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Das iPhone ist zehn Jahre alt "Grosser Sieger der Industrie ist Google"

Steve Job hält lächelnd ein IPhone in die Kamera

Das waren noch Zeiten: 2007 hielt Steve Jobs das neue iPhone in die Kamera.

(Keystone)

Apple-Chef Tim Cook stellt heute die neuste Version des iPhones vor. Die Präsentation sorgt dieses Jahr für noch mehr Wirbel als sonst: Vor zehn Jahren kam das erste iPhone auf den Markt und revolutionierte die Mobiltelefon-Industrie. Fans der Marke sehen Apple gar als eigentlichen Erfinder des Smartphones. Eine Behauptung, die Xavier Studer, ein Experte für neue Technologien, relativiert.

Noch vor der Präsentation hagelte es in Internet-Foren bereits Kommentare. Während die eine Seite das iPhone in den Himmel hebt und die andere es an den Pranger stellt, bleibt etwas klar: Kommt ein neues Modell auf den Markt, ist das noch immer ein Ereignis.

Xavier Studerexterner Link, Autor eines Blogsexterner Link über neue Technologien und Telekommunikation, hat die Entwicklung des Mobiltelefon-Markts in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt.

swissinfo.ch: Was halten Sie vom Wirbel um die Präsentation des neuen iPhones?

Xavier Studer: Das iPhone war zweifellos ein Meilenstein, dennoch finde ich den ganzen Wirbel etwas überraschend; man könnte manchmal den Eindruck gewinnen, Apple habe das Smartphone erfunden, was falsch ist. Denn auch andere Firmen wie Palm, IBM, Nokia oder Ericsson hatten reichlich Arbeit investiert, um das Material und die Netzwerke zu entwickeln, die es brauchte, um Smartphones bauen und kommerzialisieren zu können.

Apples grosser Beitrag ist, dass das Unternehmen den Touchscreen – den es übrigens nicht erfunden hat – für eine breite Allgemeinheit nutzbar machte und eine sehr benutzerfreundliche und wirklich auf Mobilität ausgelegte Schnittstelle entwickelte. Diese Schritte prägten die Geschichte des Smartphones deutlich. Das erste iPhone brachte eine grundlegende Umwälzung in Sachen Benutzerfreundlichkeit und Ergonomie.

Apple wusste immer die Werte zu nutzen, die den Erfolg des Unternehmens ausmachen, das heisst, benutzerfreundliche Geräte. Früher war es zum Beispiel sehr kompliziert, auf einem Smartphone Software zu installieren. Mit der Schaffung des App Store wurde es jedoch für alle Benutzerinnen und Benutzer sehr einfach, kleine Apps herunterzuladen, die den Erfolg des iPhones ausmachen sollten.

swissinfo.ch: Auch wenn Apple das Smartphone nicht erfunden hat, kann man sagen, dass der Konzern diese mobilen Geräte demokratisierte, indem er deren Gebrauch einfacher machte?

X.S.: Man darf nicht vergessen, dass parallel zum iPhone auch das Android-Betriebssystem entstand. Zu sagen, das iPhone habe das Smartphone demokratisiert, ist also etwas übertrieben. Es trug zwar zu der explosionshaften Entwicklung bei, war aber nicht allein.

Betrachtet man die Marktanteile heute, sehen diese für Apple nicht mehr eben gut aus. Grosser Sieger der Smartphone-Industrie ist Google mit seinem Android-System und einem Anteil von 85% der Verkäufe weltweit.

Der Tech- und Kommunikations-Journalist Xavier Studer verfolgt die Entwicklung der Mobiltelefonie seit Jahren.

(Xavier Studer)

swissinfo.ch: Die Schweiz ist ein etwas spezieller Markt. Hier machen iPhones rund die Hälfte aller Mobiltelefone aus. Wie lässt sich das erklären?

X.S.: Diese Besonderheit kommt davon, dass die Schweizer immer sehr auf Apple-Produkte standen. Die Konzentration der Mac-Computer liegt hier höher als im Durchschnitt, und es ist klar, dass ein iPhone sehr gut mit einem Mac funktioniert. Die beiden Geräte bilden ein sehr gut integriertes Ökosystem.

Auch die hohe Kaufkraft in der Schweiz mag ein Grund sein, wieso die Leute hier eher die relativ teuren Apple-Produkte kaufen.

swissinfo.ch: Die Schweizer Mobilfunkunternehmen können zudem teure Geräte wie ein iPhone einfacher subventionieren, da sie diese Auslagen dank der Telekommunikationskosten, die sehr viel höher sind als im Ausland, wieder wettmachen können.

