Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Ist es der Durchbruch? Oder nur ein laues Lüftchen? Ein Vorschlag will bei der Europafrage die Quadratur des Kreises schaffen.
Herzliche Grüsse aus Bern
Bewegung in der Europapolitik: Erste Ideen zum Verhältnis mit der EU werden formuliert.
Bern soll sich nun sputen und sagen, wie das Verhältnis zu Brüssel künftig aussehen soll. Nein, es ist nicht die EU, die das sagt. Sondern Michael Ambühl, ehemaliger Staatssekretär und Mitgestalter des bilateralen Wegs – und lautstarker Gegner des zurückgewiesenen Rahmenabkommens.
Klingt absurd? Nun, es macht Sinn: Ambühl, der heute Verhandlungsführung an der ETH unterrichtet, weiss natürlich, dass es für die Schweiz wichtig ist, jetzt proaktiv zu agieren. Denn im Herbst wird die Ankündigung der EU-Kommission erwartet, wie sie weiter mit der Schweiz zu verhandeln gedenkt. Und dann könnte Bern plötzlich ganz hart auf dem Boden der Realität landen.
Ambühl empfiehlt also ein dreistufiges Verfahren: Die Kohäsionsmilliarde deblockieren und gewisse Zugeständnisse machen, einen klaren Fahrplan für die Gestaltung des Verhältnisses und ein umfassendes Verhandlungspaket (à la Bilaterale III) vorlegen. Das klingt nach einem Plan. Weshalb die EU nun doch den bilateralen Weg mit der Schweiz weitergehen soll – den sie ausgeschlossen hat – wird mir aber nicht ersichtlich. Mal schauen, was Bern dazu sagen wird. Vermutlich wird letztendlich Brüssel die Agenda bestimmen.
- Lesen Sie hierExterner Link den Beitrag im Blick.
- Auch die NZZ berichtet darüberExterner Link. (Paywall)
- Unseren Fokus zum Verhältnis Schweiz-EU finden Sie hier.
Die Schweizer Städte schrumpfen. Corona spielt da natürlich eine Rolle, aber vermutlich nicht die einzige.
Das gab es schon lange nicht mehr: Die Schweizer Städte wachsen nicht mehr, sie sind zum Teil sogar geschrumpft. «Alle sechs Schweizer Städte mit über 100’000 Einwohnern – ihrer Grösse nach sind das Zürich, Genf, Basel, Lausanne, Bern und Winterthur – sind betroffen, aber nicht alle gleich stark», schreibt Watson.
Dass Corona hier reinspielt, scheint offensichtlich. In den Medien gab es immer wieder Berichte von Leuten, die aufs Land gezogen sind – weil es günstiger ist, weil sie als Familie aufgrund des Homeoffice mehr Wohnraum brauchen, weil das Land während einer Pandemie sicherer scheint.
Weit gehen die meisten aber nicht. Sie bleiben in den Agglomerationsgemeinden, wo sie weiterhin in relativer Nähe der Stadt und ihrer Annehmlichkeiten leben können. Die Idee ist attraktiv, ich habe es mir ehrlich gesagt auch überlegt. Mal schauen, wie sich alles entwickelt – die Pandemie ist ja noch nicht vorbei.
- Lesen Sie hierExterner Link den Beitrag von Watson.
- Das Homeoffice ist die neue Norm – doch das bringt nicht nur Vorteile mit sich.
Die Schweiz an der Spitze – wir haben die tiefste Impfquote in Westeuropa.
Was hat die Schweiz mit Osteuropa gemein? Offensichtlich die Unlust, sich zu impfen. Nur die Länder im Osten haben eine tiefere Impfquote als wir, alle anderen sind uns teilweise weit voraus.
Klar, es ist Ferienzeit, viele sind im Urlaub, sie werden das vielleicht nachholen. Dennoch macht es stutzig – auch viele Menschen in Ländern, die keinen Zugang dazu haben und sich fragen, wozu die Schweiz denn so grosse Reserven hat, wenn sie nicht genutzt werden. Das gleiche fragen sich auch viele Auslandschweizer:innen.
Trotzdem: Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat nun gesagt, dass Auffrischungsimpfungen bereits ab dem Herbst denkbar seien. Das machen auch andere Länder so, auch wenn nicht klar ist, wie lange der Impfschutz der Impfstoffe anhält. Nun, wer sich bis dahin nicht geimpft hat, wird dieses Problem nicht interessieren.
- Lesen Sie hierExterner Link den Artikel im Tages-Anzeiger. (Paywall)
- Mein Kollege Jonas Glatthard hat das Thema kürzlich aufgegriffen.
- Den Artikel über die Auffrischungsimpfung von 20 Minuten finden Sie hierExterner Link.
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Und noch eine amüsante Dorf-Posse zum Schluss: Keine Ungeduschten in der Beiz!
Die nationalkonservative SVP poltert gegen die Städte und stilisiert das Land als das helvetische Paradies, wo man in Eintracht und Frieden lebt. Wo man noch zu seinen Nachbarn schaut und gemeinsam in der Beiz noch den Arbeitstag ausklingeln lässt.
Im zürcherischen Dorf Neftenbach hängt nun der Dorfsegen aber schief. Schuld daran ist für einmal nicht die linksversiffte urbane Stadt-Schweiz, sondern ganz unspektakulär die Pandemie.
Der Wirt des Gasthauses zum Löwen hat nämlich die Dorfvereine gebeten, künftig nur noch geduscht zu ihm zu kommen. Aufgrund der Corona-Regeln ist gemeinsames Duschen in den Kabinen nach dem Sport verboten. Das hat dem Beizer offenbar gestunken. Die Vereine sind nun hässig – man werde künftig einen Bogen um den Löwen machen. Man wird ja wohl noch ungeduscht ins Feierabendbier gehen dürfen, gopferdammi!
- Lesen Sie hierExterner Link den Artikel des Tages-Anzeigers.
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