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Presseschau vom 09.04.2003

Die UNO sollten nach dem Krieg in Irak eine "vitale Rolle spielen", sagte US-Präsident Bush nach dem angloamerikanischen Gipfeltreffen in Belfast.

Wie genau ist dies zu interpretieren, fragen sich die Schweizer Zeitungen.

«Die rhetorischen Floskeln zum Abschluss des amerikanisch-britischen ‚Kriegs- und Friedensrats‘ im nordirischen Schloss Hillsborough liessen viel Raum zur Interpretation», stellt die BASLER ZEITUNG fest. Bushs Botschaft lasse mehr Fragen offen, als sie beantworte.

«Das ist eine nette Geste, mehr nicht»,ist die AARGAUER ZEITUNG überzeugt.

«Aufsicht oder Feigenblatt?», fragt DER BUND. Dieses englische «vital» könne im Wortsinn genommen werden:

«Was Irak zum Leben braucht, soll in erster Linie von der UNO kommen, sei es mit seinem eigenen Erdöl finanziert oder aus UNO-Mitteln. Das Land via irakische Interimsverwaltung zur demokratischen Selbstregierung zu bringen, nehmen sich Briten und – zweifellos führend – Amerikaner selber vor.»

Und die NEUE LUZERNER ZEITUNG doppelt nach:

«Washington will die Verwaltung des Landes allein übernehmen und eine ihm genehme irakische Regierung einsetzen, es will den Aufbau nur US-Unternehmen zuschanzen, ebenso die Ausbeutung der reichen Ölvorräte. Zum eigenen Vorteil und als Strafe für die europäischen Kritiker.»

Umstrittene Militär-Verwaltung

Dass das US-Militär nach dem Krieg für den Aufbau Iraks sorgen soll, ist für den TAGES-ANZEIGER ein grosser Fehler: «Der sicherste Weg jedoch, aus dem militärischen Sieg im Irak eine politische Niederlage im Nahen Osten zu machen, ist der, den Militärs den Aufbau zu überlassen.»

So sind sich alle Kommentatoren einig, dass die USA möglichst rasch einer zivilen Übergangsregierung unter dem Patronat der UNO Platz machen sollten. Der TAGI:

«Sie hat die grössere Glaubwürdigkeit und Erfahrung, wenn es um die Vorbereitung und Überwachung demokratischer Wahlen geht. Diesen Vorrang anzuerkennen und entsprechend zu handeln, würde aus dem militärischen Triumph erst einen politischen Sieg machen».

Für die NEUE LUZERNER ZEITUNG könnte die Stunde der UNO noch kommen und mit ihr die des «alten» Europas. Nur: «Bis dahin allerdings geht das Leiden der Iraker leider weiter.»

Und auf amerikanischer Seite sterben würden vor allem die Soldatinnen und Soldaten, die aus armen Verhältnissen kämen oder zu einer Minderheit gehörten, schreibt 24HEURES und titelt: «Les sacrifiés de Bush».

Sie seien Bush zum Opfer gefallen, «ces ‚deuxième classe‘ morts pour une poignée de dollars», diese ‚Zweitklass-Soldaten‘, die für eine Handvoll Dollar sterben würden, betont die welsche Zeitung.

swissinfo, Alina Kunz Popper

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