Wie von Nolan beabsichtigt: «The Odyssey» im Format IMAX-70-mm
Nur 41 Kinos weltweit und keines in der Schweiz können "The Odyssey" so zeigen, wie es sich Regisseur Christopher Nolan eigentlich vorstellt: in IMAX-70-mm. Filmhistoriker Charles-Antoine Courcoux von der Universität Lausanne erklärt, was es damit auf sich hat.
Was ist IMAX-70-mm?
(Keystone-SDA) Regisseur Christopher Nolan hat die Technologie bereits für einige seiner Filme eingesetzt – allerdings nur für einzelne Szenen. «The Odyssey» ist der erste Spielfilm, der vollständig mit IMAX-70-mm-Kameras gedreht wurde.
Bis anhin waren die imposanten grossen Kameras so laut, dass die Dreharbeiten schwierig waren. Im Auftrag der kanadischen IMAX-Corporation wurden neue Kameras entwickelt. Damit erzählt Nolan nun in einem ungewöhnlich hohen Bildformat, das fast quadratisch ist. In der Filmsprache spricht man vom «Seitenverhältnis 1,43:1».
Man könne das 70-mm-Format nicht mit heutigen Massstäben betrachten, sagt Charles-Antoine Courcoux zu Keystone-SDA. «Es geht nicht um Auflösung im Sinn des digitalen Bildes, sondern um eine visuelle Qualität, die beeindruckend ist.» Dieses Format gehe einher mit «einer aussergewöhnlichen Bildschärfe» – einer bemerkenswerten Klarheit und Präzision – und einem hohen Mass an Immersion.
Gibt es «echtes» und «falsches» IMAX?
Nur 41 Kinos weltweit – darunter eine Handvoll in Europa – sind überhaupt dafür ausgerüstet, «The Odyssey» in dem von Christopher Nolan bevorzugten Format zu zeigen. Die meisten davon befinden sich in den USA.
Logistische, technische und finanzielle Einschränkungen erklären ihre Seltenheit. «Die 70-mm-IMAX-Filmrollen sind riesig», sagt Courcoux. Diese Filme sind kilometerlang und die Filmrollen wiegen oft mehr als 100 Kilogramm.
Zahlreiche Kinos zeigen den Film daher im digitalen Format mit Lasertechnik. Auch wenn das Seitenverhältnis sich von dem einer analogen Vorführung (1,90:1) unterscheidet, behalten die Leinwände dennoch ihre charakteristische monumentale Grösse bei, und das Format ist höher als bei einer «klassischen» Vorführung.
Warum ist die Technologie gerade jetzt ein Thema?
«Immer dann, wenn die Branche einem verstärkten Wettbewerb ausgesetzt ist, muss sie innovativ sein, um den Mehrwert des Kinoerlebnisses hervorzuheben», sagt Courcoux. Das technische Argument stehe somit in Zusammenhang mit der Werbebotschaft.
In den 1950er Jahren fiel der Aufschwung des Fernsehens mit der Einführung des damals revolutionären CinemaScope-Verfahrens zusammen. Damit war ein Panorama-Bild möglich geworden. In den 2000er Jahren machte sich James Cameron mit dem Blockbuster «Avatar» zum Botschafter des 3D-Kinos. Und heute ist Streaming der Hauptkonkurrent des Kinos.
Christopher Nolan verteidigt demnach die Idee eines Kinoerlebnisses, das auf audiovisuelle Qualität und die Authentizität des Spektakels setzt, meint Courcoux und verweist auf die monumentale Bildgestaltung des Regisseurs. Dabei gehe es nicht darum, «Nolans Aufrichtigkeit in Frage zu stellen, sondern darum zu verstehen, warum er das Filmformat und die Technik im Rahmen seiner Werbung hervorhebt».
Warum gelten für «The Odyssey» nur Superlative?
Eine Rolle spiele «die Frage der Aura und des Prestiges» der Persönlichkeit des Regisseurs, sagt der Filmhistoriker, dessen Forschungsschwerpunkt auch auf Filmstars liegt.
Und: Einen Spielfilm in einem IMAX-Saal anzusehen – ob nun in 70 mm oder nicht – bleibe «ein audiovisuelles Erlebnis», das über das Bild hinaus den Ton in den Vordergrund rückt, der übrigens ein wichtiger Bestandteil von Nolans Film sei. In einem solchen Saal «können sogar die Kleider vibrieren», meint Courcoux. Wie Nolan selber sage, gehe man in seine Filme, «um beeindruckt zu werden».
Dabei rühren die Effekte, die ein solcher Film erzeugt, sowohl aus der Erzählung – in diesem Fall einer mythologischen Fabel – als auch aus dem Spektakel. «Nolans Stärke liegt darin, beides miteinander zu verbinden.» Der Kinostart von einem seiner Filme sei ein kulturelles Phänomen für sich.
Wo kann man den Film in der Schweiz sehen?
Neben den «klassischen» Kinos gibt es sieben Kinosäle, in denen man den Film in IMAX sehen kann, wobei die Vorführung digital und nicht im 70-mm-Format erfolgt. Sie werden alle von Pathé oder blue Cinema betrieben. Zu beachten ist, dass der Preis für eine IMAX-Vorstellung in der Regel höher ist und je nach Ort und Betreiber variieren kann.
blue Cinema Abaton in Zürich, Leinwand 16,5 x 9 Meter, 277 Plätze, eröffnet 2025
Pathé Balexert in Genf, Leinwand 18,91 x 10,48 Meter, 316 Plätze, Projektor 2024 installiert
Pathé Westside in Bern, Leinwand 19 x 10,3 Meter, 438 Plätze, installiert im Jahr 2024
blue Cinema in Chur, Leinwand 20,4 x 10,75 Meter, 323 Plätze, Eröffnung 2022
blue Cinema Cinedome Muri (bei Bern), Leinwand von 20,5 x 11,3 Metern, 350 Plätze, eröffnet 2018
Pathé Mall of Switzerland in Ebikon LU, Leinwand 22,5 x 12,48 Meter, 421 Plätze, 2017 eröffnet
Pathé Spreitenbach in Baden (AG), Leinwand 24,4 x 13,8 Meter, 360 Plätze, eingerichtet 2019