Unbekannte Firma liefert Heroin
Acht Jahre nach Beginn der ärztlichen Verschreibung von Heroin an Schwerstsüchtige hat sich der Bund aus der Rolle des Heroinlieferanten zurückgezogen.
Ein Schweizer Pharmaunternehmen produziert und vertreibt das Heroin nun im Auftrag der Regierung; seit einigen Tagen ist das Heroin auch als Arzneimittel registriert.
In der Volksabstimmung vom 13. Juni 1999 wurde die Rechtsgrundlage für die Heroinabgabe, die seit 1994 auf Versuchsbasis lief, gutgeheissen. Die Bundesbehörden hatten stets geplant, sich nach Abschluss der Versuchsphase aus der Rolle des Heroinlieferanten und auch aus der Finanzierung zurückzuziehen.
Nach fast zweijährigen Vorarbeiten ist es nun so weit, wie Paul Dietschy, Chef der Fachheinheit Heilmittel im Schweizerischen Heilmittelinstitut, Swissmedic, der Nachrichtenagentur AP sagte.
Kein grosses Geschäft
Die Lizenz für die Herstellung und den Vertrieb für das Heroin wurde in einem Einladungsverfahren an eine private Firma vergeben. Es handle sich um eine Schweizer Kleinfirma; die grossen Pharmakonzerne hätten kein Interesse gezeigt, sagte Dietschy.
Neben rechtlichen Fragen galt es auch die Sicherheitsaspekte zu gewährleisten, unter denen das Heroin für die Behandlungs-Projekte künftig produziert wird. Aus Sicherheitsgründen wird der Name der ersten behördlich abgesegneten Heroin-Produzentin in der Schweiz nicht bekannt gegeben.
Für die Lizenz musste die Firma einen nicht genannten Betrag an den Bund zahlen. «Es handelt sich sicher nicht um ein lukratives Geschäft», sagte Dietschy. Die Forschungs- und Entwicklungskosten des Bundes seien voll abgeschrieben worden, und die Lizenz sei praktisch zu den Lagerkosten vergeben worden.
Offiziell ein Heilmittel
In einem weiteren Schritt wurde vor wenigen Tagen das von der Firma künftig unter dem Namen Diaphin produzierte Heroin in Injektionsform offiziell als Heilmittel registriert, wie Tanja Lustenberger, Sprecherin im Bundesamt für Gesundheit (BAG), sagte.
Bereits Ende Februar 2000 hatte das BAG bei der Interkantonalen Kontrollstelle für Heilmittel (IKS) das Gesuch für die Zulassung von Diacetylmorphin (DAM) – so der wissenschaftliche Name für Heroin – mit den nötigen Unterlagen eingereicht.
Die Lizenz gilt laut Dietschy nur für die Zulassung in der Schweiz, und neben der Schweiz blieben bisher die Niederlande das einzige Land, das im Zuge eines Forschungsprojekts die heroingestützte Behandlung für rund 750 Heroinabhängige anbietet.
In Deutschland laufen entsprechende Vorbereitungen. Zudem ist die von Forschern im Auftrag des BAG entwickelte spritzbare Form des Heroins nicht patentgeschützt.
swissinfo und Balz Bruppacher (ap)
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