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Windkraftausbau in Europa liegt hinter Erwartungen

Keystone-SDA

Europa hinkt seinen Zielen für die Windenergie weiter deutlich hinterher. Um das Ziel von mehr als 40 Prozent erneuerbarer Energie bis 2030 zu erreichen, muss es in der EU auch deutlich mehr Windräder geben. Laut Windindustrieverband geht der Ausbau zu langsam.

(Keystone-SDA) Verbandsangaben zufolge wurden auf dem Kontinent an Land und auf See nach ersten Schätzungen im vergangenen Jahr Windräder mit einer Gesamtleistung von 17 bis 18 Gigawatt (GW) errichtet. «Das ist deutlich unterhalb dessen, was Europa braucht», hiess es vom Verband WindEurope.

Schon im September hatte der Industrieverband seine Prognose für 2025 von 22,5 GW auf 19 GW abgesenkt. Probleme seien etwa ein geringes Tempo bei der Elektrifizierung, Engpässe im Stromnetz sowie anhaltende Genehmigungsprobleme, hatte es geheissen.

Bis 2030 sollen erneuerbare Energien 42,5 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in der Europäischen Union ausmachen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss unter anderem Windkraft deutlich ausgebaut werden.

Geschäftsführerin: Geopolitische Situation könnte helfen

WindEurope-Geschäftsführerin Tinne van der Straeten ist dennoch optimistisch. «Es stimmt, dass wir hinterherhinken und die ursprünglich festgelegten Ziele noch nicht erreichen», sagt die ehemalige Energieministerin Belgiens. Mit den nationalen Vorhaben und Industrieakteuren, die Marktführer seien, sei die Branche aber insgesamt in einem guten Zustand. «Natürlich kann niemand garantieren, dass das Ziel erreicht wird, aber wir müssen darauf hinarbeiten», so van der Straeten. «Wenn man also kein klares Ziel hat, wird man niemals dorthin gelangen.»

Die geopolitischen Unsicherheiten könnten dazu beitragen, die Windenergie voranzutreiben, sagt van der Straeten weiter. «In einer instabilen geopolitischen Welt müssen wir unsere Basis absichern.» Das bedeute, jederzeit Zugang zu verlässlicher und bezahlbarer Energie zu haben. «Aktuell ist Europa noch sehr energiearm und stark von Importen fossiler Brennstoffe abhängig, wie Gas, LNG und Öl. Um dies durch saubere Quellen und Strom zu ersetzen, können wir die Windenergie an Land und auf See nutzen.»

Deutschland an der Spitze

Deutschland gilt derweil als Musterschüler beim Ausbau der Windkraft. Zuletzt wurden nirgendwo so viele neue Windräder errichtet wie hierzulande. Nachholbedarf sieht van der Straeten bei den sogenannten Contracts for Difference – einem Förderinstrument, das dabei helfen soll, Investitionen abzusichern und Planungssicherheit zu geben. «So wie die Genehmigungen beschleunigt wurden, sollte jetzt auch dieses Förderinstrument schnell umgesetzt werden», sagt die Belgierin.

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