Urner Vision für die Volksschule soll Lernfreude fördern
Der Kanton Uri hat erstmals eine Vision für die Volksschule erarbeitet, welche deren gewünschte Entwicklung aufzeigen soll. Politik, Schulleitungen und Lehrpersonen stehen hinter dem gemeinsam entwickelten Zielbild.
(Keystone-SDA) Am Freitag vor dem Schulbeginn präsentierten die Verantwortlichen in Altdorf die neue Vision. Sätze wie: «Wir verstehen das Spiel als einen wichtigen Zugang zum erfolgreichen Lernen» oder «Wir nutzen ausserschulische Lernorte und Fachpersonen» stehen darin. Die Vision umfasst fünf Themenfelder und liegt nun auch online auf einer interaktiven Webseite vor.
Martin Drax Zillig hat als Co-Präsident des Verbands der Lehrerinnen und Lehrer Uri am partizipativen Prozess für die Vision mitgewirkt. «Die Vision bietet viele Chancen», sagte er vor den Medien. Sie lade die Lehrpersonen «zum Ausprobieren» ein und stelle die Schulkinder ins Zentrum.
Eine Vision ohne Theorie
Flavio Müller, Präsident der Vereinigung der Schulleiterinnen und Schulleiter Uri, ergänzte: «Die Vision stösst Entwicklungen an, welche die Lernfreude fördern.» Die Einbettung in den Alltag obliegt den einzelnen Lehrpersonen, die damit Anregungen für die Praxis an die Hand bekommen. Die Vision komme ohne Theorie aus, sagte Zillig, der sich davon «begeistert» zeigte.
In der gemeinsamen Umsetzung sollen die Schulen erst eine Standortbestimmung vornehmen und anhand der Vision Entwicklungsschritte ableiten, sagte Müller weiter.
Die Beteiligten hoben vor den Medien insbesondere hervor, wie breit abgestützt die Vision ist. Auch die Schülerinnen und Schüler sowie die allgemeine Bevölkerung konnten sich im partizipativen Prozess einbringen.
Unterschiedliche Ausgangslagen bei zusätzlichem Personal
Zum Start des Schuljahrs tritt auch die revidierte Volksschulverordnung in Kraft. Der Urner Landrat hiess diese im Mai gut. Damit beschloss er die kantonale Mitfinanzierung eines Pools von zusätzlichem Personal für «herausfordernde» Schulklassen. Jede Schule muss 10 Stellenprozente pauschal sowie pro Schülerin und Schüler weitere 0,1 Stellenprozente zur Verfügung stellen.
Diese Lösung schlug der Regierungsrat vor, nachdem die Stimmberechtigten die revidierte Schulverordnung im November 2025 an der Urne ablehnten. Dagegen hatten die Lehrpersonen das Referendum ergriffen, weil der Kanton ursprünglich nicht zur Mitfinanzierung verpflichtet worden wäre.
Die Umsetzung der neuen Regelung für Unterstützung im Klassenzimmer soll bis 1. August 2027 umgesetzt sein, sagte David Zurfluh, Vorsteher des Amts für Volksschulen. Derzeit stünden die Schulen verschiedener Gemeinden noch an unterschiedlichen Punkten. Gewisse Schulen hätten lange gewünschte Stellen bereits ausschreiben und besetzen können, andere hätten noch weniger Bedarf.
Schulen «sehr gut vorbereitet»
Grundsätzlich seien die Schulen «sehr gut vorbereitet» für den Schulbeginn, sagte Bildungsdirektor Georg Simmen (FDP). Alle Lehrpersonenstellen an den Volksschulen seien besetzt.
Die Suche nach Personal gestalte sich schwieriger, je höher die Schulstufe, sagte Zurfluh. Deshalb würden auch einige Primarlehrpersonen auf der Sekundarstufe unterrichten. Derzeit kämen die Urner Volksschulen aber mit «sehr wenigen» Personen ohne Lehrdiplom aus.