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AKW-Betreiber: Rascher Ausstieg aus der Kernkraft würde 40 Milliarden Franken kosten

40 Milliarden Franken würde nach einer von den AKW-Betreibern veranlassten Studie ein rascher Ausstieg aus der Kernkraft kosten. Anlass dafür waren die letztes Jahr eingereichten Volksinitiativen. AKW-Gegnern weisen die Studie zurück.

Die Stilllegung der Kernkraftwerke, wie sie die Volksinitiative «Strom ohne Atom» verlangt, würde die schweizerische Volkswirtschaft rund 40 Milliarden Franken kosten. Dies hat eine im Auftrag der fünf KKW erstellte Studie errechnet. AKW-Gegnern weisen die Studie zurück.

Für einen Ausstieg gemäss der Volksinitiative «Moratorium plus» wurden Kosten von 29 Milliarden Franken ermittelt. Wie der Basler Wirtschaftsprofessor Silvio Borner am Dienstag (22.02.) vor den Medien in Bern sagte, stellten die Initiativen eine politische Schocktherapie dar, die einem Kapitalverlust durch ein Erdbeben gleich käme.

Nach «Strom ohne Atom» müssten Beznau I und II (Bild) sowie Mühleberg zwei Jahre nach Annahme der neuen Verfassungsbestimmung stillgelegt werden. Gösgen und Leibstadt wären nach maximal 30 Betriebsjahren abzustellen. Die Stromversorgung soll mit nichtnuklearen Energiequellen sichergestellt werden.

«Moratorium plus» verlangt eine Verlängerung des 1990 vom Souverän beschlossenen KKW-Baustopps um weitere zehn Jahre bis 2010. Verlängerungen der Betriebszeit bestehender Werke wären dem fakultativen Referendum zu unterstellen, Leistungserhöhungen dürften nicht bewilligt werden.

Im Auftrag der KKW untersuchten Professor Wolfgang Pfaffenberger vom Bremer Energie-Institut und Professor Borner die Kosten der beiden Initiativen. Nach Meinung Borners sind Vorgaben einer festen Restlaufzeit für die Sicherheit der KKW kontraproduktiv und wirtschaftlich unsinnig. Der Umwelt würde nicht geholfen.

Dieses Vorgehen würde rund 40 Milliarden Franken kosten, wie es hiess. Folge der Moratoriums-Initiative wären Kosten von 29 Milliarden Franken. Sie will das bestehende Baumoratorium verlängern und bei einer Verlängerung der Betriebszeit über 40 Jahre hinaus einen Volksentscheid ermöglichen.

Die ermittelten Kosten setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Die direkten Mehrkosten belaufen sich beim Ausstieg laut Studie auf 13,6 Milliarden Franken, beim Moratorium plus auf 8,8 Milliarden Franken.

Dazu kommen im ungünstigen Fall 15,1 Milliarden beziehungsweise 12,5 Milliarden, weil die Erzeugung von Strom aus Erdgas mit einem hohen Preisrisiko verbunden sei. Als drittes würde die Belastung der Luft mit Schadstoffen aus der Verbrennung fossiler Energieträger steigen. Deshalb müssten zusätzliche Massnahmen zur Emmissionsvermeidung getroffen werden, wofür die Studie 11,4 beziehungsweise 7,4 Milliarden Franken in Rechnung stellt.

Im Weiterbetrieb der Kernkraftwerke sieht die Studie grosse volkswirtschaftliche Kostenvorteile. Würden diese genutzt, so stehe mehr Geld und Zeit zur Entwicklung erneuerbarer Energien für die Zukunft zur Verfügung. Ein vorzeitiger Ausstieg behindere die erneuerbaren Energien, hiess es. Gemäss Peter Wiederkehr, dem Direktionspräsidenten der Nordostschweizerischen Kraftwerke (NOK), sind die Betreiber der Schweizer AKW auf keine Energie fixiert, auch nicht auf die Kernenergie.

Als Wirtschaftsunternehmen produzierten sie nach wirtschaftlichen, nicht nach ideologischen Kriterien. Die Kernenergie sei eine wirtschaftliche und konkurrenzfähige Energie.

Falsch sei die vielfach kolportierte Behauptung, die Wasserkraft subventioniere die Kernenergie. Wasserkraft und Kernenergie könnten nicht finanziell gegeneinander ausgespielt werden. Es gelte eine einfache Erfahrungstatsache. Alte Wasserkraftwerke seien billiger als neue Atomkraftwerke, ältere Atomkraftwerke produzierten günstiger als neue Wasserkraftwerke.

AKW-Gegner weisen Studie zurück

Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) sowie die Umweltorganisationen Greenpeace und World Wide Fund for Nature (WWF) und die Intitianten von «Strom ohne Atom» weisen die Studie zurück. Es sei grotesk, dass die AKW-Betreiber von den Kosten eines Ausstiegs sprechen, während sie mit dem Verkauf überflüssigen Atomstroms Millardenverluste einführen, teilte die SES mit.

SES und WWF forden den Bundesrat auf, eine unabhängige Studie zum geordneten Rückzug aus der Atomenergie in Autrag zu geben. Darin müsse insbesondere der volkswirtschaftliche Nutzen durch den Umstieg auf rationelle Energienutzung, erneuerbare Energien und Wärmekraftkoppelung seriös geprüft werden.

Alle drei Organisationen kritsieren die Studie als einseitig. Pfaffenberger sei «atomfreundlich», schreibt die SES. Er habe eine ähnliche Studie für die deutschen Elektrizitätswerke wegen fragwürdiger Annahmen und heftiger Kritik korrigieren müssen. Die Studie sei ein Ablenkungsmanöver, um das Terrain für Entschädigungsforderungen vorzubereiten.

SRI und Agenturen

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