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Warum Städte besonders unter Hitze leiden

Keystone-SDA

Bis zu acht Grad heisser als im Umland: Der Hitzesommer trifft Städterinnen und Städter besonders stark. Grund dafür ist der städtische Wärmeinseleffekt. Wie stark dieser wirklich ausfällt und was hinter dem Phänomen steckt - die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viel heisser ist es in Schweizer Städten als im Umland?

(Keystone-SDA) In Schweizer Städten kann es im Sommer punktuell mehr als acht Grad heisser werden als im ländlichen Umland. Untersucht hat das ein Forschungsteam Jacopo Canton von der ETH Zürich während sechs Jahren (2017 bis 2022) für die zehn grössten Städte der Schweiz.

Den grössten maximalen Temperaturunterschied verzeichneten sie dabei in St. Gallen mit bis zu 8,35 Grad Celsius, gefolgt von Basel mit bis zu 6,75 Grad und Zürich mit bis zu 5,92 Grad. Ähnlich hohe Maximalwerte erreichen Genf (5,63 Grad), Lugano (5,37 Grad), Winterthur (5,17 Grad) und Luzern (5,14 Grad).

Etwas weniger ausgeprägt war der maximale Effekt in Bern (4,73 Grad), Lausanne (4,50 Grad) und Biel (4,15 Grad).

Warum erwärmen sich Städte stärker als das Umland?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Materialien wie Beton und Asphalt speichern die Sonnenenergie des Tages hervorragend. Diese gespeicherte Wärme wird in der Nacht langsam wieder an die Umgebung abgegeben, was die Abkühlung verzögert. Das Umland mit seinen natürlichen Böden kühlt schneller aus.

Ausserdem schränken dicht aneinander stehende Gebäude die Luftzirkulation ein. Wärme und Schadstoffe können schlechter abtransportiert werden, und die Wärmeabstrahlung in den Nachthimmel wird behindert.

Gleichzeitig fehlt es in Städten oft an Vegetation und unversiegelten Böden. Pflanzen und feuchte Erde kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung – ein Effekt, der dem Schwitzen auf der menschlichen Haut ähnelt. Da in Städten Regenwasser meist direkt in die Kanalisation abfliesst, statt im Boden zu versickern, entfällt dieser natürliche Kühleffekt grösstenteils.

Zudem geben Verkehr, Industrie, Heizungen und Klimaanlagen zusätzlich Wärme an die städtische Umgebung ab und verstärken den Effekt.

Was bedeutet das für die Menschen, die in den Städten leben?

Die grösste Belastung entsteht nachts. Während die Anzahl der Hitzetage (Maximum über dreissig Grad) in der Stadt nur geringfügig höher ist, ist die Zahl der Tropennächte (Temperatur sinkt nicht unter zwanzig Grad) drastisch erhöht. Daten aus Zürich zeigen beispielsweise, dass an der städtischen Messstation Zürich-Kaserne zwischen 1991 und 2020 im Schnitt acht Tropennächte pro Jahr gemessen wurden, an der ländlicheren Station Zürich-Affoltern im selben Zeitraum praktisch keine.

Diese hohen Nachttemperaturen sind eine gesundheitliche Belastung, da sich der Körper nicht ausreichend erholen kann. Das schwächt die Fähigkeit, die Hitzebelastung des folgenden Tages zu verkraften.

Wie entwickelt sich die Hitzebelastung in Zukunft?

Die Klimaszenarien für die Schweiz (CH2025) zeigen eine deutliche Zunahme der Hitzebelastung, die in den Städten überproportional stark ausfallen wird. Im heutigen Klima zählen die Stadtzentren in der Schweiz im Schnitt weniger als sieben Tropennächte pro Jahr, wie eine im vergangenen April im Fachmagazin «City and Environment Interactions» veröffentlichte Studie zeigte. Bei einer Klimaerwärmung von drei Grad Celsius würde diese Zahl auf durchschnittlich über 37 Tropennächte ansteigen.

Auch die Zahl der Hitzetage wird gemäss der Studie markant ansteigen. Im heutigen Klima verzeichneten die untersuchten Städte im Schnitt weniger als 15 Tage pro Jahr mit Temperaturen von dreissig Grad oder mehr. Bei einer globalen Erwärmung von drei Grad würde diese Zahl in den Stadtzentren auf über vierzig Tage ansteigen.

Forschende erwarten aber nicht, dass sich der Unterschied zwischen den Temperaturen in Stadt und Umland massgeblich verstärkt durch den Klimawandel. Vielmehr hänge die Intensität der städtischen Wärmeinsel von der Bebauung ab, wie Jacopo Canton auf Anfrage von Keystone-SDA erklärte.

Was lässt sich gegen die Hitze tun?

Gegen städtische Überhitzung können städtebauliche Anpassungen helfen. Durch die Entsiegelung von Flächen wird Regenwasser im Boden gespeichert und sorgt für Kühlung durch Verdunstung. Mehr Bäume, Parks sowie Dach- und Fassadenbegrünungen spenden Schatten und senken die Temperatur zusätzlich. Zudem halten durchdachte Gebäudeanordnungen wichtige Kaltluftschneisen frei, damit nächtliche Frischluft aus dem Umland durch die Innenstadt strömen kann.

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