Umwelt: Die Schweiz könnte mehr tun

Das Hochmoor bei Rothenturm im Kanton Schwyz - eine seltene Landschaft in der Schweiz. picswiss.ch

Die Schweiz gilt bezüglich Umweltschutz als fortschrittliches Land. Dennoch bleibt viel zu tun, vor allem beim Artenschutz.

Dieser Inhalt wurde am 05. Juni 2003 - 10:04 publiziert

Wo sind die Stärken, wo die Schwächen? - Eine Auslegeordnung zum internationalen Tag der Umwelt.

"Seit den 70er Jahren hat sich die Schweiz ehrgeizige Ziele im Umweltbereich gesetzt. Und die meisten wurden auf bemerkenswerte Art und Weise erreicht", so das Urteil der Fachleute der OECD. Für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gilt die Schweiz als Musterschülerin.

In ihrem Umweltbericht, für den die OECD im Zeitraum von 1993 bis 2000 insgesamt 32 Länder beobachtet hat, wird mit Lob für die Schweiz nicht gespart.

Wasser noch trüb

So gilt die Luftqualität als eine der besten im OECD-Raum. Ebenfalls bemerkenswert ist das Recycling von Abfall. Egal ob Papier, Glas oder Pet-Flaschen: Die Schweiz gehört zu den Vorreiterinnen.

Anders sieht es bei der Wasserqualität aus: Hier kann die Schweiz nicht mit exzellenten Beurteilungen glänzen. Die OECD kommt einfach zum Schluss, das Wasser in der Schweiz sei "von guter Qualität". Bemängelt werden verschiedene Verunreinigungen.

Mit diesem Urteil durchaus einverstanden ist Christiane Maillefer, Direktorin Romandie des WWF Schweiz. Sie erinnert daran, dass das Problem der Nitrate, die primär aus der Landwirtschaft stammen und Seen und Flüsse verschmutzen, weiterhin nicht gelöst sei.

"Und zudem gibt es bei den Renaturalisierungen von Wasserläufen noch viel zu tun", fügt die Umweltfachfrau an. Der WWF begrüsst die Massnahmen an verschiedenen See- und Flussufern.

Allerdings, so die Kritik, seien es bis jetzt nur kleine renaturierte Flächen. Für viele Pflanzen- und Tierarten reichten diese als natürliche Lebensräume nicht aus.

Zu viele Arten bedroht oder ausgerottet

Gerade beim Artenschutz geben internationale Fachleute der Schweiz schlechte Noten. "Der Anteil der seltenen, bedrohten oder verschwundenen Tier- und Pflanzenarten gehört zu den höchsten im OECD-Raum", stellt der Bericht fest.

Philippe Roch, Direktor des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) kann das nur bestätigen: "Wegen der Bevölkerungsdichte und der Dichte der Infrastrukturbauten hat man die Natur immer mehr an den Rand gedrängt. Und da diese Zonen nicht sehr zahlreich sind und häufig untereinander nicht verbunden, sind Arten, die grössere Lebensräume brauchen, bedroht."

Man habe aber das Problem erkannt, gibt sich Roch optimistisch. Mit der heutigen Stossrichtung der Landwirtschaftspolitik versuche die Schweiz, einerseits mehr ökologische Inseln zu schaffen und andererseits diese untereinander zu vernetzen.

Langer Weg zur Umsetzung

In ihrem Bericht weist die OECD auf einen typisch schweizerischen Schwachpunkt hin: Die Politik, die Bundesbern beschliesse, werde bei weitem nicht in allen Kantonen und Gemeinden gleich umgesetzt.

Gerade bei der Umweltpolitik gibt der Bund häufig bloss Rahmenbedingungen vor, für Umsetzung und Anwendung der Politik sind andere Instanzen verantwortlich.

Auf lokaler Ebene, so der Befund der OECD, gebe es manchmal die Tendenz, "kurzfristige Entwicklungen oder Verstädterungen dem Schutz der Natur, der Landschaft und der Biodiversität vorzuziehen".

Dass der Föderalismus für den Umweltschutz ein Hindernis ist, will BUWAL-Chef Philippe Roch nicht gesagt haben. Doch: "Er verlangsamt sicher die Prozesse und verhindert rasche und klare Entscheide." Zudem seien in den Kantonen "die Entscheide nicht immer gut umgesetzt oder kontrolliert".

Für Christiane Maillefer vom WWF gibt es klar eine Lücke zwischen den vergleichsweise fortschrittlichen Umweltbestimmungen in der Schweiz und deren Anwendung.

Zudem fehlt aus ihrer Sicht allgemein "der klare politische Wille, den Schutz der Umwelt als für die Zukunft prioritär" zu betrachten.

Dies ist nicht bloss ein Problem der Schweiz. Dies zeigt nicht nur der OECD-Bericht, dies zeigen auch die schönen Worte an internationalen Konferenzen, denen jeweils nur zögerlich Taten folgen.

"Wenn man die Situation der ganzen Welt betrachtet, gibt es viele Gründe, sehr beunruhigt zu sein", schliesst Philippe Roch.

swissinfo, Marc-André Miserez
(Übertragung aus dem Französischen: Eva Herrmann)

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