Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Damit die Schweiz beim nächsten Fail einer Bank nicht mehr so tief in die Staatskasse greifen muss, soll die UBS ihr Eigenkapital erhöhen. Der konkrete Vorschlag von Wirtschaftsministerin Karin Keller-Sutter nimmt besonders die ausländischen Tochtergesellschaften ins Visier – und kommt nicht nur bei der Grossbank schlecht an.
Herzliche Grüsse aus der Schweiz
Der Bundesrat will die Grossbank UBS mit strengeren Eigenkapitalvorschriften krisenfester machen. Die Politik ist gespalten: Bürgerliche warnen vor zu harten Eingriffen, Linke sprechen vom absoluten Minimum.
Als ich heute in der Früh mit einem Ohr die News hörte, war ständig von ausländischen Töchtern die Rede und ich brauchte eine Weile, bis ich merkte,worum es ging: Um die ausländischen Tochtergesellschaften der UBS.
Geht es nach FDP-Bundesrätin Karin Keller-Sutter, muss die Grossbank neun Milliarden Franken zusätzliches Eigenkapital aufbauen, damit im Fall einer Krise – wie beim Niedergang der Credit Suisse – das Risiko für die Steuerzahlenden kleiner würde. Besonders hart blieb die Wirtschaftsministerin bei den ausländischen Tochtergesellschaften: diese müssen vollständig mit Eigenkapital unterlegt werden.
Das kommt bei den bürgerlichen Parteien nicht gut an. Die «Lex UBS» gehe zu weit, sagt SVP-Nationalrat Thomas Aeschi zu SRF. Auch aus der eigenen Partei melden sich Stimmen, dass Keller-Sutters «Kompromiss» noch nicht der richtige sei. Die UBS teilt mit, dass der Vorschlag extrem sei und weitreichende Folgen für die Schweizer Wirtschaft hätte. Für die SP und die Grünen dagegen ist der Vorschlag das «absolute Minimum», sie fürchten, dass die Bürgerlichen ihn verwässern wollen, wie SP-Co-Präsident Cédric Wermuth sagt.
Wer vertritt die USA in der Schweiz wirklich? In Bern wächst der Eindruck, dass nicht Botschafterin Callista Gingrich den Ton angibt, sondern ihr politisch erfahrener Ehemann Newt.
Kürzlich postete Donald Trump auf seinen sozialen Medien ein Foto aus Bern, es zeigte eine Demonstration vor der US-Botschaft, bei der iranische Flaggen geschwenkt und Trump gedankt wurde. Interessant ist aber beim Post auch etwas Anderes: «From Newt Gingrich», schrieb Trump dazu.
Newt Gingrich ist der Mann der amtierenden US-Botschafterin Callista Gingrich, sie ist seit einem halben Jahr in der Schweiz stationiert. Doch wie die Tamedia-Zeitungen heute berichten, soll er den Ton angeben – was in Bern irritiere.
Newt Gingrich ist ein langjähriger republikanischer Spitzenpolitiker, der als Wegbereiter der Trump-Ära gilt. Auch in Bern soll er sich weiterhin wie ein politischer Entscheidungsträger aufführen. «Er führte sich auf, als ob er der Botschafter wäre. Er hat immer dreingeredet», sagt eine anonyme Quelle nach einem Gespräch mit dem Paar.
Botschafterin Callista Gingrich bleibt dagegen eher zurückhaltend, Interviews mit Medienschaffenden sind nur schriftlich möglich. Während ihr Mann politisch Stellung bezieht, zeigt die Botschafterin auf Instagram harmlose Bilder von offiziellen Treffen und Reisen in der Schweiz. Die Frage der Rollenverteilung bleibt ungeklärt.
Religionsfreiheit oder Neutralität? Die Debatte um Kopftücher an Schulen spaltet Politik und Betroffene.
Sollen Lehrerinnen im Schulzimmer ein Kopftuch tragen dürfen? Diese Frage bewegt die Schweiz, neue Vorstösse auf kantonaler und nationaler Ebene fordern ein Kopftuchverbot. Momentan ist die Situation je nach Kanton unterschiedlich, in vielen herrscht jedoch schon ein Verbot.
Nicht aber in Basel, wo die Sendung Rundschau von SRF mit einer muslimischen Lehrerin gesprochen hat, die mit Kopftuch arbeitet. Das sei an ihrer Schule noch nie ein Problem gewesen, sagt Achoaq Cherif. «Als Lehrerin werde ich an meinen Kompetenzen gemessen, nicht an meinem Outfit», sagt sie.
Die Muslima Jasmin El-Sonbati dagegen unterrichtet ohne Kopftuch. Sie findet, Lehrpersonen sollten von auffällig religiösen Zeichen absehen. Auch der Schulleiter:innen-Verband geht in diese Richtung, Zurückhaltung sei geboten. Schülerinnen dagegen dürfen Kopftuch tragen, da gelte die Religionsfreiheit.
Vom Armenhaus zum Holzschnitz-Hotspot: Wie die Schnitzerei die Region Brienz aus der Armut führte.
Haben Sie eine geschnitzte Holzkuh zu Hause? In Auslandschweizer-Gruppen in den sozialen Medien sehe ich jeweils, dass diese Tiere beliebte Erinnerungen an die Heimat sind. Wenn sie eine besitzen, wissen Sie vermutlich auch, wo das Schnitzen in der Schweiz sein Zentrum hat: in Brienz.
Die Berner Zeitung schreibt heute über die Ursprünge des Kunsthandwerks – das einst ganz Brienz ernährte. Im 19. Jahrhundert war die Region im Oberland die ärmste im Kanton Bern, doch das änderte sich, als die Engländer die Alpen als Sehnsuchtsort entdeckten. Auf Bauernhöfen begann man, Andenken wie Holzlöffel für die Tourist:innen zu schnitzen.
Bald entwickelten sich spezialisierte Firmen, die von den billigen Arbeitskräften profitierten. Geschnitzt wurde alles, von Kühen über Nussknacker bis zu Mini-Chalets. Um die Jahrhundertwende haben praktisch alle geschnitzt – oder davon gelebt, sagt der Besitzer der Firma Jobin, die heute noch geschnitzte Musikdosen herstellt. Die Souvenirs aus Holz verhalfen der Region zum Aufschwung, doch die beiden Weltkriege setzten der Hochblüte der Schnitzerei ein Ende – als Teil der regionalen Identität ist sie jedoch bis heute präsent.
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