Protestaktion vorzeitig abgebrochen
Die italienischen Camionneure haben ihre Blockade am Grenzübergang Chiasso-Brogeda am Mittwoch nach zwölf Stunden wieder aufgehoben.
In Como warten über 1500 Lastwagen auf die Weiterfahrt Richtung Norden. Eigentlich wollten die erbosten Chauffeure die Grenze bis um 22 Uhr blockieren.
«Dramatische Lage»
«Die Lage in den Wartestellen am Gotthard und San Bernardino hat sich dramatisch verschlechtert», begründete Giorgio Colato, Regionalpräsident der italienischen Routiervereinigung FAI, den vorzeitigen Abbruch der Protestaktion. Die unzufriedenen Chauffeure fordern «freie Fahrt durch die Alpen».
«Es ist kalt, es regnet und trotzdem kommt es den Behörden erst jetzt in den Sinn, in den Warteräumen sanitäre Einrichtungen aufzustellen. Dieses Vorgehen kommentiert sich doch von selbst», sagte Colato. «Wir haben dem Schmerzruf unserer Kollegen nachgegeben.»
Schweizer Zoll schliesst um 22 Uhr
Laut Colato sind die italienischen Routiers bereit, die Aktion jederzeit zu wiederholen, und zwar ohne Vorwarnung. Dass er damit zahlreiche Chauffeure bestraft, die stundenlang auf einer Autobahn im Stau warten müssen, nimmt er in Kauf: «Schuld sind die Schweizer Verkehrstechniker, die mit ihrer Politik eine freie Durchquerung der Alpen verhindern.»
Vorerst werden die Lastwagenlenker allerdings an der Grenze gestoppt. Der Schweizer Zoll schliesst wegen des Nachtfahr-Verbots wie jeden Tag um 22 Uhr. Zollinspektor Eros Cavadini hat keine Ahnung, wieviele Camions bis dann abgefertigt werden können. «Ich weiss nur, dass der Zoll am Morgen um 5 Uhr wieder öffnet», sagte er.
Hunderte von Camionneuren werden die Nacht auf den Donnerstag deshalb wohl irgendwo auf einem Ausstellplatz verbringen müssen.
Unverständnis und Solidarität
Das Verkehrsdepartement UVEK verteidigte derweil seine Politik. Unter anderem sei das Nachtfahr-Verbot im Gesetz verankert und es gebe keinen Grund, dieses aufzuheben, sagte UVEK-Sprecherin Claudine Godat Saladin.
Solidarität zeigten hingegen Greenpeace-Aktivisten, die am Grenzübergang Chiasso-Brogeda bessere Arbeitsbedingungen für die Chauffeure forderten. Die Alpen-Initiative hingegen verurteilte die Blockaden und begrüsste die harte Haltung von Verkehrsminister Moritz Leuenberger. Einig sind sich Greenpeace und die Alpen-Initiative, dass der Güterverkehr auf die Schiene gehört.
Der internationale Transporteurverband IRU zeigte Verständnis für die Ungeduld der Lastwagenfahrer. Der IRU unterstütze die Blockade jedoch nicht, da er für den freien Verkehr eintrete, heisst es in einem Communiqué.
Blockaden an weiteren Grenzen
Italienische Lastwagen-Fahrer blockierten am Mittwoch auch stundenlang die wichtigsten Grenzübergänge zu Frankreich und Österreich mit ihren Fahrzeugen. Betroffen waren die Übergänge am Fréjus nach Frankreich und am Brenner nach Österreich.
Sie protestierten damit gegen die Transitpolitik Italiens und seiner Nachbarländer. Sie verlangen insbesondere die Abschaffung des im EU-Land Österreich geltenden Ökopunkte-Systems, das den Lastwagen-Transitverkehr limitiert.
Am Fréjus bildeten sich auf beiden Seiten der Grenze Blechkolonnen von gut vier Kilometern Länge. Auch am Brenner wurde die Lastwagen-Abfertigung behindert. Der Protest an den Übergängen ging am Nachmittag zu Ende. Die verursachten Staus lösten sich wieder auf.
«Freie Fahrt durch die Alpen»
Die Routiervereinigung FAI verlangt für alle Lastwagen freie Fahrt durch die Alpen. Gefordert wird unter anderem die Aufhebung des Dosiersystems am Gotthard und des Nachtfahr-Verbots in der Schweiz.
Als inakzeptabel und nicht nachvollziehbar wird zudem die Regelung beurteilt, wonach der Einbahnverkehr im Gotthard-Strassentunnel für Reisebusse nicht gelten soll, obwohl diese Fahrzeuge ebenfalls eine latente Gefahr darstellten.
swissinfo und Agenturen
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