Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Als ich am Samstag am Bahnhof Bern vorbeikam, war ich fassungslos über das enorme Aufgebot an Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei, die einen Protest gegen das Weltwirtschaftsforum (WEF) blockiert haben, das heute begonnen hat.
Die Reaktion der Ordnungskräfte kann vielleicht als Signal der aktuell grossen geopolitischen Spannungen gelesen werden, die grösstenteils um den US-Präsidenten Donald Trump kreisen, der ebenfalls in Davos erwartet wird.
Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre!
Heute hat in Davos das Weltwirtschaftsforum (WEF) begonnen. Rund 3000 hochrangige Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sind anwesend, doch die mediale Aufmerksamkeit konzentriert sich fast ausschliesslich auf die Vereinigten Staaten.
Die Anwesenheit von Donald Trump, begleitet von Minister:innen, Gouverneur:innen und Verantwortlichen der grössten US-Unternehmen, verwandelt «Davos in ein ‚Little America'», schreibt SRF. Der Blick schätzt die Ausgaben Washingtons für die Reise in die Schweiz auf sieben Millionen Franken.
Der US-Präsident soll am Mittwoch um 14:30 Uhr offiziell das Wort ergreifen, und es herrscht grosse Spannung, wie er die Ambitionen seines Landes verteidigen wird. Dies vor allem, nachdem die jüngste Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und Trumps Absicht, Grönland zu annektieren, die transatlantischen Beziehungen sehr angespannt haben. Im Mittelpunkt stehen auch der Krieg in der Ukraine und die Frage der Unterdrückung im Iran. Das WEF hat am Montag die Teilnahme des iranischen Aussenministers Abbas Araghchi am Gipfel abgesagt. Angesichts der aktuellen Ereignisse im Land wurde seine Anwesenheit als «unangemessen» erachtet.
Die Proteste am Rande des Forums haben bereits begonnen, mit einem Marsch am Sonntag, der in Davos 600 Personen versammelte, und einem nicht bewilligten Protest in Bern am Samstag, der durch ein grosses Polizeiaufgebot im Keim erstickt wurde. Die Demonstrierenden prangern die «antidemokratischen Entscheidungen» an, die von den «Oligarchen und Kriegstreibern» getroffen werden, die am WEF anwesend sind.
Das von Präsident Donald Trump angedrohte erneute Anheben der US-Zölle für Länder, die die Ambitionen der USA zur Annexion Grönlands nicht teilen, findet auch in der Schweiz Widerhall, schreibt Le Temps und fragt sich, ob neue Zollerhöhungen auch die Schweiz treffen könnten.
Am Samstag drohte Trump Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, den Niederlanden und Finnland ausdrücklich mit einer Erhöhung der Zölle um 10 %.
Laut den von Le Temps befragten Anlageexperten riskiert die Schweiz, die weder politisch noch militärisch in die Angelegenheit involviert ist, keine unmittelbaren Vergeltungsmassnahmen seitens Washington. Sollte die Erhöhung der Zölle jedoch zu einem dauerhaften politischen Instrument werden, würden offene Volkswirtschaften mit Überschüssen wie die der Eidgenossenschaft automatisch ins Visier geraten. Laut Joaquin Cascallar, Investmentmanager bei Tarfa 5 Advisors, liegt es im Interesse der Schweiz, Gelassenheit und Diskretion walten zu lassen, ohne sich auf die eine oder andere Seite zu stellen.
Bislang scheint dies der Weg zu sein, den die Eidgenossenschaft eingeschlagen hat, auch wenn es im Parlament Stimmen gibt, die diese Strategie nicht unterstützen. Laut SP-Nationalrat Fabian Molina, Mitglied der neu gegründeten Freundschaftsgruppe Schweiz-Grönland, sollte sich die Schweiz «mit der Europäischen Union abstimmen, um diesen Angriff auf den Multilateralismus abzuwehren».
Das Anwaltsteam von Jacques und Jessica Moretti, dem Betreiberpaar der Bar Le Constellation in Crans-Montana, in der am Silvesterabend 40 Menschen bei einem Feuer ums Leben gekommen sind, haben sich zum ersten Mal seit der Tragödie gegenüber der Presse geäussert.
Die Anwältin Yaël Hayat erklärte, sie wolle «die verzerrte Wahrheit wiederherstellen» und sprach dabei von den «Auswüchsen», die diese in den Medien stark beachtete Angelegenheit genommen habe. So sei beispielsweise die verschlossene Tür im Erdgeschoss des Lokals kein «Notausgang» gewesen, wie mehrfach behauptet wurde, sondern eine «Servicetür» für den Zugang von Lieferant:innen.
Ihr Kollege Patrick Michod betonte ausserdem, dass der schalldämmende Schaumstoff, der in Brand geraten war und die Tragödie verursacht hatte, 2015 von Jacques Moretti gekauft worden war. Der Mann habe dem Personal der Baumarktkette erklärt, dass er für ein öffentliches Gebäude bestimmt sei, und die Entflammbarkeit des Materials sei auf den Verpackungen nicht angegeben gewesen. Jacques Moretti sei sich nicht bewusst gewesen, dass der Schaumstoff gefährlich sein könnten, fügte Michod hinzu.
Die Anwält:innen wollten auch die Vorwürfe über die zweifelhafte Herkunft der Gelder widerlegen, mit denen das Paar die Immobilien in Crans-Montana erworben hat. Um diese Immobilien zu kaufen, hätten die beiden Hypothekendarlehen aufgenommen, entgegen den Behauptungen verschiedener Medien.
Wenn Überfluss zur Krise wird. So beschreibt die NZZ die aktuellen Probleme der Schweizer Milchwirtschaft, die mit einem beispiellosen Milchüberschuss und der damit verbundenen Gefahr einer enormen Verschwendung konfrontiert ist.
In den letzten Wochen hat der Milchverarbeiter Emmi zusätzliches Personal eingestellt, Sonderarbeitsschichten eingeführt und Produkten, die viel Milch benötigen, Vorrang eingeräumt. Doch das reicht nicht aus, um die endlose Schlange von Tanklastwagen vor dem Firmensitz im luzernischen Dagmersellen abzubauen. «In 25 Jahren habe ich so etwas noch nie gesehen», sagt Stefan Kohler, Direktor der Branchenorganisation Milch (BOM). Seiner Meinung nach ist die Situation insbesondere auf die aussergewöhnlich gute Qualität des im Sommer und Herbst geernteten Futters zurückzuführen.
Ab Februar wird der Preis für ein Kilogramm hochwertige Milch um vier Rappen auf 78 Rappen gesenkt, doch die Gefahr, dass tonnenweise Milch weggeleert werden müssen, ist «real», so Kohler. IP Latte hat daher einen Appell an die Detailhändlerinnen gerichtet und sie gebeten, den Anteil der Schweizer Produkte im Angebot zu erhöhen. Die NZZ berichtet, dass Migros dem Appell nachkommen will, während Konkurrentin Coop sagt, dass sie «alles tun wird, was möglich ist», aber kurzfristig keine Änderungen plant.
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