Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Können Sie sich an Ihre Aufsätze während der Schulzeit erinnern? Wohl von Hand geschrieben, ohne Rechtschreibassistenz. Ich wage zu behaupten, dass die wenigsten unserer Schulaufsätze Meisterleistungen waren, geschweige davon, dass sie später mal publiziert werden.
Anders natürlich beim Schweizer Schriftsteller Max Frisch, dessen Maturaaufsatz nun erstmals veröffentlicht wurde. Als kleiner Trost für uns: Selbst Frisch konnte seinen Deutschlehrer nicht immer überzeugen. Für den Aufsatz gab es eine 4-5.
Gute Lektüre!
Gestern haben der Iran und die USA ihre dritte Runde der Atomverhandlungen in Genf beendet. Zwar wurde kein Durchbruch erzielt, trotzdem zeigten sich verschiedene Seiten verhalten optimistisch.
Etwa Omans Aussenminister Badr al Bussaidi, der zwischen beiden Staaten vermittelt. Nach den Gesprächen in Genf sprach er von «bedeutenden Fortschritten». Nächste Woche seien in Wien Gespräche auf technischer Ebene geplant: US- und iranische Delegationen sollen bei der Internationalen Atomenergiebehörde praktische Fragen klären. Falls diese stattfinden, dürften Details eines möglichen Abkommens ausgehandelt werden.
SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck ordnet ein: «Von den Gesprächen ist fast nichts nach aussen gedrungen. Das ist aber in der Diplomatie tendenziell ein gutes Zeichen.» Denn sowohl auf amerikanischer wie auch auf iranischer Seite gebe es Kräfte, welche die Verhandlungen skeptisch bis ablehnend sehen würden und vielleicht gar an einem Scheitern interessiert seien.
Ob es zu den weiteren Verhandlungen kommen wird, ist indes noch nicht klar. Beide Seiten würden massiv Druck machen und sich gegenseitig bedrohen, doch «beide Seiten haben offenbar immer noch das Ziel, eine diplomatische Lösung herbeizuführen», sagt Ramspeck.
Nach etwas mehr als hundert Tagen im Amt zieht der neue Chef des Nachrichtendiensts des Bundes (NDB) Serge Bavaud eine erste Bilanz – und warnt vor Attacken auf das Treffen der G7-Staatschefs im Juni am Genfersee.
Bavaud, der zuvor Krisenmanager im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gewesen war, hat letzten Herbst einen krisengeschüttelten Nachrichtendienst übernommen. Die Unzufriedenheit war hoch, die Abgänge zahlreich. Ein zentraler Grund dafür war eine grundlegende Reform durch Bavauds Vorgänger. Nach Gesprächen mit Mitarbeitenden und Partnerorganisationen steht für Bavaud fest: Die Reform war notwendig, aber es war zu viel in zu kurzer Zeit für den NDB und seine Mitarbeitenden.
Bavaud will die seit Jahren laufende Transformation des NDB bis Ende 2026 abschliessen. Neben Verbesserungen von innen brauche es laut dem Nachrichtendienst-Chef zusätzliche Mittel. Der NDB werde seiner Meinung nach über hundert zusätzliche Stellen benötigen, unter anderem wegen der Entwicklung der künstlichen Intelligenz.
Mit Blick auf den G7-Gipfel, der im Juni am Genfersee stattfindet, sieht Bavaud sowohl linken als auch rechten Gewaltextremismus und Terrorismus als Hauptgefahr, was stark mit der internationalen Lage zusammenhänge. Wie die Zeitungen von CH Media schreiben, soll mit einem nationalen Informationsnetz sowie Koordination mit den direkt betroffenen Kantonen und internationalen Partnern sichergestellt werden, dass alle Nachrichtendienste die Entwicklungen antizipieren und im Voraus die richtigen Massnahmen treffen können.
