Der unaufhaltsame Anstieg des Frankens alarmiert Schweizer Unternehmen
Handelsverbände warnen, der stetige Wertzuwachs des Schweizer Frankens gegenüber anderen Währungen untergrabe die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exporteure.
Der Franken ist dieses Jahr um 3% gegenüber dem US-Dollar gestiegen, zusätzlich zu einem Anstieg von 14% im letzten Jahr. Damit erreichte er erstmals seit seiner schockartigen Aufwertung im Jahr 2015 einen Kurs von 0,77 Franken zum US-Dollar.
In stürmischen Zeiten gilt der Schweizer Franken als sicherer Hafen. Die letzte Aufwertung, angetrieben durch eine volatile Geopolitik und den Wertzerfall des Dollars, erhöht aber den Druck auf eine Wirtschaft, in der die Exporte von Waren und Dienstleistungen mehr als 70% des Bruttoinland-Produkts (BIP) ausmachen.
Das Pharmaunternehmen Roche und der Uhrenhersteller Swatch Group meldeten bei den Verkäufen Einbussen von etwa 5% im Jahr 2025, die sie auf die Aufwertung des Frankens zurückführen, während der Luxusgüterkonzern Richemont, Eigentümer unter anderem von Cartier, ebenfalls währungsbedingte Effekte im Verkauf signalisiert hat.
Branchenverbände sagen, die Lage sei für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) besonders akut, die ihre Einnahmen im Ausland erzielen, während sie die meisten ihrer Kosten im Inland haben.
«Die Aufwertung des Schweizer Frankens sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem US-Dollar untergräbt zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie», sagt Nicola R. Tettamanti, Präsident von Swissmechanic, einem Verband, der KMU aus den Bereichen Maschinen- und Elektrotechnik vertritt.
Zwar können Produktivitätsgewinne Währungsbewegungen kurzfristig ausgleichen, Tettamanti warnt jedoch, dass «diese Herausforderung nicht unbegrenzt ausgeglichen werden kann».
Wenn die derzeitigen Wechselkursbedingungen anhalten, besteht laut Tettamanti das Risiko, dass Investitionsentscheide aufgeschoben werden und die Schweizer Industriebasis sukzessive geschwächt wird.
Doppelte Belastung
Ähnliche Bedenken tauchen in der Chemie- und Pharmabranche auf, die zu den wichtigsten Exportindustrien der Schweiz zählen. Der Pharmariese Roche, der den Grossteil seiner Einnahmen ausserhalb des Landes erwirtschaftet, hat erklärt, dass er mit einem Umsatzrückgang von vier Prozentpunkten in diesem Jahr rechnet.
+ Schweizer Unternehmen erwarten, dass der Schweizer Franken stark bleibt
Laut Stephan Mumenthaler, Direktor von Scienceindustries, dem Branchenverband der Chemiebranche, macht es der gestiegene Kostendruck noch dringlicher, Faktoren wie Marktzugang und innovationsfreundliche Regulierung anzugehen, welche die Schweiz selbst beeinflussen kann.
Schweizer Exporteure waren im vergangenen Jahr einer doppelten Belastung durch Zölle und Währungsstärke ausgesetzt. Die Schweiz und die USA einigten sich im vergangenen Jahr grundsätzlich darauf, zusätzliche US-Zölle auf Schweizer Exporte auf 15% zu begrenzen – gegenüber einem Satz von 39%. Doch das Abkommen wurde lediglich in einer Rahmenvereinbarung festgehalten und nicht in einem vollständig verbindlichen Vertrag.
Beamte auf beiden Seiten verhandeln noch über den rechtlichen Text, die Umsetzung und andere Details, um diese politische Vereinbarung in eine endgültige, durchsetzbare Regelung umzuwandeln.
Der Währungseffekt hat laut Investorinnen und Investoren die Schweizer Aktienkurse gebremst. So blieb der Anstieg des Referenzindexes Swiss Market Index von 2% in diesem Jahr hinter dem Anstieg von 4% für den Stoxx Europe 600 Index und dem Sprung von 5% für den Londoner FTSE 100 Index zurück. Damit setzte sich das Muster der Underperformance von Schweizer Aktien aus dem Vorjahr fort.
Laut der Grossbank UBS erleiden börsenkotierte Schweizer Unternehmen einen durchschnittlichen Gewinnrückgang von 0,9%, wenn der Franken um 1% gegenüber den wichtigen Handelswährungen gewinnt.
«Dauerhafter Zoll»
«Der Schweizer Franken ist eine dauerhafte Zollschranke für Schweizer Unternehmen», sagt Cedric Jacque, Partner bei Lloyd Capital in Zürich.
Ein Rückgang der Bewertungen hat den Vermögensverwalter dazu veranlasst, Wetten auf Unternehmen wie den Zahnimplantat-Hersteller Straumann, den Bau- und Chemiekonzern Sika und das schweizerisch-niederländische Chemieunternehmen DSM-Firmenich einzugehen. Dadurch hält die Firma eine Rekordzahl von Positionen in Schweizer Aktien.
Der Anstieg des Frankens bereitet der Schweizerischen Nationalbank zunehmend Probleme. Sie könnte die Zinsen senken, um die Währung zu bremsen. Da ihr Leitzins jedoch bereits bei 0% liegt, würde eine Senkung eine Rückkehr zu negativen Zinsen bedeuten, was die Politikerinnen und Politiker nicht wiederholen wollen, wie sie gesagt haben.
Swap-Händlerinnen und -Händler setzen die Wahrscheinlichkeit, dass die SNB in diesem Jahr den Leitzins unter null senken wird, bei etwa 30% an.
«Schweizer Aktien gehörten im vergangenen Jahr zu den Märkten mit der schlechtesten Performance, was auf die Stärke des Schweizer Frankens und die Schwäche der europäischen Importeure zurückzuführen ist», sagt Charles-Henry Monchau, Chief Investment Officer bei der Schweizer Bank Syz. «Wir brauchen eine Änderung, damit sich die Stimmung dreht.»
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Übertragung aus dem Englischen mithilfe der KI Claude: Christian Raaflaub
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