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Schweizer Presse reagiert beunruhigt

Wiederwahl von George Bush: Beunruhigend für die Schweizer Presse. swissinfo.ch

Die Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush beunruhigt die Schweizer Presse. Moralische Werte hätten den Ausschlag gegeben.

Dieser Inhalt wurde am 05. November 2004 - 09:42 publiziert

Von der zweiten Amtszeit des Republikaners Bush werden auch negative Auswirkungen auf Europa erwartet.

"Der in Europa und anderswo wenig populäre Präsident Bush hat die Wahlen diesmal eindeutig und ohne Anfechtung gewonnen und den breiten Ansturm der Demokraten abgewehrt", schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Andererseits sei der republikanische Erfolg "hart erkämpft und keineswegs selbstverständlich".

Der Präsident sei kein herausragender Wahlkämpfer – doch sein Herausforderer habe die Wähler ebenfalls nicht allgemein begeistern können.

Geheimer Vorteil für Hillary Clinton?

"Hillary for President" schreibt die NZZ. Die ehemalige Präsidentengattin und Senatorin von New York habe nach Ansicht mancher Kommentatoren gute Chancen, in vier Jahren als demokratische Präsidentschaftskandidatin nominiert zu werden.

Das Boulevardblatt BLICK titelt: "Schafft erst Hillary die Wende?" und fragt sich, welches Land Bush als nächstes angreift, oder ob er das Weltall erobern wolle.

"Es droht die Einparteien-Herrschaft", schreibt der TAGES-ANZEIGER. Tragende Institutionen wie die Präsidentschaft, der Kongress, die Gerichtsbarkeit, Streitkräfte und weite Teile der Wirtschaft befänden sich in republikanischen Händen – selbst die Medien.

Entscheidend für den republikanischen Sieg sei gewesen, dass "eine Wählermehrheit nicht ihren ökonomischen Interessen, sondern ihren Wertvorstellungen folgte", so der TAGI: Apokalypse statt Darwin, alttestamentarischer Zorn statt Homo-Ehen.

Weder Umweltschützer noch Frauenrechtlerin

Der Protestwähler in Bushs Amerika sei weder Umweltschützer noch Frauenrechtlerin, schreibt der TAGI, sondern evangelikaler Christ aus Suburbia oder den Kleinstädten.

Die Werte stellt auch DER BUND in den Vordergrund: "Nicht die terroristische Bedrohung, nicht Irak waren die wichtigsten Wahlmotive, sondern die moralischen Werte, für welche die Kandidaten standen." Deshalb könnten die Republikaner nun mit Recht sagen, sie repräsentierten die "moralische Mehrheit" des Landes.

Schwere Zeiten für das progressive, städtische Amerika

Die USA seien, was in Europa oft vergessen werde, ein zutiefst konservatives und religiöses Land, das sich von Bush besser vertreten sehe als vom liberalen, intellektuellen Kerry. Pessimisten sprechen, so DER BUND, von einem aufziehenden "kulturellen Bürgerkrieg".

Das Schlüsselwort heisse "glaubt", schreibt auch die BERNER ZEITUNG. Die Amerikaner hätten Bush wiedergewählt, weil er im Gegensatz zu vielen "glaubt, was er sagt – und tut, was er glaubt". Den bigotten Amerikanern imponiere das: "Ein Grund zur Sorge", so die BZ.

Gespaltene Nation

Bush müsse sich einer schier unmöglichen Aufgabe stellen, schreibt die SÜDOSTSCHWEIZ. "Er muss versuchen, eine gespaltene Nation zu einen." Er hätte die Möglichkeit, über Parteigrenzen zu wirken, denn in der zweiten Amtszeit müsse er nicht mehr so viel Rücksicht auf Wahlkampf-Unterstützer nehmen. Doch dazu, so die SÜDOSTSCHWEIZ, könnte ihm das Format fehlen.

Die Westschweizer Tageszeitung LE TEMPS sieht in der Wahl nichts anderes als ein Referendum für oder gegen Bush. Und für die ganze Welt sei es ein Spektakel gewesen. LE TEMPS fragt sich, ob deshalb gleich die Demokratie in Gefahr sei, wie es amerikanische Intellektuelle jetzt befürchten.

Bush oder Kerry – Pepsi oder Coca?

Drastisch führt in der TRIBUNE DE GENEVE Hasni Abidi die Präsidentenwahl auf einen Punkt. Der Direktor des Centre d'études et de recherche sur le monde arabe et méditerranéen (Cermam) vergleicht die Wahl in den USA mit der Wahl zwischen Pepsi und Coca Cola.

Die arabische Welt fürchte nun wegen der moralischen Werte vermehrt eine ideologische statt pragmatische Aussenpolitik Bushs.

Es sei nur normal, dass die Amerikaner Bush wiedergewählt haben, schreibt die Westschweizer "24 Heures", denn man folge in Kriegszeiten dem Kommandanten. Die moralischen Vorstellungen des amerikanischen Imperiums seien bis in die hinterste Pfarrei getragen worden.

Dabei lebe die Nation wirtschaftlich über ihre Verhältnisse, und gesellschaftlich verschlechtere sich die Situation.

Beim nächsten Attentat werde Bush nichts weiteres einfallen als mit noch mehr Gewalt zu reagieren.

swissinfo, Alexander Künzle

Fakten

Der bis zuletzt offene Wahlkampf in den USA hat so viele Wähler mobilisiert wie seit fast 40 Jahren nicht mehr.
Laut dem Forschungsinstitut CSAE gingen rund 120 Mio. US-Bürger wählen.
Dies entspricht knapp 60% der Wahlberechtigten.
Vor vier Jahren (George Bush gegen Al Gore) waren es 54%.

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