Bei der Sozialdemokratischen Partei (SP) gibt es gleich zwei prominente Abgänge aus dem Nationalrat. Während der Baselbieter Eric Nussbaumer per Ende April zurücktritt, verabschiedet sich Pierre-Alain Fridez in drei Wochen, nach Sessionsende, von seinem Amt.
Eric Nussbaumer, der über 18 Jahre für die SP im Nationalrat sass, machte sich im Parlament vor allem einen Namen als Pro-Europäer. So sei mit der geplanten Unterzeichnung der Bilateralen III durch den Bundesrat am Montag auch ein «historischer Meilenstein» erreicht, sagte Nussbaumer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Also der perfekte Moment für einen Rücktritt.» Für ihn nachrücken wird die Baselbieter SP-Landrätin Miriam Locher.
Nussbaumers Parteikollege Pierre-Alain Fridez, der seit 2011 für den Kanton Jura im Nationalrat sitzt und sich vor allem als Sicherheitspolitiker einen Namen gemacht hat, tritt auf Ende der Frühjahrsession von seinem Amt zurück. Damit wolle der Jurassier seinem Nachfolger Loïc Dobler Zeit geben, sich zu profilieren, schreibt RTS. Der Rücktritt kommt nicht vollkommen überraschend: Fridez hat bereits während der letzten Parlamentswahlen damit geliebäugelt, blieb allerdings auf Wunsch seiner Partei im Amt, um der SP den Sitz zu sichern.
Ebenfalls für Schlagzeilen rund um die SP sorgt eine Kolumne des ehemaligen SP-Präsidenten Peter Bodenmann in der Weltwoche. Dabei wirft der 73-Jährige der neuen Generation der SP vor, sich in moralischen Debatten zu verlieren, statt strategische Erfolge anzupeilen. Bodenmann nennt sie «rosarote Barbershop-Linke» und sagt dem Co-Präsidium Mattea Meyer und Cédric Wermuth nach, «null Ahnung» zu haben. Bodenmann verschont auch weitere SP-Politiker nicht in seiner Kolumne, wie etwa den Zürcher Nationalrat Fabian Molina oder den Luzerner Nationalrat David Roth.
In seinem Maturaaufsatz von 1930 stellte sich der damalige Gymnasiast Max Frisch die Frage nach den «Licht- und Schattenseiten der modernen Technik». Der Gymi-Aufsatz wurde nun erstmals veröffentlicht.
Für den Präsidenten der Max Frisch-Stiftung, Thomas Strässle, ist der Aufsatz «eine kleine literaturgeschichtliche Sensation». Denn: «Er ist nicht nur das älteste handschriftliche Manuskript, das von Max Frisch erhalten ist, sondern geht auch hinter eine Phase zurück, in der Frisch fast alles Geschriebene vernichtet hat.»
Das Thema nach den Licht- und Schattenseiten der modernen Technik war vermutlich vorgegeben. Frischs Stellungnahme dazu fiel geradezu polemisch aus. Die Technik, von «Vollblutdummköpfen mit Kultur identifiziert», schenke zwar Zeit, mit dieser wisse der moderne Mensch aber nichts anderes anzufangen, als «über allen Teufelskram nachzudenken». Und: «Je klarer und logischer wir denken, desto rascher erkennen wir die bodenlose Stumpfsinnigkeit unseres Daseins.»
In der Sprache des Gymnasiasten Frisch erkennt Strässle Merkmale des späteren Schriftstellers: Bei Frisch sei nichts überflüssig, «alles reduziert aufs Maximum». Diese Klarheit sei bereits im Schulaufsatz angelegt.
Dass der Text nun veröffentlicht wurde, geht auch auf einen Diebstahl zurück: Ein späterer Schüler an der Schule von Frisch in Zürich hatte die Arbeit in den 50er-Jahren, als Frisch bereits eine literarische Grösse war, aus einem Archivschrank mitgehen lassen. Er habe den Aufsatz für die Nachwelt erhalten wollen, schrieb der Mann 2024, als er ihn an das Max Frisch-Archiv schickte.
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