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Feuerdrama in Crans-Montana: Das ist bekannt

Eine Frau legt Blumen nieder
Bestürzung und Anteilnahme sind im In- und Ausland gross. Keystone / Jean-Christophe Bott

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana sind noch viele Fragen offen – eine Zwischenbilanz.

Wahrscheinliche Brandursache: Laut der Staatsanwaltschaft Wallis deutet alles darauf hin, dass das Feuer von funkensprühenden Bengalkerzen ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke kamen. Dort habe sich das Feuer rasch zu einem Brand entwickelt, sagte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Freitag in Sitten. Vor Ort habe man Spuren gesichert. Zudem hätten die Ermittler Videoaufnahmen erhalten und analysiert und mehrere Personen befragt.

Augenblicke vor der Katastrophe fängt die Decke Feuer. Das Faktencheck-Team von SRF hat dieses Foto als glaubwürdig eingestuft.
Augenblicke vor der Katastrophe fängt die Decke Feuer. Das Faktencheck-Team von SRF hat dieses Foto als glaubwürdig eingestuft. Screenshot/X

Strafuntersuchung: Die Staatsanwaltschaft hat am Samstag eine Strafuntersuchung gegen die beiden Barbetreiber eröffnet, dies auf der Basis der ersten Ermittlungsergebnisse. «Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen», heisst es in einer Mitteilung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Bei einem Brand in der Bar «Le Constellation» in der Walliser Tourismusdestination Crans-Montana sind in der Silvesternacht rund 40 Menschen ums Leben gekommen. Über hundert Personen wurden grösstenteils schwer verletzt. Gegen 01:30 Uhr habe eine Person den Brand gemeldet. Laut Polizei sind zwei Minuten später erste Einsatzkräfte vor Ort gewesen.

Die Walliser Behörden sprechen von einem plötzlichen Brand, einem sogenannten Flashover. Dieses sich plötzlich ausbreitende Feuer habe eine oder mehrere Explosionen ausgelöst. Unter einem Flashover wird der schlagartige Übergang von einem lokal begrenzten Feuer zu einem Vollbrand verstanden.

Fortschritt der Ermittlungen: Die Ermittler legen ihren Fokus nun unter anderem auf den Lärmschutzschaumstoff, der an der Decke angebracht war. Generell untersuchen sie laut Staatsanwaltschaft insbesondere die Umbauten in der Bar, die verwendeten Materialien, die Betriebsgenehmigungen und die Sicherheitsvorkehrungen. Zu Letzteren gehören Löschmittel, Brandschutzvorschriften und Evakuierungswege.

Bundesrat Beat Jans vor Ort: Am Samstagnachmittag war auch Bundesrat Beat Jans an den Unglücksort gereist, um den Familien der Opfer sein Beileid auszusprechen. Er trug sich in ein Kondolenzbuch ein. «Die Schweiz ist tieftraurig», sagte er vor den Medien. Der Schock über die unermessliche Tragödie sitze tief. Als Vater zweier Töchter könne er das unermessliche Leid der Familien und Angehörigen nur erahnen. Den Familien wünsche er viel Kraft und er versichere ihnen, dass sie nicht alleine seien.

Die Fahnen auf dem Bundeshaus wurden am Neujahrstag für fünf Tage auf Halbmast gesetzt. Verschiedene Kantone und Städte folgten dem Beispiel.

Zudem hat der Bund auf seiner WebsiteExterner Link ein Kondolenzbuch eröffnet. Trauernde können dort eine Nachricht hinterlassen.

Am 4.1. fand ein Gedenkgottesdienst in der Chapelle Saint-Christophe de Cransfür die Brandopfer statt. Am 9. Januar ist in Crans-Montana eine Feier zu Ehren der Verstorbenen und Verletzten vorgesehen. Zeitgleich plant der Bund einen nationalen Trauertag.

Identifizierung der Opfer: Nach aktuellem Kenntnisstand sind 40 Menschen ums Leben gekommen. Bisher wurden 24 von ihnen identifiziert. Es handelt sich um acht Schweizerinnen und zehn Schweizer, zwei Italiener sowie je einen italienisch-emiratischen, rumänischen, französischen und türkischen Staatsangehörigen. Die Opfer waren zwischen 14 und 39 Jahre alt, viele von ihnen waren minderjährig.

Eine Augenzeugin berichtet, wie sie dem Feuer entkam:

Informationen zu Verletzten: Von den 119 Verletzten waren am Freitagnachmittag 113 identifiziert, wie der Walliser Polizeikommandant Frédéric Gisler bekanntgab. 71 von ihnen stammen aus der Schweiz, 14 aus Frankreich, 11 aus Italien, 4 aus Serbien. Aus Bosnien, Polen, Belgien, Luxemburg und Portugal stammt je eine verletzte Person. In den übrigen Fällen ist die Nationalität noch nicht bekannt. Rund 60 Patienten befinden sich in Walliser Spitälern, 60 weitere in anderen Schweizer Spitälern, darunter in den beiden Spezialkliniken für Brandverletzungen in Zürich und Lausanne.

Hilfe aus dem Ausland: Wegen der vielen Opfer mit schwersten Verbrennungen hat die Schweiz die Aktivierung des EU-Katastrophenmechanismus beantragt. Über dieses Verfahren koordiniert die EU Hilfe bei grösseren Katastrophen in Mitgliedsstaaten und gewissen Nicht-EU-Ländern. 50 Patienten und Patientinnen aus dem Ausland und der Schweiz werden in ausländische Spitäler gebracht. In einer ersten Phase habe für alle 119 Verletzten eine Erstversorgung in Schweizer Spitälern sichergestellt werden können, schreibt der Bund. Die Kapazitäten in der Schweiz reichten aber nicht aus, um die Brandopfer langfristig behandeln zu können.

Für Angehörige ist eine psychologische Betreuungsstelle eingerichtet und eine Hotline aufgeschaltet worden: 0848 112 117. Die Behörden rufen die Bevölkerung zu Zurückhaltung und Respekt gegenüber den Familien der Opfer auf.

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