The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wir versuchen hier etwas Neues und Sie sind per Zufall darauf gestossen. Gefällt es Ihnen? Feedback an briefing@swissinfo.ch.

Heute möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf ein Bergdorf ziehen, das den Hang hinunterrutscht, auf die Abfallberge des Züri-Fäschts in der Schweizer Metropole, auf Strassen und Brücken im Kanton Wallis in prekärem Zustand sowie auf den drohenden Souveränitätsverlust der Nation.

Liebe Grüsse aus Bern

Keystone

Das Schulhaus ist verlassen. Wegen akuter Steinschlag-Risiken wurde ein Betretungsverbot für die Rutschzone verfügt. Die Gefahr, dass das Bündner Dorf Brienz verschüttet wird oder abrutscht, spitzt sich dramatisch zu.


Laut der Neuen Zürcher Zeitung NZZExterner Link haben die Geologen verschiedene Szenarien beschrieben:  

Im besten Fall: Die Bewegungen im Fels verlangsamen sich; es wird bei vereinzelten Steinschlägen bleiben. 

Im schlimmsten Fall: Die Felsmassen werden nicht nur Brienz begraben, sondern hinunter ins Albulatal stürzen, 140 Hektaren Fläche verschütten, den Talgrund 22 Meter hoch auffüllen, die Dörfer Tiefencastel und Surava an ihren Rändern verwüsten, die Strom- und Glasfaserversorgung lahmlegen, die Strassen und die Bahnlinie der Rhätischen Bahn zerstören. 

Felsmassen von Bondo waren geringer: Im Fall von Brienz gehen die Geologen von einer Felsmasse von 22 Millionen Kubikmetern aus, die in Bewegung ist. Die NZZ vergleicht sie mit Bergsturz von Bondo 2017. Damals waren es «nur» 3,1 Millionen Kubikmeter Gestein, die sich vom Piz Cengalo lösten, ins Bergeller Tal stürzten, samt Schlammmassen einen Teil des Dorfs verwüsteten und acht Menschen unter sich begruben. Angst äussern die Dorfbewohner nicht, aber das Schlimmste sei für sie, dass ihre Zukunft in der Luft hänge.

Ein kleiner Trost bleibt: Grund zur Panik besteht nicht. Die Lage wird permanent überwacht, und das Überwachungs- und Alarmsystem soll noch verbessert werden. Wann es losgeht, werden die Fachleute frühzeitig voraussagen können. 

Keystone

Nicht lebensbedrohlich aber ärgerlich für die grösste Stadt der Schweiz sind die Abfallberge, welche die 2,5 Millionen Besucherinnen und Besucher des Züri-Fäschts 2019 am Wochenende hinterliessen.


Lauter Wegwerf-Gebinde: Plastikbecher, Alu-Büchsen, Pappteller, insgesamt 250 Tonnen Abfall. Für kritische Fragen zum Anlass sorgte der Veranstalter, weil ausschliesslich Wegwerf-anstatt Mehrweg-Geschirr zum Einsatz kam. 

Weshalb geht es andernorts? Was in anderen Schweizer Städten wie Aarau, Basel und Bern funktioniert, scheint in der Wirtschaftsmetropole noch nicht möglich zu sein. Die angeblichen Gründe des Veranstalters sind nicht einfach zu verstehen. In der Vergangenheit habe man es mit Depot-Geschirr versucht, doch man habe die Übung abbrechen und wieder auf Einweggeschirr umstellen müssen, sagte der Mediensprecher des Züri-Fäschts in der SRF-Sendung «10vor10». 

​​​​​​​
Google Street View

In einem prekären Zustand befindet sich ein Drittel des Strassennetzes des Kantons Wallis. Die Mängel könnten zu dauerhaften Stilllegungen von Strassen und Brücken führen.Was selbst linke Politiker aus Angst vor einer Abwahl seit Jahren nicht mehr zu sagen wagen, schreibt alt Bundesrat Joseph Deiss in seinem neuen Buch: «Der EU-Beitritt wäre für die Schweiz ein Gewinn an Souveränität.»


