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20 Jahre Fondation Beyeler Alles begann mit Monets Seerosen



Claude Monets "Seerosen" sind noch noch bis zum 28. Mai 2017 in der Fondation Beyeler zu bestaunen.

Claude Monets "Seerosen" sind noch noch bis zum 28. Mai 2017 in der Fondation Beyeler zu bestaunen.

(Keystone)

Die Fondation Beyeler, das meistbesuchte Kunstmuseum der Schweiz, feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag. Seit knapp zehn Jahren ist Sam Keller ihr Direktor. Im Interview spricht der international bekannte Kurator über die Kunst des Ausstellens, Claude Monets Seerosen und das geplante zweite Haus der Fondation.

swissinfo.ch: Die Fondation Beyeler hat sich in 20 Jahren zum meistbesuchten Kunstmuseum der Schweiz entwickelt. Was waren die wichtigsten Schritte auf diesem Weg?

Sam Keller: Das Museum, das zu Beginn nur aus einer Sammlung bestand, erweiterte sich zu einem Haus mit internationalen Ausstellungen – das war ein grosser und wichtiger Schritt. Nach dem Tod der Gründer Ernst und Hildy Beyeler war entscheidend, dass die Fondation Beyeler auf vielen Schultern ruhte.

Und dann zählt natürlich der Inhalt: Das Museum hatte schon immer einen besonderen Schwerpunkt in der Moderne und einen in der Gegenwart. Unsere Gründer haben gesagt, wir wollen keine Ausstellungen für einen kleinen Zirkel machen, sondern Kunst ans breite Publikum vermitteln und das Interesse für Kunst wecken. Dazu gehört, bekannte Künstler zu zeigen, aber auch, zeitgenössische Künstler bekannt zu machen.

Die Fondation Beyeler wurde vom Sammlerehepaar Ernst und Hildy Beyeler (†2008/ †2006) gegründet. Sie führten ab 1952 in Basel die Galerie Beyeler und trugen während 50 Jahren Werke der klassischen Moderne zusammen. 1982 überführten sie ihre Sammlung, die zunehmend internationale Beachtung fand, in eine Stiftung. 1997 eröffneten die Beyelers ihr eigenes Museum, das sie sich vom italienischen Architekten Renzo Piano in den weitläufigen Berower Park in Riehen bauen liessen.

Eine legendäre Ausstellung der ersten Jahre war "Die Magie der Bäume", an der Christo und Jeanne-Claude die Bäume des Parks einpackten. Inzwischen ist die Sammlung Beyeler auf rund 300 Exponate von 74 Künstlerinnen und Künstlern angewachsen, und die Fondation Beyeler ist das meistbesuchte und auf internationaler Ebene erfolgreichste Kunstmuseum der Schweiz. Den letzten Besucherrekord erzielte das Museum 2015 mit rund 480’000 Eintritten anlässlich der Ausstellung "Paul Gauguin". 2017 feiert die Fondation Beyeler ihren 20. Geburtstag mit einem herausragenden Ausstellungsprogramm, Monet, Tillmans, Sehgal und Klee.

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swissinfo.ch: Ihre Publikumsrekorde erzielen Sie jeweils mit den ganz grossen Namen, zuletzt mit der Gauguin-Schau 2015.  

S.K.: Klar, die berühmten Künstler ziehen mehr Leute an. Hier ist es wichtig, einen neuen Blick auf diese zu bieten, einen neuen Aspekt zu zeigen. Dann kann man auch Bekanntes neu kennenlernen. 

swissinfo.ch: Ganz allgemein: Was ist eine gute Ausstellung?

S.K.: Eine gute Ausstellung wählt interessante Kunstwerke von relevanten Künstlern aus und stellt diese in einen sinnvollen Zusammenhang. Sie ist mehr als die Summe ihrer Teile, sprich sie trägt zu einem besseren Verständnis dieser Kunstwerke bei. Dann gibt es die persönliche Ebene: Bewegt und interessiert mich das, was ich sehe? Löst es etwas aus? Eine gute Ausstellung hat ausserdem immer auch etwas über unsere Zeit zu sagen.

swissinfo.ch: Monets Seerosen-Triptychon ist eines der bekanntesten Werke Ihrer Sammlung, zudem verweist es auf den umliegenden Museumspark. War die Monet-Schau als Auftakt ins Jubiläumsjahr schon fast ein Muss?

S.K.: Das Schöne an diesem Museum ist, dass wir eben nichts müssen, aber vieles dürfen und können. Wir hatten einfach Lust darauf. Aber tatsächlich spielt Monet für unsere Institution eine wichtige Rolle: Das Seerosen-Bild war für Ernst Beyeler ein Anlass, das Museum überhaupt und in dieser Form zu bauen.

swissinfo.ch: Was können uns Monets Werke in einer globalisierten Welt, die vielen Menschen Angst einjagt, sagen?

