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Krisenerprobt, offen, direkt: Das ist die Schweizer Botschafterin im Libanon


Dieser Inhalt wurde am 06. August 2020 - 14:43 publiziert
Eva Hirschi, Aargauer Zeitung/CH Media
Klar, direkt und unkompliziert: Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz (links) und Alain Berset (3. von links) unterhalten sich 2018 anlässlich des Besuchs des Schweizer Bundespräsidenten im Libanon mit syrischen Flüchtlingen. Das Treffen fand im Lager Tall Mayaan statt. © Keystone / Peter Klaunzer

Bei der verheerenden Explosion von Dienstagabend im Hafen von Beirut wurde auch Monika Schmutz Kirgöz, die Schweizer Botschafterin im Libanon, verletzt. Allerdings nur leicht, so dass sie ihren Dienst bereits wieder aufnehmen konnte. Wer ist unsere Frau im Libanon? Die gebürtige Baslerin gilt als krisenerprobt, umgänglich und kann sich durchsetzen.

Die Bilder zeigen verwüstete Räume: Auch die Schweizer Botschaft wurde bei der Explosion Dienstagnachmittag in der Hauptstadt des Libanons schwer beschädigt. Dabei wurden Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz sowie ein lokaler Mitarbeiter leicht verletzt.

Der schlimmste Moment ihrer bisherigen Karriere: Die Schweizer Botschafterin Monika Schmutz Kirgöz wurde bei der desaströsen Explosion vom Dienstag in Beirut leicht verletzt. EDA

"Zum Zeitpunkt der Explosion war ich in meinem Büro. Die Druckwelle hat mich mit aller Kraft erfasst und wortwörtlich durch den Raum geschleudert", sagt die Botschafterin in einem Interview mit dem Mediendienst des Aussendepartements.

Zu Fuss und von Arbeitskollegen begleitet, sei Schmutz Kirgöz zu einem nahe gelegenen Spital gelaufen: "Die ganze Strasse war ein Teppich aus Blut und Scherben." Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut, bereits am Mittwoch nahm sie ihre Arbeit wieder auf – wenn auch an einem anderen Ort.

Die Botschaft bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Es herrscht Krisenmodus: Zurzeit prüft die Botschaft, inwiefern die Schweiz den Libanon konkret unterstützen kann (siehe Box),

Freundliche Persönlichkeit, die Probleme direkt angeht

Es ist eine weitere Herausforderung, die sich in das bereits voluminöse Dossier der Botschafterin einreiht. Flüchtlingskrise, Massenproteste gegen die Regierung, Wirtschaftskrise, Armut und Hunger, strenge Massnahmen wegen des Coronavirus – das Land kommt seit Monaten nicht zur Ruhe. Auch nicht Schmutz Kirgöz: Jüngst wurde vor ihrer Botschaft protestiert und gefordert, das Geld der korrupten Elite auf Schweizer Bankkonten zu blockieren und der libanesischen Bevölkerung zurückzugegeben.

Die gebürtige Baslerin, die 1996 in das diplomatische Corps eintrat, ist allerdings krisenerprobt. Mit Stationen in Israel und in der Türkei ist sie sich das Arbeiten in Ländern, die immer wieder im Brennpunkt regionaler Spannungen stehen, gewohnt. Diese Erfahrung und Fachkenntnis der Gegend wird ihr von Kollegen hoch angerechnet.

Schweizer Expertenteam nach Beirut

Das schweizerische Aussenministerium (EDA) hat am Donnerstag ein Team von Spezialistinnen und Spezialisten in den Libanon entsandt. Die Fachleute des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) stammen aus den Bereichen Bau, Logistik und Kommunikation. Sie werden in der grossflächig zerstörten Millionenstadt vorwiegend die Stabilität von Gebäuden prüfen. Ihr Augenmerk liegt insbesondere auf öffentlichen Bauten wie Spitäler und Schulen.

Die Schweiz leistet zudem Soforthilfe an das Libanesische Rote Kreuz in Höhe von 500'000 Franken.

swissinfo.ch

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Auch sonst ist Schmutz Kirgöz beliebt: Sie sei eine entschlossene, offene und freundliche Persönlichkeit mit sicherem Auftreten, die Probleme direkt angehe, heisst es aus Diplomatenkreisen.

Eine untypische Botschafterin, die "Klartext sprechen kann"

Im Libanon, wo sie seit drei Jahren die Schweizer Mission leitet, sind ihre Aufgaben facettenreich: humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Menschenrechte, Migration, Politik, Kultur – überall ist die 51-jährige Schweizerin engagiert. Ihr Arbeitstag dauert oftmals 16 Stunden.

Dieser Einsatz wird in Bundesbern geschätzt: 2018 stattete der damalige Bundespräsident Alain Berset der Botschaft einen Besuch ab. Die beiden Länder haben sehr enge Beziehungen, vor dem Krieg wurde der Libanon auch "die Schweiz des Nahen Ostens" genannt. Aktuell leben 1500 Schweizer Bürgerinnen und Bürger im Land.

Schmutz Kirgöz ist aber auch sehr umgänglich. Anders als andere Botschafter ist sie nicht medienscheu. "Sie ist eine eher untypische Botschafterin, weil sie Klartext sprechen kann", sagt der Zürcher Nationalrat Fabian Molina.

Der SP-Politiker, der sich im Parlament gegen libanesische Potentatengelder auf Schweizer Bankkonten einsetzt, hat die Botschaft in Beirut vergangenen Oktober besucht. Er habe Schmutz Kirgöz als gut vernetzte und kompetente Botschafterin erlebt. "Zudem ist sie eine der wenigen Frauen in dieser männergeprägten Szene und weiss sich durchzusetzen." Tatsächlich sind von den 110 Missionschefs mit Botschaftertitel nur ein Viertel Frauen.

Schmutz Kirgöz sieht sich denn auch als Feministin; Frauenförderung liegt ihr am Herzen. Auch ist sie ein Beweis dafür, dass Frauen Karriere und Familie vereinen können: Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Söhnen.

Der Artikel erschien am 5. August 2020 in der Aargauer Zeitung, einer Publikation der Gruppe CH-Media.

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