X.S.: Das ist etwas allzu vereinfachend, denn es geht nicht nur um die Telekommunikationskosten. Die hohen Tarife begünstigen aber in der Tat indirekt die grosse Verbreitung von sehr teuren Geräten. In gewisser Weise verzerrt dies den Wettbewerb beim Geräteverkauf, weil die günstigeren Geräte "bestraft" werden!

swissinfo.ch: Was gibt es zehn Jahre nach Einführung des iPhones denn noch zu erfinden? Es macht den Anschein, als ob sich alles im Kreis dreht...

X.S.: Das Produkt ist noch nicht total ausgereift. Die Geräteautonomie etwa ist ein Bereich mit einem gewaltigen Verbesserungspotenzial! Mit der heutigen Grösse der Bildschirme und unseren Anforderungen bei der Geolokalisation oder der Datenübertragung verbrauchen wir sehr viel Energie. Hier gibt es noch Möglichkeiten für eine weitere Entwicklung, zum Beispiel die Erzeugung von Strom mit Sonnenkollektoren oder durch Umwandlung der kinetischen Energie des Geräts.

Man könnte auch den Energieverbrauch der Prozessoren senken. Zurzeit ist es schwierig, eine bestimmte Entwicklungsachse zu erkennen, vielleicht allenfalls die Künstliche Intelligenz...

Ruée sur le premier iPhone à Genève en 2008

Video: 10 Jahre iPhone

SRF News: 10 Jahre iPhone

swissinfo.ch: Windows Phone von Microsoft schaffte den Durchbruch nicht, Nokia gab sein Symbian auf, Blackberry kämpft ums Überleben. Gibt es im Markt wirklich nur Platz für zwei Akteure?

X.S.: Schwer zu sagen. In der Welt der Informatik stehen zwei grosse Betriebssysteme im Vordergrund: Microsoft Windows und MAC OS. Nebst diesen gewinnt das System von Google langsam Marktanteile, während Linux es nie schaffte, in der breiten Öffentlichkeit Fuss zu fassen, sondern ein Nischenprodukt blieb. Auf dem Computermarkt ist eine dritte Position also möglich, aber nicht einfach zu erreichen.

Analog könnte man sagen, dass es auch für ein Betriebssystem auf dem Mobiltelefon-Markt Platz für einen dritten Anbieter geben sollte. Viele versuchten dies, aber keiner schaffte bisher den Durchbruch, wahrscheinlich weil keiner etwas wirklich Innovatives vorlegen konnte.

Mit Windows Phone hatte Microsoft zwar ein gutes Produkt, dem aber die wirklich neuen Aspekte für eine Durchsetzung auf dem Markt fehlten. Zudem machte Microsoft eine Reihe industrieller und kommerzieller Fehler, die dazu führten, dass Nokia vorübergehend vom Smartphone-Markt verschwand.

Dazu kommt, dass dieser Markt sehr komplex ist. Man muss zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Produkt und der richtigen Strategie auftreten. Hat man, wie zum Beispiel Microsoft, starke Verteilkanäle, kann man sich vorstellen, ein neues System auf den Markt zu bringen. Ein dritter Platz ist theoretisch möglich, aber es ist schwierig, sich vorzustellen, wer die Mittel hat, diesen einzunehmen.

swissinfo.ch: Im Internet streiten Anhänger und Gegner von iPhone und Android oft leidenschaftlich miteinander. Wie sehen Sie diesen Kleinkrieg?

X.S.: Es ist immer wieder lustig und unglaublich zu sehen, dass es Leute gibt, die von ihrer Marke derart fasziniert sind, dass sie jegliche Objektivität verlieren. Betrachtet man es jedoch mit etwas Abstand, sieht man, dass es der Kampf zwischen diesen Riesen ist, der die Entwicklung voranbrachte.

Dieser Kampf löste ein Rennen um neue Funktionen aus, das ganze Smartphone-Ökosystem entwickelte sich weiter. Dabei gingen aber vielleicht auch Erfolgselemente aus der Anfangszeit etwas verloren, diese Einfachheit des iOS etwa.

Es ist zudem viel zu einfach, sich nur auf eine Marke konzentrieren zu wollen. Insgesamt führte dieser Kampf dazu, dass sich der Markt stets weiterentwickelte.

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