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Diabetes – eine lebenslange Krankheit

Fertig-Pen für die Verabreichung von Insulin. Keystone

Der Welt-Diabetestag vom Dienstag (14. 11.) will auf das Schicksal von zuckerkranken Menschen aufmerksam machen. Ein Leben, das nicht einfach ist, dank medizinischer Errungenschaften aber leichter geworden ist.

Rund 5 Prozent der Schweizer Bevölkerung leiden an Diabetes, mit deutlich wachsender Tendenz. Laut einer Studie der Universität Zürich bewegt sich die Schweiz damit im europäischen Durchschnitt. Im Kindes- und Jugendalter ist die Zuckerkrankheit die häufigste chronische Erkrankung.

Diabetes-Arten

Diabetes ist eine Gruppe von Stoffwechselstörungen, die durch eine Erhöhung des Blutzuckers definiert wird. Wie Dr. Bruno Müller, Oberarzt und Diabetologe an der Uni Bern und am Berner Inselspital gegenüber swissinfo erklärte, gibt es rund 25 verschiedene Arten. Die geläufigsten sind Typ 1 (Jugendzucker) und Typ 2 (Alterszucker). Beim Typ 1 sind die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse komplett zerstört. Beim Typ 2 sind die Betroffenen teilweise immun gegenüber dem körpereigenen Insulin. Typ 2 ist viel verbreiteter als Typ 1.

Behandlungsmethoden

Wer an Typ 1 leidet muss dem Körper in der Regel zwei bis sieben Mal täglich Insulin zuführen und den Blutzuckerspiegel kontrollieren. Dies geschieht entweder durch Injektion oder die sogenannte Pumpen-Therapie. Die Pumpe oder der Dispenser, wie er auch genannt wird, wird angehängt oder eingepflanzt und gibt Insulin ab. Das Gerät kann allerdings nicht selber Blutzucker messen und das Insulin real nach Bedarf abgeben.

Dieser Nachteil würde durch die sogenannte «geschlossene Schleife» behoben: Dabei wird eine Sonde unter der Haut angebracht, die den Blutzucker misst und nach Bedarf Insulin abgibt. Technisch ist diese Methode realisierbar, dürfte aber, wie Dr. Müller gegenüber swissinfo erklärte, wegen der zahlreichen Sicherheits-Bestimmungen erst in drei bis fünf Jahren zur Anwendung kommen.

Eine weitere Möglichkeit dürfte künftig die Insel-Zell-Transplation bieten. Hier werden Zellen aus der Bauchspeicheldrüse gewonnen, aufbereitet und in die Leber gespritzt. Dort produzieren sie dann eigenes Insulin. In 90 Prozent aller bisherigen Fälle wurden die Zellen nach einem Jahr allerdings wieder abgestossen. Deshalb kommt diese Behandlungsmethode zur Zeit in der Schweiz kaum zur Anwendung. Der Diabetologe Bruno Müller bezeichnet sie jedoch als viel versprechend

Typ 2-Erkrankte können grösstenteils mit Tabletten behandelt werden. Seit diesem Jahr sind Insulin-Sensitizer verfügbar, ein Medikament, das gezielt die Insulin-Resistenz abbaut. Um den eigenen Blutzucker auf «unblutige Art» messen zu können, ist eine Uhr entwickelt worden. Technisch ist man so weit, das Gerät ist aber noch nicht verfügbar. Wichtig sind für Diabetiker auch eine gesunde Ernährung sowie genügend Bewegung.

Vom tierischen über das humane hin zum Designer-Insulin

Frühere wurde Insulin verwendet, das aus Rindern und Schweinen gewonnen wurde. Im Zeitalter der Kreutzfeld-Jakob-Krankheit sei tierisches Insulin jedoch verpönt, sagt Dr. Müller. Es werde aber immer noch gebraucht.
Seit den 80-er Jahren wird Human-Insulin gentechnisch hergestellt und seit 1996 Designer-Insulin, auch Insulin-Analoga genannt. Das Designer-Insulin hat eine präzisere und verlässlichere Wirkung.

Gaby Ochsenbein


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