Für Schwerverkehr gesperrt: In schlechter Verfassung befindet sich zum Beispiel der Riddes-Viadukt an der Autobahn A9, der unter Beton-Krebs leidet. Seit gestern um 15 Uhr ist das Viadukt, das normalerweise von mehr als 10’000 Fahrzeugen pro Tag genutzt wird, für Fahrzeuge mit einem Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen verboten, berichtet die Westschweizer Zeitung Le TempsExterner Link

Nur der Anfang: Vincent Pellissier, der Leiter des kantonalen Mobilitätsdienstes, sagte gegenüber der Zeitung, dass eine vollständige Schliessung des Viadukts in den kommenden Wochen nicht ausgeschlossen werden könne. Dies hänge vom Ergebnis weiterer Untersuchungen ab, die noch andauerten.

Spitze des Eisbergs: Ein Drittel des Walliser Strassennetzes befindet sich in einem kritischen Zustand. Das Problem ist, dass viele Elemente, die zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren gebaut wurden, das Ende ihres Lebenszyklus erreichen», sagt Pellissier.

Das Problem sei auf die Instandhaltungs-Strategie des Kantons Wallis zurückzuführen, der eher Symptom bekämpfend als präventiv eingreifen müsse, auch wenn es viel teurer sei. «Die Ressourcen, die benötigt werden, um das gesamte Walliser Strassennetz wieder in einen akzeptablen Zustand zu versetzen, sind unverhältnismässig», sagt Pellissier. Schätzungen gehen von über einer Milliarde Franken aus.



Ist Blochers Lebenswerk ein historischer Irrtum? Alt Bundesrat Christophe Blocher, der nicht müde wird, vor einem schleichenden EU-Beitritt zu warnen, der laut dem SVP-Übervater das Ende der Schweizer Eigenständigkeit bedeutend würde, dürfte sich über seinen ehemaligen Amtskollegen grün und blau ärgern. Deiss spricht sich in seinem Buch nämlich nicht nur unverblümt für einen Beitritt der Schweiz zur EU aus, er bezeichnet Blochers Lebenswerk – dessen grösster politischer Sieg war die Ablehnung des Beitritts der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR durch das Schweizer Stimmvolk – als «historischen Irrtum».    

Weniger Souveränität als Nicht-Mitglied? Der ehemalige CVP-Wirtschaftsminister hat Gründe für sein EU-Plädoyer: «In Brüssel werden laufend Beschlüsse gefällt, die, ob wir es wollen oder nicht, die Schweiz tangieren. Wir können nur darauf Einfluss nehmen, wenn wir auch mit dabei sind und mitentscheiden», sagt er im Interview mit dem Onlineportal Watson.Externer Link

Die Nicht-Mitgliedschaft der Schweiz in der EU habe zur Folge, dass «wir vieles übernehmen oder erdulden müssen, wenn die Suppe bereits gekocht ist»,

Führte EWR-Nein zur Wirtschaftsflaute? Deiss will mit seinen Äusserungen keineswegs den bilateralen Weg, den die Schweiz nach dem EWR-Nein eingeschlagen hat, schlechtreden. Im Gegenteil: «Ich bin der einzige, der im Namen des Bundesrats alle Verträge der Bilateralen I und II unterschreiben durfte. Ich bin sehr stolz darauf, denn dieses Vertragswerk hat es der Schweiz erlaubt, sich ab dem Jahr 2000 aus der nach dem EWR-Nein entstandenen Flaute wieder auf den Wachstumspfad zu begeben.»

Die Schweizerinnen und Schweizer sind ein globalisiertes Völkchen: Heute leben 10,6% aller Menschen mit dem roten Pass im Ausland. Wussten Sie, dass die meisten in Frankreich leben? Hier finden Sie noch mehr Infos zu dieser vielfältigen Gruppe von Abenteuren.

Wir haben Sie auf unseren Facebook Seiten gefragtExterner Link wo unsere Community eigentich lebt und 250 von Ihnen haben uns geantwortet. Es kamen Meldungen aus sechs Kontinenten. (Sollten Sie dies in der Antarktik lesen, melden Sie sich bitte bei uns!)

Viele von Ihnen antworteten mit Emoji-Flaggen und Bildern von Fahnen. Da waren einige dabei die wir selbst nicht kannten, wie zum Beispiel die Flagge hier 🇸🇱, geteilt von Simone Karemo. Sie betreibt seit 13 Jahren Missionsarbeit mit ihrem einheimischen Ehemmann dort.

Übrigens: Diesen Sommer besuchen wir Auslandschweizerklubs in sechs Ländern um Gespräche zu den Parlamentswahlen im 20. Oktober. Wir freuen uns auf intensive Debatten.

Meistgelesen
Swiss Abroad

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft