Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Unermüdlicher Seiltänzer: Maurice Béjart ist 80

In seiner langen Karriere war Maurice Béjart für rund 230 Choreografien verantwortlich.

(Keystone)

Der in Lausanne lebende Choreograf wurde bereits am Samstagabend, zwei Tage zum voraus, mit einer Ballettaufführung und einem Galadiner in der Waadtländer Hauptstadt gefeiert.

Seine neusten Kreationen, "Tchekhov au bois dormant" und "La vie du danseur" (Amor-4-Vingt), wurden in den letzten Tagen vor ausverkauften Häusern gespielt.

Trotz seiner 80 Jahre kommt für den bekannten Choreografen eine Pensionierung nicht in Frage. "Ich will weiterarbeiten. Die Arbeit hält mich aufrecht, zuviel Ruhe schadet mir", erklärt Maurice Béjart. Zudem messe er diesem Geburtstag keine "allzu grosse Bedeutung" bei.

Am Samstag haben jedoch die Familie und die Freunde des französischen Tänzers sowie Persönlichkeiten aus Kunst und Politik darauf bestanden, das Ereignis in einem grossen Lausanner Hotel zu feiern. Rund 300 Gäste nahmen an seinem Geburtstags-Galadiner teil.

Die Sopranistin Julia Migenes stimmte das "happy birthday" an und der Schauspieler Jean-Claude Brialy hielt die Festrede. Die ehemalige Leiterin der Tanzschule der Pariser Oper, Claude Bessy war ebenso anwesend wie der Choreograph John Neumeier oder die Iranische Ex-Kaiserin Farah Pahlevi.

Der Abend wurde eröffnet durch die Präsentation von Béjarts beiden aktuellen Kreationen: 'Tchekhov au bois dormant' wurde von seinem Schul-Atelier dargebracht und 'La vie du danseur' (Amor-4-Vingt) durch seine Tanz-Kompanie.

Neues Schauspiel in Sicht

Der am 1. Januar 1927 geborene Maurice Béjart dürfte seinen Geburtstag in seinem Heim, ganz ruhig begehen. "Ich mag das Studio, die Tänzer. Ich erwarte das Ende meines Urlaubs mit Ungeduld. Zwei Wochen sind eine lange Zeit ..."

Bejart arbeitet momentan an zwei Produktionen, eine davon wird im Frühling in Granada zur Aufführung gelangen. Dieses Schauspiel beschäftigt sich mit dem Katholizismus und dem Islam, den beiden Religionen, welche diese spanische Stadt tief geprägt haben.

Der Choreograf schöpft seine Energie bei der Jugend seiner Tanzgesellschaft, sagt aber auch, dass er immer eine gewisse "Lebenshygiene" gehalten hätte. "Man dieses Handwerk nicht so lange ausüben ohne sich einer Disziplin zu unterwerfen, sich zu zwingen. Dies schliesst jedoch einige Exzesse nicht aus!"

Keine Furcht vor dem Tod

Auf die Arbeit seiner Berufskolleginnen und -kollegen angesprochen gesteht Maurice Béjart, "weder Zeit noch Lust zu haben, Aufführungen der anderen zu besuchen. "Ich habe schon so viele gesehen!"

Wenn sich die Gelegenheit bietet wohnt er trotzdem Aufführungen von nahestehenden Choreografen oder Tänzern bei. Bejart hat sich jedoch vorgenommen, künftig weniger zu reisen.

"Ich muss mich ein wenig schonen, weil das Reisen mir mehr Schwierigkeiten bereitet. Die Compagnie hat viele weiter entfernte Verpflichtungen und es stehen Tourneen an. Ich werde ihr im Rahmen meiner Möglichkeiten folgen."

Als Kulturmensch betrachtet er sich als Seiltänzer, der in konstanter Suche nach dem Gleichgewicht ist. Er fürchtet den Tod nicht, denn dieser sei eine Tatsache. "Ich bin davon überzeugt, dass man immer zur richtigen Zeit stirbt." Die Zeit werde von jedem anders wahrgenommen, aber man sterbe zum richtigen Zeitpunkt.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Maurice Béjart hat rund 230 Choreografien ausgearbeitet.

Seine bekanntesten Werke: "Symphonie pour un homme seul" (1955), "Le Sacre du Printemps" (1959), "Boléro" (1961), "L'Oiseau de feu" (1970), "Notre Faust" (1975), "Ring um den Ring" (1990) oder "Le Presbythère...!" (1997).

Infobox Ende

Maurice Béjart

Der am 1. Januar 1927 geborene Maurice Béjart ist der Sohn des Philosophen Gaston Berger. Schon früh findet er Erfüllung im Tanz, "wie in einem Kloster", wie er sagt.

Maurice Béjart lernt sein Handwerk in seiner Geburtsstadt, in Paris und in London. Er macht auch einen Abschluss in Philosophie.

1945 feiert er in Marseille sein Debut., 1954 formiert er seine erste Truppe in Paris.

Sechs Jahre später, in Brüssel wird diese zum "Ballett des XX. Jahrhunderts" und dann, 1987, zum "Béjart Ballet Lausanne, als sich der Choreograph in der Hauptstadt der Waadt einrichtet.

Maurice Béjart hat auch Theaterstücke und Opern in Szene gesetzt. Zudem hat er Filme verwirklicht , mehrere Bücher veröffentlicht und war in der ganzen Welt choreografisch tätig.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×