Mehr Klima-Forschung – weltweit und regional
Die Schweiz wünscht vom UNO-Klimabeirat mehr regionale und ökosystem-orientierte Prognosen über die Auswirkungen des Klimawandels.
Für José Romero, Experte des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) ist die Bilanz der soeben zu Ende gegangenen Jahres-Tagung des UNO-Klima-Beirates (IPCC) in Nairobi klar: Die verabschiedeten IPCC-Klimaberichte bewiesen, dass der Mensch am globalen Temperatur-Anstieg von 0,6 Grad im letzten Jahrhundert eine starke Mitverantwortung trägt.
Die Einflüsse von Mensch und Natur könnten dank verbesserten wissenschaftlichen Methoden heute genauer getrennt werden. Doch weiterhin sind viele Fragen offen.
So sollten die Folgen eines Temperaturanstiegs in einem fragilen Ökosystem wie den Alpen genauer studiert werden, sagte Romero. Auf Fragen wie «Wie reagieren die Pflanzen?», «Steigt die Baumgrenze?» solle eine Antwort gefunden werden. Solche Ergebnisse seien dann teilweise auch für Berg-Gebiete Asiens oder Amerikas gültig.
Die Delegationen an der IPCC-Jahrestagung in der kenianischen Hauptstadt seien sich aber auch einig gewesen, dass die Lücken in der Weltklimaforschung geschlossen werden müssten, sagte der Tagungs-Vertreter des Bundes weiter. Insbesondere in Afrika und Lateinamerika gebe es noch zu wenige meteorologische Stationen.
Zu befürchten sei, dass die Treibhausgas-Emissionen langfristige Folgen haben. Das jetzt ausgestossene CO2 verbleibe über hundert Jahre in der Atmosphäre.
«Flexible Mechanismen» nur Übergangslösung
Aus den Klimaberichten des UNO-Gremiums gehe aber auch hervor, dass «Tausende Technologien» vorhanden seien, um den Ausstoss von Treibhaus-Gasen ohne höhere Kosten zu vermindern. Investitionen in eine effizientere Energienutzung seien vielfach in ein bis zwei Jahren amortisiert. Dies stimme relativ optimistisch.
Romero räumte ein, dass politische und kulturelle Barrieren eine wirksame Umsetzung der Massnahmen bisher verhinderten. Um Länder ins Boot zu holen, die bei einer Umsetzung des Klimaprotokolls von Kyoto zu hohe Kosten befürchten, seien die so genannten flexiblen Mechanismen (Handel mit Emissions-Zertifikaten, Anrechnung von CO2-Senken) eingeführt worden.
Romero wies aber darauf hin, dass die flexiblen Mechanismen keine langfristige Lösung, sondern lediglich einen Zeitgewinn darstellten.
Nicht verpolitisieren
Romero warnte davor, den guten Ruf des IPCC durch eine Verpolitisierung zu beschädigen. Der Rat gelte bisher als integer und unabhängig, seine Arbeit werde von allen Staaten anerkannt und unterstützt. Die nächste Tagung des Gremiums findet im September in London statt.
swissinfo und Agenturen
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