlei des amerikanischen Konsulats einfinden und noch einige Dollar bezahlen.
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