Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
In der Welt ist die Schweiz vor allem für ihre Uhren, ihre Schokolade, ihre Maschinen bekannt. Doch ein anderes typisch schweizerisches Produkt hat es auf die oberste Stufe des globalen Siegertreppchens geschafft, wie Sie in der Nachrichtenauswahl von diesem Donnerstag sehen können.
Ausserdem auf der Tagesordnung: die Schwierigkeiten der Schweizer Industrie mit den US-Zöllen, eine neue Bedrohung durch Moskitos und Neuigkeiten aus der laufenden Parlamentssitzung.
Viel Spass beim Lesen
Mücken sind nicht nur unangenehm, sondern stellen auch ein grosses Gesundheitsrisiko dar, da sie Krankheiten wie Dengue-Fieber, Chikungunya-Fieber und Zika übertragen können, die in unseren Breitengraden bislang exotisch waren. Diese Liste wird nun um eine neue Bedrohung ergänzt: das West-Nil-Virus.
Die Übertragung dieser Krankheit durch Mücken ist in der Schweiz noch nicht nachgewiesen. Aber das ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Zwei Nachbarländer sind bereits betroffen: Frankreich mit 23 bestätigten Fällen und vor allem Italien mit 30 Todesfällen.
Das Tessin ist aufgrund seiner Nähe zu Italien besonders gefährdet und will mehr über die Bedrohung wissen. Der Blutspendedienst der italienischen Schweiz hat eine zweijährige Studie gestartet, in der Blutspenden auf das Virus untersucht werden sollen. Das untersuchte Blut wird aus den Gebieten des Tessins stammen, in denen das West-Nil-Virus in Mücken nachgewiesen wurde.
Dieses Virus, das von Mücken übertragen und von Zugvögeln weitergetragen wird, etabliert sich allmählich in Europa. In etwa 80% der Fälle zeigen die infizierten Personen keine Symptome. Bei den anderen führt das West-Nil-Virus jedoch zu hohem Fieber, Muskelschmerzen oder grosser Müdigkeit. In etwa 1% der Fälle kann es zu schweren neurologischen Komplikationen kommen, die zum Tod führen können.
Es wurde vermutet, dass die Schweizer Exportindustrie unter den Zöllen von 39%, welche die USA seit dem 7. August auf Schweizer Produkte erheben, leiden würde. Etwas mehr als einen Monat später bestätigen die Statistiken, dass diese Befürchtungen begründet waren.
Die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des Eidgenössischen Finanzdepartements und des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit zeigen, dass die Exporte in die USA im August im Vergleich zum Vormonat um 22,1% gesunken sind, was einem Verlust von 3,08 Milliarden Franken entspricht. In der Pressemitteilung des Schweizer Zolls heisst es, dass die Exporte in die USA damit «den niedrigsten Stand seit Ende 2020» erreicht haben.
Besonders betroffen sind Branchen, die stark exportorientiert sind. Dies gilt besonders für die Uhrenindustrie, deren Exporte in die USA im August um 24% einbrachen. Auch die Regionen sind nicht alle gleich betroffen. Der Jurabogen, der in der Uhren- und Maschinenindustrie stark vertreten ist, leidet besonders stark. So sind im Kanton Jura seit der Einführung der Zölle von 39% etwa ein Zehntel der Erwerbsbevölkerung von Kurzarbeit betroffen.
Derzeit befinden sich die Parlamentarier:innen in der Sitzungsperiode und haben Massnahmen ergriffen, um den Schock abzumildern. Nach dem Ständerat hat am Donnerstag auch der Nationalrat zugestimmt, die Höchstdauer der Kurzarbeitsentschädigung auf 24 Monate zu verlängern. Derzeit beträgt diese 18 Monate.
Auch die Gruyère-Industrie leidet unter den US-Zöllen und hatte kürzlich angekündigt, ihre Produktion drosseln zu wollen. Doch die heutigen Nachrichten sind Balsam für ihre Seele. Es ist nämlich ein Gruyère, der gerade zum «besten Käse der Welt» gekürt wurde.
Simon Miguet, ein Käser aus La Côte-aux-Fées im Kanton Neuenburg, gewann den Titel mit seinem Gruyère AOP (Appellation d’Origine Contrôlée, kontrollierte Ursprungsbezeichnung). Sein Käse setzte sich gegen 1900 andere Produkte durch, die im Rahmen der Mondial du Fromage in Tours, Frankreich, vorgestellt wurden.
«Le Gruyère AOP Réserve, ein Schweizer Hartkäse, der ausschliesslich aus roher Kuhmilch hergestellt wird, überzeugte durch seinen Geschmack und seine organoleptischen Eigenschaften. Beim Aussehen offenbaren seine blassgelbe Farbe und seine leicht blumige Rinde einen raffinierten Käse. Im Mund findet man die weiche, cremige, leicht fruchtige Textur eines Gruyère AOP, der das Gleichgewicht zwischen Tradition und Kreativität perfekt veranschaulicht», heisst es in einer Mitteilung der Organisation.
In einem Interview mit RTS erklärte der Preisträger, dass sein Erfolg vor allem darauf zurückzuführen sei, dass er jeden Herstellungsschritt – Reiben, Pflegen, Bewegen – akribisch und täglich überwacht habe. Dadurch erhalte er «Kristalle, die sich im Käse zu bilden beginnen, eine leicht salzige Note und dann natürlich eine ziemlich intensive und reiche Aromenpalette».
Und zum Schluss noch einige Neuigkeiten aus der laufenden Session der Eidgenössischen Räte.
Der Marsch in Richtung digitale Demokratie geht weiter: Am Donnerstag hat der Nationalrat die gesetzlichen Grundlagen für Versuche mit der elektronischen Unterschriftensammlung angenommen. Diese Versuche können sich auf fakultative Referenden, Volksinitiativen und Kandidatenlisten für die Nationalratswahlen beziehen.
Am Vortag lehnte der Nationalrat ein Verbot der bezahlten Unterschriftensammlung ab, da dies zu weit gehen würde. Im vergangenen Herbst hatte die Aufdeckung eines Handels mit gefälschten Unterschriften für Aufregung in Medien und Politik gesorgt.
In Bezug auf das Beschwerderecht von Umwelt-NGOs beim Bau neuer Staudämme zur Stromerzeugung wurde zwischen den beiden Kammern schliesslich eine Kompromisslösung gefunden. Die sieht vor, dass NGOs weiterhin Rechtsmittel einlegen können, allerdings nur bis zum Kantonsgericht und nicht mehr bis zum Bundesgericht. In der Debatte war davon die Rede gewesen, das Recht der Umweltorganisationen viel drastischer einzuschränken.
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