S.K.: Monets Bilder gelten gemeinhin als schön, das heisst aber noch lange nicht, dass sie inhaltlich und formal nicht spannend sind. Monet hat in einer politisch krisenhaften Zeit gelebt. Die Industrialisierung belastete die Menschen, und der erste globale Krieg war im Anrollen. Gerade dann nahm Monet die Natur in den Blick und schuf kontemplative Bilder.

Die Sehnsucht nach dem Naturerlebnis und nach Entschleunigung ist auch heute stark präsent. Kunst kann politisch sein, ohne dass sie das darstellt. Vielleicht ist ihre Wirkkraft dann sogar noch stärker, wenn sie das Schöne in den Blick nimmt. Monet macht Veränderung sichtbar und hat unseren Blick auf die Welt entscheidend geprägt.

swissinfo.ch: Im Jubiläumsjahr zeigen Sie auch drei Sammlungsausstellungen. Wie hat sich die Sammlung entwickelt?

S.K.: Wir haben die Sammlung vor allem in die Gegenwart erweitert. Ernst Beyelers Freunde und Zeitgenossen waren Giacometti oder Picasso. Wir versuchen jetzt, einige der wichtigsten Künstlerinnen und Künstler unserer Zeit zu sammeln. Mit Betonung auf Künstlerinnen - denn lange waren keine weiblichen Positionen dabei. Zu Lebenszeiten der Gründer wuchs die Sammlung auf 225 Werke, heute sind es insgesamt rund 300, alle von Museumsqualität.

Sam Keller (51) wuchs in Basel auf und studierte unter anderem Kunstgeschichte und Philosophie. Schon während seines Studiums arbeitete er für die Art Basel. 1994 wurde er deren Kommunikationsleiter, von 2000 bis 2007 leitete er die internationale Kunstmesse. 2002 rief er die Art Basel Miami Beach ins Leben. 2007 holte ihn der Basler Galerist Ernst Beyeler zur Fondation Beyeler in Riehen. Seither amtet er als Direktor des Museums. 2016 erhielt Keller von der Universität Basel den Ehrendoktortitel.

(Keystone)

swissinfo.ch: Sie sind nun seit fast 10 Jahren Direktor der Fondation Beyeler. Sie sagten einmal, dass Sie sich hier – in kuratorischer Hinsicht – vom Floristen zum Gärtner entwickelt haben. Was sind Sie heute, Landschaftsplaner?

S.K.: (Lacht) Nein, nein. Aber es gibt kleine und grosse Gärten: Monet ist definitiv ein grosser. Und hier bin ich sicher in einem Garten tätig, der wächst und gedeiht.

swissinfo.ch: Die Fondation Beyeler hat in Riehen einen weiteren Park gekauft. Darin wird der Schweizer Architekt Peter Zumthor einen neuen, zusätzlichen Museumsbau schaffen. Was wird darin stattfinden?

S.K.: Es ist ein wunderbarer Park mit alten Bäumen, auf den wir uns sehr freuen. Bisher ist er privat und wird dann öffentlich zugänglich gemacht werden. Im neuen Haus werden wir natürlich mehr Kunstwerke insbesondere aus unserer und unseren Partnersammlungen ausstellen.

Zudem wird es einen Raum für kulturelle Veranstaltungen geben, wo wir Konzerte, Tanzvorführungen, Künstlergespräche, Podiumsdiskussionen oder Filmvorführungen besser organisieren können. Unser Museum wird dadurch nicht nur räumlich, sondern auch konzeptionell erweitert und in die Zukunft entwickelt.

swissinfo.ch: 2012 liessen sie Louise Bourgois’ Spinne durch Schweizer Städte wandern, 2016 bauten Sie mit Tobias Rehberger einen Kunst-Wanderweg nach Deutschland. Wird es Ihnen in Riehen zu eng?

S.K.: Nein, die Kunst im öffentlichen Raum war für die Fondation Beyeler immer wichtig. Ernst Beyeler hat schon 1980 eine Ausstellung in einem Basler Park gemacht. Für mich als Schüler war das damals eine grosse Überraschung. Ich war noch nie im Museum und sah dort Kunstwerke von Giacometti und Miro. Es war ein Public-Art-Werk, welches die Fondation einem grossem Publikum bekannt machte: nämlich die eingepackten Bäume von Christo und Jeanne-Claude 1998. Wir machen jedes Jahr ein Projekt dieser Art, zuletzt mit Santiago Sierra und Tobias Rehberger und als nächstes mit Ernesto Neto.

swissinfo.ch: Ernst Beyeler war ein wichtiger Förderer Ihrer Karriere, zum Ende verband Sie eine enge Freundschaft. Fragen Sie sich bei solch grossen Schritten oft, was seine Meinung wäre?

S.K.: Früher habe ich bei schwierigen Entscheidungen immer ihn konsultiert, heute habe ich zum Glück unseren Präsidenten, unseren Stiftungsrat, den künstlerischen Beistand und meine Kolleginnen , die mir gute Ratschläge geben können. Aber ich fahre ab und zu bei seinem Grab im Friedhof Hörnli vorbei. Dann denke ich: 'Ich hoffe, das ist okay für Dich, oder ich wünschte, Du hättest das gesehen'. 

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