Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Unsere Landesregierung, der Bundesrat, hebt ab. Und das im wörtlichen Sinn: Im letzten Jahr haben die zwei Landesmütter und fünf Landesväter eifrig Flugmeilen gesammelt. Genau 301 Mal hoben die Mitglieder des Bundesrats 2025 ab. Dabei fällt eine Person besonders auf. Wer wohl die meisten Meilen gesammelt hat?
Herzliche Grüsse aus Bern
Wären sie in einem Vielflieger-Programm, gehörten unsere Bundesrätinnen und Bundesräte wohl zum obersten Segment. 2025 kamen die zwei Frauen und fünf Männer unserer Landesregierung auf insgesamt 301 Flüge.
«Als Bundesrat lernt man fliegen», kommentiert der Blick. Die Tageszeitung hat die neuste Liste der Bundesratsflüge ausgewertet, die meistens im Bundesratsjet oder im Helikopter zurückgelegt wurden. Mit zwischen 25 und 29 Flügen am wenigsten zu Buche schlagen die Reisen von Justizminister Beat Jans, Umweltminister Albert Rösti und Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider.
Einer gewissen Logik entspricht, dass zwei Magistratspersonen im letzten Jahr relativ oft geflogen sind: Die Finanzministerin und letztjährige Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Wirtschaftsminister Guy Parmelin mussten öfters in die USA reisen, um mit der flatterhaften US-Regierung über die einseitig ausgerufenen Zollsätze auf Exportprodukte zu verhandeln.
Eine Person sticht aus dieser exklusiven Meilensammler-Gruppe hervor: Brasilien, Peru, Jordanien, Irak, Japan, China und Malaisia waren unter anderem auf dem Plan von Aussenminister Ignazio Cassis, der insgesamt 85 Flüge verbuchte. Auffallend dabei ist aber, dass der Tessiner den Bundesratsjet auch für relativ viele Inlandflüge benutzte, was den Blick zur Bezeichnung «Taxi Ticino» veranlasste.
Wie sicher ist unser Land in diesen unsicheren Zeiten? Das Chancenbarometer 2026 zeigt ein Paradox: Die Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich sicher, obwohl sie ihrer eigenen Armee kaum noch zutrauen, das Land im Ernstfall konventionell zu verteidigen.
73% zweifeln an der Abwehrkraft der Armee, aber 90% der Befragten fühlen sich in der Schweiz sicher. Das zeigte am Montag das so genannte Chancenbarometer des Meinungsforschungsinstituts Sotomo. Diese Resilienz sei primär auf das Vertrauen in den Rechtsstaat und die politische Stabilität zurückzuführen, und nicht etwa auf die Bewaffnung der Schweizer Armee.
Mehr als die Hälfte der Befragten fordert eine engere Kooperation mit der EU und der Nato. Die Sicherheit wird laut der Umfrage zunehmend als Gemeinschaftsprojekt mit europäischen Partnerländern verstanden, welche die gleichen Werte teilen.
Auch das Dogma der Neutralität wandelt sich gemäss dieser Umfrage, weshalb sie den Untertitel «Goodbye Reduit!» trägt: Nur 22% sehen darin noch einen Hauptpfeiler ihrer Sicherheit. Stattdessen befürworten 56% eine flexible Auslegung, um Kooperationen zu ermöglichen und die eigene Rüstungsindustrie zu stärken. Die Bevölkerung scheint damit einen neuen, pragmatischen Realismus statt starrer Prinzipien zu bevorzugen.
Stellen Sie sich vor, ein Schweizer ist Papst, und er heisst Odermatt. Das gibt es tatsächlich, bei der katholischen Sekte der Palmarianer, die in dieser Woche für einige Schlagzeilen gesorgt hat. Und Nein, deren Papst ist nicht unser Skistar Marco Odermatt…
Es begann mit einer Kontroverse um den Schwimmunterricht. Eltern, die der palmarianischen Sekte angehören, hatten beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht, um ihren Bub vom Schwimmunterricht zu dispensieren. Dieses wies die Beschwerde ab, worauf das Thema seinen Weg in die Medien fand.
Vermutlich haben Sie – wie ich auch – vorher noch nie von den Palmarianern gehört. Laut den Berichten handelt es sich dabei um eine ultrakonservative Splittergruppe der katholischen Kirche aus Spanien. Fachleute bezeichnen die kleine Gemeinschaft als «sektenähnlich und politisch extrem rechts», wie 20 Minuten schreibt. So ziehe die Kirche zum Beispiel zehn Prozent des Einkommens ihrer Mitglieder ein.
Und noch einmal gestaunt haben viele, als die Zeitungen schrieben, ein Schweizer sei der Papst dieser Gruppierung, die in der Schweiz nur ein paar Dutzend und weltweit gegen 1500 Mitglieder hat. Er heisst Markus Joseph Odermatt alias Petrus III. Sein Bruder Armin Odermatt hat diese Kirche vor 30 Jahren verlassen und ist heute Regierungsrat der Schweizerischen Volkspartei (SVP) im Kanton Nidwalden. Er warnte diese Woche in der Presse vor den Folgen dieser Sekte für die Kinder der Sektenmitglieder.
Für eine Sensation sorgten am frühen Montagmorgen Schweizer Zeit vier junge Frauen in Calgary, Kanada. Sie düpierten die erfahrenen Kanadierinnen und schnappten sich WM-Gold im Curling.
Für das junge Team war es die erste WM-Teilnahme und das erste internationale Endspiel auf Elite-Stufe überhaupt. Die Curlerinnen um Skip Xenia Schwaller, alle zwischen 22 und 23 Jahre jung, spielten abgebrüht und liessen den Kanadierinnen (Alter: zwischen 27 und 38 Jahre) kaum Chancen.
Im zehnten und entscheidenden End nahmen die amtierenden Schweizermeisterinnen ihren Konkurrentinnen schliesslich alle Hoffnung, wie SRF News schreibt: «Mit einem Monster-Takeout mit dem zweitletzten Stein sorgte Schwaller für die Vorentscheidung, kurz darauf war der WM-Titel Tatsache.»
Im Vorfeld der Teilnahme an der WM war kritisiert worden, dass nicht das Olympiasilber-Team von Milano Cortina um Skip Silvana Tirinzoni aufgeboten wurde. Doch im Curling nimmt grundsätzlich jenes Team an der WM teil, das die Schweizer Meisterschaft gewonnen hat. Das Resultat zeigt nun, dass diese Regel durchaus sinnvoll ist.
Die kommende Woche
Ab Sonntag, 29. März, gilt in der Schweiz die Sommerzeit. Denken Sie also daran, wenn Sie Ihre Verwandten in der Schweiz anrufen wollen, dass die Uhrzeiger hierzulande eine Stunde früher anzeigen werden als momentan noch: Vielleicht sind sie dann bereits im Tiefschlaf, wenn Sie Feierabend und Zeit zum Telefonieren haben.
Am Dienstag publiziert das Bundesamt für Statistik (BFS) die jüngsten Zahlen zur Schweizer Gemeinschaft im Ausland. Natürlich werden wir hier umfassend über die Auslandschweizer-Statistik des Jahres 2025 berichten.
Ebenfalls am Dienstag gibt das Montreux Jazz Festival das Programm seiner 60. Ausgabe preis.
Interessant dürfte am Dienstag eine Medienkonferenz in Liestal werden, wo die koloniale Vergangenheit von Baselbieter Persönlichkeiten beleuchtet werden soll.
Am Donnerstag schliesslich liefert das BFS die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung und den Bevölkerungsbewegungen in der Schweiz im Jahr 2025.
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